Iberischer Kombinierer

13. Juni 2009, 17:00
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Bei Hochkonjunktur kriselte Seat, in der Krise läuft's prächtig. Ibiza bestsellert , Exeo erschließt neue Kunden. Nun kommt der meiste Exeo: ST. Der Kombi.

In Österreich ist er ein 70-Prozent-Typ. Soll heißen: Wer sich einen Exeo anlegt, greift (ab Herbst) in 70 Prozent aller Fälle zum Kombi, nur 30 Prozent wählen die Limousine. Das zumindest erwartet der Importeur. Damit läge Seats Flaggschiff mit den Audi-Genen etwa auf Augenhöhe von VW (Passat), Ford (Mondeo) und Co. Kein Wunder: Selbst, wenn man den ST - das Kürzel steht nicht etwa für "sine tempore" (zeitlos), sondern für die schöne spanische Bezeichnung Sports Tourer - nicht hübscher findet als die Stufenheckvariante, er ist einfach das deutlich praktischere Automobil, obwohl beide praktisch gleich lang sind: 4,67 Meter.

 

Ladezone nämlich. Die packt 442 Liter; sind die Rücksitze umgelegt, wächst das Volumen auf 1354 Liter. An Flexibili- und Variabilität lässt dieser iberische Kombinierer auch keine Wünsche offen, niedrige Ladekante schadet nie, vier Verzurrösen im Boden sind hilfreich und gut, er kann folglich alles, was ein moderner Kombi können muss.

Zu den Audi-Genen - bekanntlich leitet der Exeo sich von der verflossenen A4-Baureihe ab - zählt auch der hochwertige Qualitätseindruck. Stimmige Materialien, Wohlfühlatmosphäre bei einer gewissen sportlichen Grundtendenz, tadellose Ergonomie. Dies zumindest ist der Haupteindruck, den der Standard von der internationalen Pressepräsentation rund um Madrid mitgenommen hat.

Schade bloß, dass Seat von der guten Tradition abgekommen ist, Fahrzeuge in jenen Regionen oder Städten vorzustellen, nach denen sie benannt sind, Ibiza etwa, León, Toledo. Andererseits: Eine Stadt namens Exeo konnten wir in Iberien nicht finden, das Wort ist schlicht von der Sprache der einstigen Besatzungsmacht Rom hergeleitet, vom lateinischen "exire", was so viel wie "hinausgehen" bedeutet. Der Exeo soll also nicht nur daheim bleiben und in Spanien eine gute Figur machen, sondern hinausgehen nach ganz Europa und dort viele neue Kunden ködern, besonders Flottengeschäftskunden.

 

Mehrere Argumente glaubt Seat dafür nennen zu können: Preis (günstig). Qualität (fein). Umweltverträglichkeit (Motoren sauber, sparsam). Latin-Lover-Bonus (nein, den haben wir frei erfunden). Sauber, sparsam? Von der Motorenfront ist unter anderem zu vermelden, dass auch ein Einstiegs-Common-Rail-Diesel mit 120 PS verfügbar sein wird. Wie sparsam/spritzig der genau ist, weiß allerdings noch niemand - er ist so brandneu, dass noch keine Daten vorliegen.

Zum sportlichen Eindruck passt übrigens das straffe Fahrwerk, das dennoch viele Komfortreserven hat. Wer glaubt, auf die verzichten zu können, sollte die Version Sport ordern. Die macht dann einen auf Brett: vorn 30 Prozent mehr Federhärte, hinten 25 Prozent, Stoßdämpfer 20 Prozent steifer ausgelegt. Exeo ST also - der richtige Typ für harte Zeiten. Zu 70 Prozent. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, 12. 06. 2009)

 

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