Ein Bild aus mehr als tausend Worten

12. Juni 2009, 16:36
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Teil elf der Reihe über die schönsten Bücher des Jahres: "Art & Language. Brouillage. Dessinson paper 1965-2008", herausgegeben von der Galerie Thaddäus Ropac

Zu den 15 preisgekrönten Büchern des letzten Jahres gehört auch Art & Language. In der Kategorie "Kunstbände" zu bestehen ist eine besondere Herausforderung, stehen doch hier die ästhetischen und formalen Kriterien per definitionem im Vordergrund. Was hebt dann einen Katalog wie diesen, zu Ausstellungen in Paris und Salzburg 2008, aus der Menge der Neuerscheinungen hervor? Möglicherweise die Absicht der Herausgeber, sich gerade nicht in den Vordergrund zu drängen. Entsprechend jedenfalls sind Christina und Gerhard Andraschko, Geschwisterpaar der Salzburger Designagentur linie3, die Gestaltung des Buches angegangen. Es ist wie ein white cube, eine neutrale Fläche, auf die sich die Themen des Künstlerkollektivs Art & Language bestens projizieren lassen. Wobei sich deren Arbeiten, an der Grenze zwischen Konzeptkunst, konkreten Produkten und theoretischer Reflexion, von vornherein besonders dazu eignen, zwischen Buchdeckeln noch einmal Revue zu passieren.

Seit vier Jahrzehnten begleiten verschiedene Mitglieder des Kollektivs (drei vom harten Kern sind drangeblieben) die Diskurse, das Reden und Gerede über Kunst und Sprache mit ihren gezeichneten, collagierten, scheinbar zufälligen und doch genau kalkulierten Interventionen - "Brouillages" heißen sie im Untertitel, also etwa (Bild-)Störungen. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Was aber, wenn ein Bild aus mehr als tausend Worten besteht? Soweit nur eine der vielen Fragen, die die drei Engländer aufwerfen und die im Begleittext von Barbara Rose auf französisch und englisch erörtert werden. Es gibt keinen Fortschritt, mutmaßt sie, es gibt aber auch keine Alternative zum Fortschritt. Die Ratlosigkeit angesichts solcher Überlegungen ist groß, auch die Kategorie der Schönheit will nicht mehr greifen. Den Buch-Machern ist zugutezuhalten, dass sie dennoch beim Handwerk geblieben sind. Das Ergebnis ist, solange niemand ein besseres Wort dafür hat, schön. (Michael Freund, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.06.2009)

Galerie Thaddäus Ropac (Hg.), "Art & Language. Brouillage. Dessinson paper 1965-2008" . € 30/108 Seiten. Galerie Thaddäus Ropac, Paris/Salzburg 2008

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    foto: der standard
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