Nippons Industrie verlässt allmählich die Talsohle

12. Juni 2009, 13:40
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Produktion zog im April um 5,9 Prozent an und damit so stark wie seit 1953 nicht mehr

Tokio - In Japan mehren sich die Anzeichen für ein Abklingen der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit. Die Industrieproduktion zog nach Regierungsangaben vom Freitag im April um 5,9 Prozent an und damit so stark wie seit 1953 nicht mehr. Zunächst war das Wirtschaftsministerium nur von einem Anstieg um 5,2 Prozent zum Vormonat ausgegangen. China habe mit der verstärkten Nachfrage nach japanischen Elektronikgütern für eine Belebung gesorgt. Zudem bestellten westliche Kunden wieder mehr Autos "Made in Japan".

Das Ministerium legte die Zahlen auf Basis einer zweiten Schätzung vor. Viele Unternehmen in dem Fernostland sind derzeit dabei, ihre in der Krise schrittweise abgebauten Lager wieder aufzufüllen. Dennoch ist die Industrie der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt noch meilenweit von einstigen Boom-Zeiten entfernt: Die Produktion liegt trotz der jüngsten Erholung fast 30 Prozent unter dem Niveau vor der Lehman-Pleite, die im September 2008 die Weltwirtschaftskrise einläutete.

Die Hoffnungszeichen mehren sich jedoch: Die Auslastung der Fabriken verbesserte sich im April im Rekordtempo. Der Index für die Kapazitätsauslastung legte um mehr als zehn Prozent auf 67,2 zu. Dies bedeutet allerdings, dass noch immer fast ein Drittel der Kapazitäten brachliegen. "Daher werden die Firmen auch vorerst nicht daran denken, ihre Investitionen kräftig aufzustocken", sagte Ökonom Naoki Iizuka von Mizuho Securities. Darauf deuten auch die Daten für die Investitionen in den Maschinenpark hin, die im April überraschend zurückgingen.

Experten erwarten jedoch eine schrittweise Erholung des Industriesektors in den nächsten Monaten: "Wenn sich die Lage im Sommer weiter verbessert, könnte die Kapazitätsauslastung auf über 80 Prozent steigen. Dann dürften die Firmen schon eher an weitere Investitionen denken", sagte Iizuka.

Auch die Stimmung der Konsumenten hellt sich allmählich etwas auf. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen, das unter anderem die Einkommens- und Arbeitsmarkterwartungen der Haushalte misst, stieg im Mai um 3,3 auf 35,7 Punkte. Damit ist die Stimmung jedoch noch immer getrübt, da erst Werte über 50 Optimismus der Verbraucher signalisieren. (APA/Reuters)

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