Höhere Graduierung: Gut für Führungskarrieren

12. Juni 2009, 16:42
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Bachelor-Einstiegsgagen liegen laut einer Studie nur wenig unter denen von Masters - Die Vergütungskarriere ist aber nicht so steil

Laut aktueller Vergütungsstudie des Beraters Kienbaum liegen Bachelor-Einstiegsgagen nur wenig unter denen von Masters. Letzteren wird aber eine steilere Vergütungskarriere prognostiziert.

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"Wir waren überrascht, dass der Unterschied zwischen Bachelor- und Master-Absolventen bei den Einstiegsgehältern kleiner war als ursprünglich erwartet", so Maria Smid, Projektleiterin der Kienbaum Vergütungsstudie "Führungskräfte in Österreich 2009". Erstmals wurden Bachelor-Absolventen für die Vergütungsstudie mit untersucht. Mit vergleichs-weise nur zehn Prozent weniger Gehalt als Master-Absolventen beim Jobeinstieg zeige sich unter anderem auch, dass der Arbeitsmarkt tendenziell gute Erfahrungen mit den Bachelor-Absolventen gemacht hat, so Smid. 

In Zahlen ausgedrückt verdient ein Einsteiger mit Master-Abschluss in den Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften und Informatik mit 35.300 Euro jährlich am meisten. Gefolgt von Master-Absolventen der Wirtschaftswissenschaften mit durchschnittlich 33.500 Euro jährlich, so die Studie. Uni- und FH-Master in Rechtswissenschaften verdienen rund 32.000 Euro, Bachelor 29.500 Euro. Uni-Master in Naturwissenschaften liegen bei rund 31.900 Euro, FH-Master bei 31.500 Euro und Bachelors bei 29.100 Euro Einstiegsgehalt.

Hälfte macht keinen Unterschied

Interessant sei die Tatsache, so Smid, dass die Hälfte der befragten 259 Unternehmen keinen Unterschied zwischen FH- und Uni-Abschlüssen mache. Angaben darüber, wie sich Bachelor-Gehälter in der Folge entwickeln werden oder könnten, sind naturgemäß begrenzt. Dafür sind sie noch zu jung, erklärt Smid. Genaueres werde man erst in rund fünf Jahren sagen können. Zwar sei anzunehmen, dass mit dem Eintritt eines Masters ins Arbeitsleben der Bachelor-Absolvent diesen gehaltstechnisch - aufgrund längerer Berufstätigkeit - zunächst überholt hat. À la longue attestiert Smid aber Master-Absolventen eine steilere Vergütungskarriere. Smid: "Man kann davon ausgehen, dass viele Unternehmen darauf achten, dass ihre Führungskräfte eine höhere akademische Ausbildung haben." Der Vergleich mit (Vergütungs-)Karrieren in den USA, wo der Bachelor den "Hauptabschluss" darstelle, lasse diese Annahme ebenfalls zu.

Bei Einsteigern sind die Gehälter relativ nivelliert, es gibt, so Smid, klare Richtlinien, an die sich die meisten Unternehmen auch halten. Zudem seien die Unterschiede zwischen einzelnen Absolventen auch noch nicht sehr groß. Interessant sei aber, so Smid weiter, dass Einsteigern heute auch variable Komponenten angeboten werden - ein halbes bis zu einem ganzen Monatsgehalt seien üblich und durchaus positiv zu bewerten, zumal diese Komponenten leistungsbezogen sind. Auch bei Einsteigern gilt, so Smid: Auslandserfahrung, berufsbegleitende Praktika bringen Vorteile.

Vergleich mit Deutschland

Im Vergleich zu Jobeinsteigern in Deutschland verdienen Österreichs Bachelors und Masters weniger. Mit technischem Abschluss verdienen Einsteiger in Deutschland zwischen 40.000 und 42.000 Euro jährlich, mit Bachelor-Abschluss liegt man im Schnitt zwischen 38.000 und 40.000 Euro jährlich. Allerdings, so Smid, ist in Österreich die Verdienstkurve später steiler.

Nicht zuletzt zählen, so Smid, Persönlichkeitsmerkmale - besonders in Österreich. In einer anderen Studie erhob das Beratungsunternehmen fürs Berufsleben wichtige Eigenschaften: An erster Stelle lag mit 74 Prozent "Eigenmotivation", gefolgt von 69 Prozent „Lernbereitschaft" und 64 Prozent "soziale Kompetenz". Erst danach, so Smid abschließend, lagen mit 51 Prozent die Klassiker "Belastbarkeit" und "Zielorientierung" (40 Prozent). (Heidi Aichinger/DER STANDARD; Printausgabe, 13/14.6.2009)

  • Maria Smid (Kienbaum): Es sei davon auszugehen, dass Unternehmen auf eine höhere akademische Karriere bei ihren Führungskräften achten. Beim Einstieg verdienen Bachelors aber nicht viel weniger.
    foto: kienbaum

    Maria Smid (Kienbaum): Es sei davon auszugehen, dass Unternehmen auf eine höhere akademische Karriere bei ihren Führungskräften achten. Beim Einstieg verdienen Bachelors aber nicht viel weniger.

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