Heesters wieder auf der Bühne

12. Juni 2009, 12:26
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Bei Stuttgarter Inszenierung des "Jedermann" verkörpert der 105-Jährige Gott - sechsmal die Woche

Stuttgart - Die Premiere der "Jedermann"-Aufführung von Hugo von Hofmannsthal ist am Donnerstag in Stuttgart gefeiert worden. Nur selten in den vergangenen Jahren hat allerdings in dem 1911 uraufgeführten Drama ein Schauspieler agiert, der älter als das Stück ist. Anders im Alten Schauspielhaus: Der 105-jährige Johannes "Jopie" Heesters agierte als "Gott der Herr" und "Alter Nachbar" auf der Bühne.

Das Publikum hielt die Luft an und spendete spontanen Zwischenapplaus, als "Gott" nach rund 15 Minuten die Bühne verlässt. Besser gesagt: Heesters wurde herunter geführt. Der 105-Jährige hat alles gegeben. Ganz in weiß gekleidet verharrte er auf einer Bank und bettelte zunächst als Armer Nachbar den Jedermann (Matthias Hermann) an. Anders als im Original richtet er anschließend als Gott über die eigennützige und ungläubige Hauptfigur.

Ehrgeiziger Arbeitsplan

Als krassen Kontrast zur Rolle des "Jedermann" wird der Tod von der 80 Jahre jüngeren Lisa Charlotte Friederich gespielt, die auf kühle und zugleich verruchte Art Jedermann nicht nur richtet, sondern zum Tod verführt. "Es scheint, als wäre ihm das mit am wichtigsten, noch auf der Bühne zu stehen", sagt die 25-Jährige über Heesters Auftritt, der nicht als Werbegag für das Theater angesehen werden soll. Der älteste aktive Darsteller der Welt will bis Ende Juli sechs Tage pro Woche spielen.

Für Heesters, der schon vor ein paar Jahren in Köln die gleiche Rolle spielte, geht es im Stück ohnehin allgemeiner um "Menschlichkeit"; was im Leben wichtig ist, sagt er. "Geld und Gier sind es nicht." Wenn das kein Abschluss für eine Intendanz ist. Philip von Maldeghem verabschiedete sich am Donnerstag aus Stuttgart und wechselt an das Landestheater Salzburg. (APA/dpa)

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