Auf der Welle reiten oder untertauchen

12. Juni 2009, 16:36
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Der Suhrkamp-Verlag setzt seine im Mai begonnene Krimireihe mit "Pacific Private" von Don Winslow fort

Im sonnigen Kalifornien gibt es erwachsene Männer, die nichts anderes im Kopf haben als die nächste große Welle. Daniel Boone ist, wie seine Kumpel auch, zuallererst Surfer. Er hat aber immerhin ein Surfgeschäft und verdingt sich als Detektiv, statt in den Tag hineinzuleben, in der Hoffnung, auf der ultimativen Welle zu reiten und dabei gefilmt zu werden, woraus sich dann ein Vertrag mit einem Sponsor ergeben könnte. Diese Dauerinfantilität als Lebensstil wirkt auf den Leser ein bisschen nervig. Zum Glück passiert dann etwas auf dem festen Land. Boone wird von einer Versicherung angeheuert, um eine Zeugin aufzuspüren, die eine Brandstiftung beobachtet haben soll.

Die Dame aus dem Strippergewerbe ist allerdings schwer auffindbar - kein Wunder, ist doch ihre Kollegin von einem Hotelbalkon geworfen worden. Parallel dazu wird die Geschichte von Kinderprostituierten erzählt, die aus Mexiko eingeschmuggelt werden und an die Erdbeerpflücker, die auf den Feldern Kaliforniens schuften, vermietet werden. Auf das Paradies mit seinen Postkartenmotiven fällt Schatten. Der Autor erzählt allerhand über die Gegenkultur der Surfer, legendäre Wasser-Haudegen, Spuren, die der Sport in der Musikszene hinterlassen hat und die wechselvolle Geschichte des Ortes Pacific Beach. Das gibt einen ungewöhnlichen Rahmen für einen eher schlichten Plot. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.06.2009)

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www.krimiblog.at

Don Winslow, "Pacific Private" . Deutsch: Conny Lösch. € 10,30/ 395 Seiten. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2009

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    cover: suhrkamp
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