Fehlermeldesystem kommt in Österreich

12. Juni 2009, 13:03
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Pilotprojekt für neues Fehlermelde- und Lernsystem startet im Juni - Meldung von Fehlern die keinen Schaden verursachen

Wien - Das Gesundheitsministerium und die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) haben sich in einem Gespräch darauf verständigt, in den nächsten Wochen ein Pilotprojekt für ein neues Fehlermelde- und Lernsystem im Gesundheitswesen zu starten. Das noch zu entwickelnde System soll auf dem Projekt CIRSmedical basieren und gegen Ende Juni testweise freigeschaltet und erprobt werden, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Ärztekammer.

Beinahe-Fehler von Experten kommentiert

Damit werde ein erster Schritt für ein Expertensystem aufgebaut, das es Mitarbeitern aller Gesundheitsberufe ermöglichen soll, Beinahe-Fehler, also Fehler ohne Schaden, und unerwünschte Zwischenfälle anonym zu melden und von Experten kommentieren zu lassen. Die Ärztekammer hatte das System CIRSmedical unter Berücksichtigung internationaler Erfahrungen entwickelt, vorfinanziert und wird es nun als Pilotprojekt in Gang bringen. "Wir hoffen, dass sich alle im Gesundheitswesen engagierten Berufs- und Interessensgruppen rege beteiligen", erklärte ÖÄK-Präsident Walter Dorner.

Gesundheitsminister Alois Stöger begrüßt laut der Aussendung der Standesvertretung die "tolle Initiative" der Kammer und sagte seine Unterstützung der Experten seines Ressorts zu. Damit werde auch die im Regierungsprogramm vorgesehene Einführung eines Fehler- und Lernmeldesystems in Angriff genommen. "Konkret muss es zuallererst darum gehen, Regelwerke und Qualitätsstandards für den Betrieb eines Fehlermeldesystems zu definieren und die rechtlichen Rahmen abzustecken. Darüber hinaus sind vorab auch Haftungsfragen zu klären und Bewertungskriterien zu entwickeln. Schließlich müsse eine nachhaltige Evaluierung und die Rückführung der Erkenntnisse ins System gewährleistet sein", wurde der Minister zitiert.

Flächendeckende Umsetzung nach Evaluierung

"Was die weitere Vorgehensweise betrifft", so der Minister, "ist für Ende Juni der Start des Pilots geplant. Erst nach einer grundlegenden Evaluierung kann das System gegebenenfalls flächendeckend umgesetzt werden." Alle am Gesundheitswesen Beteiligten sollten kooperieren. Dies gelte auch für Patientengruppen.

CIRSmedical bietet die Möglichkeit, Fehler, die keinen Schaden verursacht haben und unerwünschte Ereignisse zu melden. Die Meldung der Vorfälle funktioniert unbürokratisch, unkompliziert und kostenlos. Das neue Fehlermelde- und Lernsystem ist als Expertensystem für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsberufe geplant und läuft damit parallel zu den vorhandenen Beschwerdesystemen für Patienten. Diese sollen aber ihrerseits auch selbst Meldungen einspielen können. Es gewährleistet durch Sicherstellung der Anonymität jeglicher Meldungen Sanktionsfreiheit.

Aus Fehlern lernen

In der Schweiz wurde im Vorjahr ein zweijähriger Pilotversuch, das sogenannte CIRRnet (Cricital Incident Reporting and Reacting Network) für Spitäler aus 22 Schweizer Kantonen erfolgreich abgeschlossen. In der zweijährigen Pilotphase waren insgesamt 900 anonyme Meldungen abgegeben worden. Bei der nachträglichen Evaluierung sagten rund 90 Prozent der Nutzer, CIRRnet habe ihnen ermöglicht, aus Erfahrungen von Anderen zu lernen.

Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely zeigte sich über die bevorstehenden Neuerungen in einer Aussendung erfreut. Die Spitäler der Stadt Wien hätten ein solches System bereits etabliert. Qualitätssicherung sollte das Ziel aller Gesundheitsdienstleister sein. (APA)

 

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