"Wachrütteln für ein anderes Österreich"

12. Juni 2009, 18:48
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Zwei Studentinnen starteten auf Facebook eine Initiative für mehr Respekt, Menschenwürde und Zivilcourage - Am 18. Juni wollen sie mit einer Lichterkette rund ums Parlament ein Zeichen des anderen Österreichs zeigen

Den Wiener Studentinnen Romy Grasgruber und Maria Sofaly reicht es. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen tätliche Angriffe auf Opfer des Nationalsozialismus, rechtsextreme Burschenschafter auf hohen Positionen und einen Wahlkampf mit "Hetzplakaten". Gemeinsam mit Freiwilligen, die sich nach ihrem Aufruf über das Internet gefunden haben, organisieren die Studentinnen der internationalen Entwicklung für den 18. Juni eine Lichterkette um das Parlament, die ein Zeichen dafür sein soll, dass "Menschenverachtung und Diskriminierung nicht normal" sind. Mittlerweile sind mehr als 8600 Facebook-NutzerInnen ihrer Gruppe beigetreten, auch in Graz wird es zeitgleich eine Lichterkette geben. derStandard.at sprach mit Ihnen am Rande der Vorbereitungen.

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derStandard.at: Was hat Sie dazu bewogen eine Lichterkette rund ums Parlament zu organisieren?

Grasgruber: Wut!

Sofaly: Die Wahlplakate der FPÖ waren ausschlaggebend und dass die rhetorische Brutalität zur Normalität wird. Das hat uns verärgert. Wir haben uns gedacht, dass keiner etwas dagegen tut und alle es akzeptieren und deswegen haben wir es versucht. Mit sovielen Antworten und soviel Zuspruch haben wir dann auch nicht gerechnet, aber es freut uns natürlich sehr.

derStandard.at: Mehr als 8600 Facebook-NutzerInnen sind ihrem Aufruf gefolgt. Welche Erwartungen setzen Sie daran?

Sofaly: Es soll ein Wachrütteln sein und das Bewusstsein geschaffen werden, dass es eigentlich nicht normal ist, wie Politik zurzeit gemacht wird.

Grasgruber: Vielleicht denkt auch jemand in der Folge darüber nach, dass das Antidiskriminierungsgesetz stärker vorangetrieben wird. Es wäre ein Traum, wenn es eine gesellschaftliche Debatte werden würde. Manche Politiker - Namen müssen hier nicht unbedingt genannt werden - glauben, dass nur ganz wenige gegen diese Rhetorik sind. Aber es ist eine breite Masse. Wir wollen mit dieser breiten Masse Präsenz zeigen, von den Menschen die sich dagegen aussprechen und die ein anderes Österreich auch wollen, nämlich eines, das auf Respekt, Menschenwürde und Vielfalt aufbaut.

derStandard.at: Haben Sie bewusst Facebook als Verbreitungsmedium gewählt?

Grasgruber: Wir haben zuerst E-Mails an alle, mit denen wir je E-Mail-Kontakt hatten, versandt und dann haben wir es auch auf Facebook gestellt. Auch viele NGOs wurden so kontaktiert.

derStandard.at: Wieviele TeilnehmerInnen wären ein Erfolg?

Grasgruber: Wenn wir das Parlament umketten dann sind wir sehr froh, dafür braucht man 600 Leute, wenn es mehr werden umso besser, zu viele Leute gibt es nicht.

derStandard.at: Was wollen Sie mit der Demonstration bewirken?

Sofaly: Es ist eine Demo für und nicht dagegen. Es soll ein Zeichen sein, dass es auch ein anderes Österreich gibt.

Grasgruber: Wir fragten uns, wie kann so etwas passieren, gerade in Österreich mit seiner Geschichte. Dass da nicht früher die Alarmglocken läuten und dass da niemand dagegen etwas tut und Zivilcourage zeigt? Wir haben uns gedacht: Keiner macht etwas, fangen wir doch an und schauen was passiert. Ich habe auch die User-Kommentare auf derStandard.at gelesen, die fragen, was es bringen soll. Für uns ist es wichtig, dass all jene die sich von diesen Plakaten irgendwie verletzt fühlen, eine Art Entschuldigung erhalten. Ein Entschuldigung dafür, dass so etwas möglich ist und dass auch MigrantInnen, die schon ewig hier leben sehen, es gibt Leute die sehen das nicht so und denen tut es Leid, dass so etwas passiert.

derStandard.at: In den letzten Wochen gab es vermehrt auch neonazistische Straftaten, nicht zuletzt die Störung einer Gedenkfeier im KZ Ebensee durch Jugendliche. Was glauben Sie ist der Grund, dafür dass vermehrt junge Menschen rechtsextreme Akte setzen?

Sofaly: Weil es so normal ist, wird es auch an Jugendliche weitergegeben. In so einer Gesellschaft leben wir.

Grasgruber: Vielleicht glauben auch viele Menschen, dass Parteien eher zuerst an sich selbst denken. Deswegen sind wir mit den Unterstützern eher zurückhaltender. Die Organisationen bleiben eher im Hintergrund. Es geht uns um die Sache und jeder der uns unterstützen will kann uns unterstützen. Dabei geht es nicht darum wie eine Partei dazusteht. 

derStandard.at: Was ist für den 18. Juni geplant?

Sofaly: Um 19 Uhr beginnt es vor dem Parlament. Es wird Rede- und Musikbeiträge geben. Um ungefähr 21 Uhr soll eine Lichterkette um das Parlament gebildet werden. Dabei werden Trommler vorangehen, es werden auch Fackeln verteilt. (Sebastian Pumberger, derStandard.at, 12.6.2009)

Lichterkette 2009

Am 18. Juni findet ab 19 Uhr eine Kundgebung mit Redebeiträge und Musikauftritten statt. Reden werden dabei u.a. Robert Menasse, Marlene Streeruwitz wird einen Text für den Abend verfassen. Ab 21 Uhr werden Fackeln verteilt und eine Kette rund ums Parlament gebildet. Aufmerksamkeit hat der Aufruf der zwei Studentinnen Romy Grasgruber und Maria Sofaly auf der Internet-Plattform Facebook erhalten. Nähere Informationen unter:

www.lichterkette2009.at

lichterkette2009.blogspot.com

Facebook-Gruppe: Es ist Zeit für eine Lichterkette!

  • Der vergangene EU-Wahlkampf veranlasste Romy Grasgruber und Maria Sofaly einen Aufruf zu einer Lichterkette rund um das Parlament ins Internet zu stellen. Bei Facebook haben sich 8.600 NutzerInnen dieser Gruppe angeschlossen.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Der vergangene EU-Wahlkampf veranlasste Romy Grasgruber und Maria Sofaly einen Aufruf zu einer Lichterkette rund um das Parlament ins Internet zu stellen. Bei Facebook haben sich 8.600 NutzerInnen dieser Gruppe angeschlossen.

  • Neben dem Internet werden auch Buttons, Flyer und Plakate zur Information verwendet.
    foto: derstandard.at/pumberger

    Neben dem Internet werden auch Buttons, Flyer und Plakate zur Information verwendet.

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