Fahrrad-Demos

Vier Runden im Kreisverkehr

12. Juni 2009 19:39
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    Foto: der standard/christian fischer

    „Reclaim the street - Hol dir die Straße zurück" ist das Motto, auf das sich alle Teilnehmenden einigen können.

Jeden dritten Freitag im Monat breiten sich RadfahrerInnen als kritische Masse auf Wiens Hauptverkehrsadern aus

„Gegen was seid ihr? Wer ist bei euch der Chef?", fragen verwunderte Passanten jedes Mal. Dass sich hunderte Fahrradfahrer auf Wiens Hauptverkehrsadern ausbreiten, um dort Lärm zu machen und bunt auszusehen, und dabei ganz ohne Anführer, Ideologie und Route auskommen, passt so gar nicht in das Verständnis einer „Demo". Critical Mass nennt sich die Bewegung, die seit 1992 weltweit Städte durchsickert - von Washington bis Wiener Neustadt.

Rauchpause auf Reichsbrücke

Mehr als 500 Radler waren zuletzt in Wien dabei. Einmal im Monat fahren sie dort, wo sie sie sonst verdrängt werden. Sie machen die Stadtautobahn zum Zweirad-Highway, legen eine Rauchpause mitten auf der Reichsbrücke ein, drehen vier Runden im Kreisverkehr. Grüne Ampel hin oder her - Autos müssen warten, bis die Fahrradkolonne weitergezogen ist. „Reclaim the street - Hol dir die Straße zurück" ist das Motto, auf das sich alle Teilnehmenden einigen können. Alles weitere ist private Gesinnung: Manche strampeln für den Klimawandel, andere für ein Wirtschaftssystem, das nicht nur die Stärkeren - die Autos - favorisiert. Und manche wollen einfach nur wissen, wie der Wiener Gürtel ohne Autos aussieht.

Zufälliges Treffen

Nach Österreich kam die „CM" relativ spät: Vor drei Jahren startete sie in Wien, wenig später folgten Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck, Feldkirch. In Wien steht die CM unter Polizeischutz, angemeldet ist sie als quasi zufälliges Aufeinandertreffen hunderter Fahrradfahrer jedoch nicht: „Warum auch", fragt ein CM-Teilnehmer: „Melden Autos Staus an?" (mas, derStandard.at, 12.6.2009)

 

Die nächste Wiener Critical Mass startet am 19. Mai um 17 Uhr am Schwarzenbergplatz.

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Critical Mass

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
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mediocrity
15.06.2009 00:36
Gut so!

Im Rahmen der "critical mass" übernehmen Radfahrer einmal im Monat für kurze Zeit die "Herrschaft" über die Straßen - und werden natürlich entsprechend angefeindet. Vielen Leuten gilt die Straße immer noch als Bereich, der einzig und allein den Autos (bzw. eventuell noch deren Fahrern) gehört. Ein Fußgänger hat auf der Straße nichts verloren, und auch am querenden Zebrastreifen ist er ein Fremdkörper, den man spüren lässt, dass er im Weg ist. Ebenso hat der langsame Radler nichts auf der Straße verloren, weil er ja "den Verkehr", als den Autoverkehr "blockiert" oder "behindert".

Ich bin froh, dass die "critical mass" einmal im Monat Leben auf die Straße bringt, richtiges Leben, bunt und lustig und kreativ.

Noussom Dakkor
13.06.2009 04:05

hab das schon 2mal als passant mitgekriegt: angepisste autofahrer, gelangweilte polizisten (einer hat mal sein motorrad hingelegt. war ihm ziemlich peinlich ;-) , und leider auch ein paar angesichts des staus auf dem kai schadenfroh grinsende radler. alles in allem sicher nicht der beste weg, um die friedliche koexistenz von autos und rädern in der stadt zu fördern. aber ich habe das gefühl, dass das in unserem land eh niemand will. hauptsache, jeder hat recht :-/

El Coyote
13.06.2009 18:02
Komisch, dass man immer von den Beraubten Grossmut & Toleranz verlangt.

siehe http://vienna.mybikelane.com

Noussom Dakkor
13.06.2009 23:15

nachtrag: es gibt weitaus wirkungsvollere, aber dennoch subtilere wege, um solchen radwegparkern mit dem zaunpfahl zu winken.

zB die "parke nicht auf unseren wegen"-aufkleber:
<http://www.umverka.de/hefte/hef... t.html>

bringt mehr, hilft bei anbringen auf fahrer-augenhöhe der psychohygiene und gilt auch nicht als sachbeschädigung.

flysh
13.06.2009 19:50
mybikelane

grad mit dem rad lassen sich solche "hindernisse" locker umfahren. aber nummerntaferl fotografieren und an den pranger stellen? privatsherrif spielen ist meine sache nicht.

mediocrity
15.06.2009 00:31

Nach dieser Logik ist Rücksichtslosigkeit eh kein Problem, weil man ja trotzdem immer irgendwie durchkommt, der Rücksichtslosigkeit zum Trotz.

Es gehört bei uns irgendwie zum guten Ton, dass immer die Intoleranten von ihren Opfern Toleranz einfordern. Ich parke auf deinem Radweg? - Bitte mehr Toleranz! Dich stört mein Zigarettenqualm? - Bitte mehr Toleranz! Du hast was gegen Raser? - Bitte mehr Toleranz!

