Der Ärger mit dem Sommerspritzer

12. Juni 2009, 15:15
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Über die Tücke der Wasserhähne

Die EU-Wahlen sind seit einer Woche vorbei, und ich pack es noch immer nicht, dass ich ÖVP, Vorzugsstimme Karas, wählen musste. Aber: Wen denn sonst?

Den Grünen gebührte für die idiotische Voggenhuber-Demontage eine strenge Abmahnung. Statt Swoboda/Faymann oder Martin zu wählen, hätte man genauso gut ein Krone-Abo bestellen können.

Der Blaue mit der Hackvisage und der Putativ-Volksanwalt aus der Petzi-Partei waren ideologisch nicht ansprechend. Blieb just die ÖVP, und weil mir Strasser schon als Innenminister und Polizeidemolierer mächtig mißfiel, Vorzug für den im Vergleich harmlosen Karas. Übelste Urnen-Taktiererei also. Zur Strafe muss ich fünf Jahre mit dem Wissen leben, dass ich, völlig "contre cœur", rechts gewählt habe und als Draufgabe den, hehe, prickelndsten Parlamentarier aller Zeiten. Zum Glück war's nur die EU-Wahl.

So viel zu den großen politischen Krisen, doch was wären die großen Krisen ohne die kleinen? Über allen Megapleiten vergisst man gern, dass auch der tägliche Mini-Ärger nie abreißt. Beispiel: der Sommerspritzer. Wollte man eine Sommerspritzer-Krise künstlich herbeiführen, wäre die Versuchsanordnung diese: Man suche in einem Restaurant die Toilette auf. Beim Händewaschen schätze man beim Öffnen des unbekannten Wasserhahns den Druck des Wasserstrahls falsch ein und halte die Hände in einem ungünstigen Winkel ins Waschbecken, sodass sich der Strahl, in die falsche Richtung abgeleitet, wuchtig in Genitalhöhe über die Beinkleider ergießt und dort einen tellergroßen Fleck hinterlässt.

Passieren kann dies zu jeder Jahreszeit, aber Sommerspritzer sind peinlicher als Winterspritzer, weil der Fleck auf hellen Hosen oder Anzügen, wie sie H.-P. Martin bevorzugt, noch unvorteilhafter wirkt. Diese Art der Selbstbesudelung widerfährt übrigens ausschließlich Männern. Frauen sind zu klug dafür.

Nach der Begießung stellt sich stets die Frage: Wie geht man mit dem Sommerspritzer um? Ist man mit feinen Menschen in feinen Lokalen, riskiert man pikierte Blicke; ist man mit Prolo-Freunden im Beisl, riskiert man indiskrete Fragen ("Heast Oida, host di ogschifft?"). Harte Typen nehmen diese Reaktionen in Kauf. Weicheier versuchen sie abzuwenden, indem sie den Fleck mit Händen, Zeitungen o. ä. bedecken. Ist aber schwierig. Am günstigsten wäre es, hätte man auf dem WC eine Zweithose dabei. Aber das kommt ja leider nur sehr selten vor. (Christoph Winder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 13./14.06.2009)

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    foto: cremer
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