Vertrauen ist gut, Beleg ist besser

12. Juni 2009, 17:40
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Umfrage zeitigt erste Ergebnisse – Skiverband beauftragt Rechnungsprüfer mit den Antworten

Wien - Die ersten Antworten kommen. Am Freitag meldete sich ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und bekundete seine Bereitschaft, die Fragen des Standard "bezüglich der wirtschaftlichen Gepflogenheiten des österreichischen Skiverbandes" zu beantworten. Schröcksnadel: "Seit 2003 hat der österreichische Skiverband zusätzlich zu den bereits bestehenden Prüfungen durch die eigenen Rechnungsprüfer und zwei Steuerberatungskanzleien eine externe Wirtschaftsprüfungskanzlei mit der Prüfung der Gebarung beauftragt, an die wir Ihren Fragebogen zur Beantwortung weitergeleitet haben."

Thomas Fenzl vom Wasserskiverband hat die Fragen vorerst einmal mit einigen Fragen beantwortet. Sie sollen im Folgenden kurz abgehandelt werden, was hoffentlich auch andere potenzielle Antwortende beruhigt. So findet es Fenzl "äußerst bedenklich" , Fragen zu den Finanzgebarungen der Vereine und Verbände unter das Synonym "gewisse Unsauberkeiten im Sport" zu stellen. Denn viele Funktionäre würden darunter eher den Kontext "fairer Wettkampf nach dem olympischen Gedanken" vermuten.

Wie die leidvolle Erfahrung gezeigt hat, sind gerade bei Olympischen Spielen immer wieder Dopingsünder aufgeflogen. Die systematische Beschaffung der Mittel, die sie für den Erwerb ihrer chemischen Helferleins benötigten, wurde bisher freilich weit weniger gründlich untersucht als die unzähligen Urin- und Blutproben. Hier handelt es sich also offensichtlich um eine krasse Unfairness, die dem olympischen Gedanken widerspricht.

Weiters mutmaßt Fenzl "Auftraggeber" dieser Umfrage. der Standard stellt dazu fest, dass es diese nicht gibt, ausgenommen die Neugierde und die Suche nach der Wahrheit (im Eigenbeleg). Die von Fenz zitierten "öffentlichen Förderstellen wie Stadt, Land, Bund" sind mindestens durch die Publikation des Fragenkatalogs im Standard vom 12. Juni 2009 mit der Umfrage vertraut. Außerdem wurde der stellvertretenden Leiterin der Förderinstitution Top Sport Austria (mittlerweile in "Team Rot Weiß Rot" unbenannt), Karin Glatt, die Fragenliste bereits gesendet.

Der Umgang mit den entsprechenden Belegen entfaltet beispielsweise im Fall Susanne Pumper hygienische Wirkung. Die Läuferin wurde im Oktober 2008 von der Nada für zwei Jahre (rückwirkend ab März) wegen Dopings gesperrt. Sie war zweimal, im März und im April 2008, positiv auf Epo getestet worden. Von Oktober 2007 bis Oktober 2008 hatte ihr Top Sport Austria 20.000 Euro an Spitzensportförderung bewilligt. Pumper: "Die Summe wurde aber nur aliquot bis März ausbezahlt."

In der Leichtathletikszene kursieren überdies Gerüchte, Pumper habe mit einem Badeaufenthalt auf den Malediven geprahlt, der von Top Sport Austria finanziert worden sei. Pumper soll ein Trainingslager in Kenia beantragt haben, tatsächlich aber zum Baden auf die Malediven geflogen sein.

Pumper weist diese Geschichte aufs Schärfste zurück. Angesichts der Abrechnungsmodalitäten des TSA scheint sie auch unglaubwürdig. Pumper: "Die kontrollieren jede Rechnung. Erst der Verband, dann das Ministerium." Roland Gusenbauer, Generalsekretär des Leichtathletikverbandes, bestätigt Pumpers Darstellung: "Das Ministerium hat alle Abrechnungen dokumentiert, ein Missbrauch der Fördermittel wäre nur sehr schwer möglich."

Die Vorbehalte von Thomas Fenzl gegen weitere "unnötige bzw. nichtssagende Umfragen" sollten sich damit erledigt haben. Der Unterstützung des Wasserskiverbands im Kampf gegen den Eigenbelegsmissbrauch dürfte somit nichts mehr im Weg stehen. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, 12.6.2009)

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