Auf mybikelane.com ist niemand "Sherrif", und den abgebildeten entsteht auch kein Schaden. Es geht nur darum, aufzuzeigen, ein wie häufiges Problem das Parken auf Radwegen ist.

anna b
14.06.2009 08:35

wozu dann überhaupt eine radfahranlage mit radwegbenützungspflicht? radfahrer haben nicht nur nachrang sondern sind (im falle eines unfalls) beim umfahren nämlich auch noch schuld.

ljack
13.06.2009 20:11
Können kann man viel.

Man kann auch sein Auto StVO konform parken.
Und wenn es nach der Größe der Fahrzeuge geht, dürften LKWs wohl überall parken.
Habe selbst schon oft ewig meine Runden gedreht, bis ich am Abend einen Parkplatz gefunden habe. Falschparken wäre kein Problem gewesen. Allerdings bin ich der Meinung, dass wir nicht im Wilden Westen leben und uns deshalb einigermaßen an die Regeln des Zusammenlebens halten sollten.
Ob man die Nummerntafeln für MyBikelane braucht, lass ich mal dahingestellt, aber die Seite selber finde ich gut. Sie zeigt deutlich, wo es regelmäßig Probleme gibt. Eigentlich von unschätzbarem Wert für die Stadtplaner...

Noussom Dakkor
13.06.2009 19:17

[ ] sie haben mein posting verstanden.
[ ] "koexistenz" ist ihnen ein begriff.
[x] sie schwimmen im selbstmitleid.

locker bleiben 8-)

ljack
13.06.2009 16:17

Teil 2:
Bin selbst schon mit dem Auto hinter der CM hängengeblieben (das war bei der Rossauerlände). Gut, ich wusste dass ich jetzt ein wenig warten muss, also Motor abgestellt, Fenster runtergekurbelt und beobachtet was die anderen Autofahrer so tun. In diesem Fall fuhren Autos über doppelte Sperrlinien, gegen Einbahnen und über Gehsteige, nur um nicht hinter Radlern warten zu müssen. Ein irres Chaos, verursacht von etwa 20 Autofahrern, die es nicht ausgehalten haben.
Nach gestoppten 5 Minuten ging es wieder weiter, alles in bester Ordnung.
Jetzt die Preisfrage:
Warum können Autofahrer problemlos wegen anderen Autofahrern stundenlang im Stau stehen, während sie bei 5 Minuten im Monat für Radfahrer austicken?
Die CM setzt ein gutes Zeichen.

Freigeist
13.06.2009 17:52
sieh es mal anders:

da haben sich die autofahrer mal die "rechte" der radfahrer genommen.

also warum sich wundern?

ljack
13.06.2009 19:59
Hm...

Ich persönlich sehe noch einen "winzigen" Unterschied drin, ob Leute ihr 15kg Fahrzeug über den Gehsteig bewegen oder ob es 1500kg hat.
Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass Radler ebenfalls nichts am Gehsteig verloren haben.

Walter Kaiser
 
13.06.2009 16:32
Weil sie nicht wissen, daß es nur 5 Minuten dauert?

Und natürlich stehen Autofahrer auch nicht problemlos hinter anderen Aiutofahrern im Stau. Wie kommen sie auf so einen Unsinn?

El Coyote
13.06.2009 18:04
Herdenverhalten !

Solange eine Kuh einen Kuhhintern vor sich sieht: kein Problem !

Walter Kaiser
 
13.06.2009 21:48
Aha, da spricht wer aus eigener Erfahrung.

ljack
13.06.2009 16:11

Ich kenne die CM von allen Seiten: als Fußgänger, als Autofahrer und als Radler.
Die Form der CM, als fröhlich bewegte Masse für die eigenen Rechte einzutreten, finde ich sehr ansprechend. Das geht den meisten Passanten ebenso. Überall lachende Gesichter, die Menschen winken den Radlern zu, bewegen sich gelegentlich rhythmisch zur Musik.
Meist warten sie bis die Radler vorbei sind, was ohnehin nur ein paar Minuten dauert, aber wenn sie die Straße kreuzen wollen, dann ist das im Normalfall kein Problem. Also soweit alles friedlich und freundlich.
Dann kommen die Autofahrer ins Spiel. Die meisten von ihnen sind ebenfalls friedlich und freundlich, aber was die Wahnsinnigen aufführen, ist echt der irr. Teil 2 folgt...

der_Sasch
 
12.06.2009 23:31

wann is denn das mal in graz?

ameno
13.06.2009 00:09

servus

im normalfall glaub ich am letzten freitag des monats (das wäre dieses mal der 26.6.). schau am besten ein paar (wenige) tage auf folgende url und wenn nix steht frag im forum nach.
http://www.criticalmass.at/category/graz

mediocrity
15.06.2009 00:27

Immer am letzten Freitag im Monat, Treffpunkt ca. 16.30 vorm Kunsthaus (Südtiroler Platz), Abfahrt üblicherweise gegen 17 Uhr.

mein fahrrad
12.06.2009 23:07

Die nächste Wiener Critical Mass startet natürlich am 19. JUNI um 17 Uhr am Schwarzenbergplatz.

peak oil
13.06.2009 08:51
wer es genauer wissen will:

hier der aufruf im original:
http://www.criticalmass.at/1633
also: handtuch einpacken nicht vergessen!

Ulaana Liaana
12.06.2009 22:51
super...

sache und auch sehr lustig. ich fahr in salzburg mit ;-)

sebl
12.06.2009 21:18

na, wer außer mir outet sich jetzt noch als CM-fahrer?
und wer fährt nächsten freitag nackt?

;-)

ameno
13.06.2009 00:09

badehose.

dr.no3
13.06.2009 13:00
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