Schwaches Volumen, Volatilität auf Niveau vor "Lehman"

12. Juni 2009, 14:16
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau

Der Aktienmarkt in Europa profitierte von der starken Tendenz der Wall Street und der STOXX 600 kam mit 214,8 Punkten auf ein Wochenplus von 2,5 %. Insbesondere Banken (+5%) und Technologiewerte (+4%) waren gefragt, während der Mediensektor (-2%), Rohstoffproduzenten (-0,3%) und Reiseunternehmen (-0,3%) nachgaben. Auch in Deutschland zeigten sich die Investoren in Kauflaune und so schloss der DAX bei 5.107 Zählern und einem Zugewinn von 0,8%. Die stärksten Gewinner waren BMW (+8,3%) und Adidas (+7,5%), während Fresenius (-6%) und die Lufthansa (-5%) die stärksten Abschläge hinnehmen mussten. Das Handelsvolumen im DAX ist derweil weiterhin am abnehmen, und auf Wochensicht nun nur noch zirka halb so hoch wie Anfang Mai. Der VDAX sank indes auf 25,7 Punkte (-10%) und liegt damit auf dem tiefsten Niveau seit der
Lehmanpleite Mitte September.

Der Baltic Dry Index konnte seinen Aufwärtstrend nicht fortsetzen und fiel wieder unter 4.000 Punkte (-15%), und der Kupferpreis brach mit USD 5.376 (+7%) bei weiter fallenden Lagerbeständen nun wohl nachhaltig über die USD 5.000 Marke aus. Die Industrie in Deutschland ist im April von einem neuerlichen Auftragsrückgang verschont geblieben. Die Unternehmen sammelten bereinigt um saisonale Effekte und Preisveränderungen genauso viele Bestellungen ein wie im Vormonat. Die Bestellungen aus dem Ausland zogen an, während aus dem Inland etwas weniger Aufträge eingingen. Im März hatte der Auftragseingang noch um revidiert 3,7% zugelegt. Verglichen mit dem Vorjahr steckt die Industrie aber noch tief in der Krise: Hier sanken die Bestellungen im April um 37,1% (Konsens: -33%, März: -26,7%).

Die Industrieproduktion in der EU27 ist im April zum Vormonat um 1,9% gesunken und somit abermals gesunken (Konsens: -0,4%, März: -2,0%). In Deutschland, den Niederlanden und  Schweden sank die Produktion überdurchschnittlich, während in Spanien und Italien ein leichter Anstieg verzeichnet werden konnte. Zum Vorjahr steht nun ein Minus von 21,6% zu Buche (März: -20,2%). In Japan und China hingegen mehren sich die Anzeichen einer langsamen Erholung der
Wirtschaft. Die Industrieproduktion in Japan stieg im April zum Vormonat um 5,9% (März: +5,2%; J/J: -30,7%) und damit so stark wie seit fast 60 Jahren nicht mehr. Ein ähnliches Bild zeigt sich in China: Dort stieg die Industrieproduktion im Mai zum Vorjahr um 8,9% und damit deutlich stärker als erwartet (Konsens: 7,7%; April: 7,3%).

Inditex setzt Expansion fort

Die spanische Inditex, der größte Bekleidungshändler in Europa, meldete für das erste Quartal einen Gewinnrückgang von 16%. Der Nettogewinn belief sich auf EUR 184 Mio. gegenüber EUR 219 Mio. im Vorjahr und lag somit nur knapp unter den Konsenserwartungen. Der Umsatz legte aber um 5,4% auf EUR 2,34 Mrd. zu, da die Geschäftsfläche anstieg. Ende April betrieb Inditex insgesamt 4.359 Shops in 73 Ländern und so nun über 400 zusätzliche Geschäfte im Vergleich zu 2008. Die Expansion soll fortgesetzt werden und in diesem Jahr 370 bis 450 neue Filialen eröffnet werden- davon 95% außerhalb Spaniens. Die Aktie legte nach Bekanntgabe der Ergebnisse stark zu und schloss die Woche mit 11,5% im Plus.

Im Blickpunkt stand diese Woche auch die Arcandor- Aktie. Der Gang in die Insolvenz steht nun fest. Die Aktie brach, bei hohen Handelsumsätzen, um 63 % auf nun EUR 0,70 ein. Nach der Insolvenz hofft der Konzern nun auf einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Kaufhof (Metro). Heidelberger Druck konnte sich dem Gang in die Insolvenz, bedingt durch gewährte Staatshilfen, entziehen. Die staatliche Garantien und neue Bankkredite sollen die Finanzierung des Unternehmens für die nächsten drei Jahre sicher stellen. Der Weg für den Verkauf des insolventen US-Autobauers Chrysler an Fiat ist derweil nun frei: Nach dem Insolvenzgericht wiesen auch die obersten Richter mehrere Kläger zurück. Dieses Urteil stimmte auch den Rivalen GM zuversichtlich schnell aus der Insolvenz zu kommen.

Novartis hat die ersten zehn Liter seines neuen Impfstoffs gegen den Schweinegrippeerreger H1N1 hergestellt, der im Herbst marktreif sein könnte. Dank eines zellbasierten Verfahrens ist die Produktion schneller als erwartet abgeschlossen worden.

Nächste Woche stehen lediglich die Zahlen von Carnival an. Auf der Makroseite werden der ZEW Index, die Neuwagenregistrierungen in der EU und der PPI in Deutschland veröffentlicht.

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