Gewinnmitnahmen oder Ende der Hausse?

12. Juni 2009, 14:14
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US -Börsen gehen nahezu unverändert aus der abgelaufenen Handelswoche. Der Dow Jones steigt 0,24 %, der S&P 500 0,26 % und der Nasdaq Composite 0,67 %. Der Höhenflug des schwarzen Goldes geht indes weiter, ein Barrel der US-Sorte WTI kostet aktuell USD 71 und ist damit so teuer wie zuletzt vor 7 Monaten. Der schwache Dollar und aufkeimender Konjunkturoptimismus waren hauptverantwortlich dafür. Gold notiert bei USD 950/Unze, die 10-jährigen Renditen klettern auf 3,87 %, die 30-jährigen rentieren bei 4,705 %.

Die gemeldeten Konjunkturdaten fielen überwiegend enttäuschend aus. Das US-Handelsbilanzdefizit stieg im April auf USD 29,2 Mrd. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen bei 601.000. Der Jobabbau verlangsamte sich zwar, die Arbeitslosenquote stieg jedoch von 8,9 auf 9,4 % an. Dies bedeutet den höchsten Stand seit 1983. Das Beige Book - der Konjunkturbericht der Federal Reserve - las sich wenig euphorisch. Ein deutlicher Anstieg der Wirtschaftsaktivität sei 2009 nicht zu erwarten. Der Konsum sei weiterhin schwach, der Arbeitsmarkt schwächt sich weiter ab. Einer der zuverlässigsten Vorlaufindikatoren der Konjunktur zeigt jedoch auf: Kupfer stieg auf ein 8-Monats-Hoch.

10 Banken gaben bekannt, die Staatshilfen aus dem Troubled Asset Relief Program zurückzahlen zu wollen, um die Einflussnahme der Regierung zu beenden. Goldman Sachs möchte 10 Millionen Aktien zurückkaufen, American Express im Ausmaß von etwa USD 3,5 Mrd. Bisher hatte die Regierung 22 Banken die frühzeitige Rückzahlung gestattet, das Volumen belief sich jedoch auf lediglich USD 1,9 Mrd. Insgesamt wurden USD 200 Mrd. an mehr als 600 Finanzinstitute gezahlt. BlackRock könnte das Fondsgeschäft der britischen Barclays übernehmen. Ein Preis von USD 13 Mrd. steht zur Diskussion, Barclays Global Investors verwaltet insgesamt USD 1.500 Mrd. an Kundengeldern, insbesonders das ETF-Geschäft "iShares" ist für BlackRock attraktiv. Beide Seiten bestätigten dass es Gespräche gäbe, Details wurden jedoch nicht genannt.

General Motors spekuliert über Gewinne in 2011

GM gab bekannt bis 2011 wieder in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen. Vor Steuern und Zinsen erwarte man sich ein Ergebnis in Höhe von USD 3 Mrd. Der Verlust in 2009 wird bei USD 17,5 Mrd. liegen. Der Verkauf von Chrysler an Fiat wurde in letzter Sekunde genehmigt. Alle Einsprüche von Gläubigern und Gegnern wurden seitens des obersten US-Gerichts abgewiesen. Wal-Mart meldete eine Dividendenerhöhung. Zudem werde man eigene Aktien für USD 15 Mrd. zurückkaufen. Der Erfolg dieser Geschäftspolitik lässt sich eindrucksvoll am Chart ablesen, der Aktienkurs steht heute auf gleichem Niveau wie 1998. Ein Musterbeispiel für ein saturiertes Unternehmen ohne jegliche Wachstumsperspektive.

Aktionäre von Apple wurden in der vergangenen Woche enttäuscht. Als Antwort auf Palms smartphone hat man das neue iPhone „3G S" präsentiert, zudem werde man die Preise für das
iPhone halbieren, dies dürfte eine direkte Reaktion auf den Erfolg von Palms "Pre" Smartphone sein. Auch ein neues Betriebssystem (Snow Leopard) sowie neue MacBooks wurden präsentiert. Mit dem Betriebssystem kommt man dem neuen "Windows 7" zuvor. Für Verunsicherung sorgt weiterhin die rätselhafte Erkrankung von Steve Jobs, die keynote-speech wurde von Marketing-Chef Phil Schiller gehalten.

Microsofts vor kurzem vorstellte Suchmaschine "Bing" konnte bereits erste Erfolge verbuchen. Der Marktanteil konnte laut ComScore von 9,1 % auf 11,1 % ausgeweitet werden. Ein relativ großer Schritt, wenn man bedenkt dass Google de facto ein Monopol verteidigt. Google plant jedoch bereits einen Gegenschlag. Man wolle die eigenen Mail- und Kalenderfunktionen nun vermehrt Unternehmen anbieten und so Microsofts Outlook den Markt streitig machen. In der nächsten Handelswoche erwarten wir Quartalszahlen von Best Buy, Adobe, FedEx und Research in Motion. Auch der Empire Manufacturing Index, die Daten vom Immobiliensektor und die Arbeitsmarktdaten sollten für weitere Impulse sorgen. Die 3monatige Hausse dürfte jedoch bald beendet sein. Der Anteil der bullishen Marktteilnehmer stieg auf 47,7 %, mittlerweile sind nur noch 23 % bearish eingestellt. Dies stellt traditionellerweise einen verlässlichen Kontraindikator dar. Auch die geringen Volumina, die rapide gestiegenen Insiderverkäufe und die nachlassende Marktbreite signalisieren ein Top, insofern sind Neupositionierungen keineswegs empfehlenswert.

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