Häfn als Hochschule für Kriminalität

15. Juni 2009, 23:31
247 Postings

"Was treibt Jugendliche in die Kriminalität?" war Thema der fünften derStand.punkt -Live-Diskussion - mit Video

Die Live-Diskussion derStand.punkt widmete sich diesmal der Jugendkriminalität. Leiterin der Gesprächsrunde war Manuela Honsig-Erlenburg, die mit Elisabeth Grabner-Tesar, Leiterin NEUSTART Wien 21/Korneuburg – Ihre Organisation versucht, der Gesellschaft Lösungen von Konflikten anzubieten – Sandra Selimovic, Filmemacherin und Theatertherapeutin und Elisabeth Jungherr, Leiterin von Streetwork Wien diskutierten.

Der vermeintliche Anstieg der Jugendkriminalität in den vergangenen Jahren hängt für Grabner-Tesar mit der höheren Anzeigenbereitschaft zusammen. Dies führt zu mehr Furcht in der Gesellschaft und zu härteren Lösungsvorschlägen. Jungherr verwehrt sich dagegen, "die Jugend" über einen Kamm zu scheren. "Es gibt eine breite Vielfalt, Jugendliche sind völlig verschieden." Sie hält Statistiken über Jugendkriminalität für problematisch, weil sie oft gar nicht vergleichbar sind. Für Selimovic hat sich Jugendkriminalität durch Internetseiten wie YouTube drastisch verändert, so zum Beispiel durch die Möglichkeit, Videos von Straftaten zu posten.

"Kleinkriminelle Straftaten sind in der Pubertät nichts Außergewöhnliches. In dem Alter lotet man Grenzen aus," meinte Grabner-Tesar. Daher müsse man aufpassen, in der Rechtssprechung nicht überzueragieren. Haftstrafen hielten alle drei für kontraproduktiv. Im Gefängnis kämen die Jugendlichen dann mit ganz anderen Schichten in Berührung. "Gerade in einer Phase, in der die Identitätsfindung stattfindet," so der Konsens. Auch Jungherr hält Haftstrafen für sehr problematisch. "Die Jugendlichen kommen aus der Haft raus und sagen: "Drinnen war die Hochschule für Kriminalität."" Selimovic berichtete von einem Fall, bei dem eine Jugendliche in eine Pizzeria einbrach und für einen Diebstahl von 300 Euro für zwei Jahre verurteilt wurde. "Da hat die Polizei ganz falsch reagiert. Man hätte das Mädchen auch zum Opfer schicken können um sich zu entschuldigen. So haben sich Täterin und Opfer nie gesehen."

Eine gute Sozialpolitik, so der abschließende Konsens alle Beteiligten, sei immer noch die bessere Kriminalpolitik. Vor allem hier müsse die Politik ansetzen.

Es diskutierten in derStand.punkt mit Moderatorin Manuela Honsig-Erlenburg:

* Elisabeth Grabner-Tesar , Leiterin NEUSTART Wien 21 / Korneuburg

* Sandra Selimovic, Schauspielerin, Filmemacherin und Leiterin von Theaterworkshops

* Elisabeth Jungherr, Verein "Rettet das Kind", Leiterin Streetwork Wien

---> Alle derStand.punkt-Diskussionen zum Nachschauen.

Okto kann im Raum Wien über das analoge Kabelnetz der UPC (VHFIII/196,25 Mhz) sowie in Wien, Teilen Niederösterreichs, Kärntens und der Steiermark über UPC Digital-TV, Kanal 108 empfangen werden.

  • Artikelbild
    foto: derstandard.at
  • Elisabeth Grabner-Tesar

    Elisabeth Grabner-Tesar

  • Sandra Selimovic

    Sandra Selimovic

  • Elisabeth Jungherr

    Elisabeth Jungherr

  • Die Sendereihe derStand.punkt ist eine gemeinsame Produktion von OKTO und derStandard.at

    Die Sendereihe derStand.punkt ist eine gemeinsame Produktion von OKTO und derStandard.at

Share if you care.