Forscher finden heraus, welche Folgen das Ende von Stammzellen durch DNA-Schädigung hat
New York - Die Zellen von Menschen und anderen Säugetieren haben es wirklich nicht leicht: "Man schätzt, dass jede einzelne von ihnen bis zu 100.000 DNA-schädigenden Ereignissen pro Tag ausgesetzt ist", sagt die japanische Forscherin Emi Nishimura. Dieser "genotoxische Stress" kann zum Beispiel von bestimmten Chemikalien ausgelöst werden oder UV-Strahlung.
Weil dieser "Stress" so allgegenwärtig ist, haben die Zellen einen ziemlich umfangreichen DNA-Reparaturbaukasten, um diese Schädigungen zu vermeiden und sie nicht an mögliche Tochterzellen weiterzugeben. Was aber, wenn doch Schäden entstehen? Das hat Nishimura hat mit zahlreichen japanischen Kollegen nun an sogenannten melanozytischen Stammzellen (MSC) von Mäusen untersucht. MSC sind jene Stammzellen, die Melanozyten herstellen - also die für die Haarfarbe verantwortlichen Pigmentzellen der Haut.
Wie die Forscher nun im US-Fachblatt Cell (Bd. 137, S. 1088) berichten, führt genotoxischer Stress zur Ausdifferenzierung der MSC. Mit anderen Worten: Sie sind als Stammzellen verloren, hören auf, weiter Melanozyten zu produzieren und verwandeln sich in Pigmentzellen, die noch dazu am falschen Ort sitzen. Die sichtbare Folge: ergrautes Haar bzw. Mäusefell.
Diese neuen Erkenntnisse stützen zum einen die generelle Vermutung, dass Instabilität in der Erbsubstanz ein wichtiger Faktor bei Alterungsprozessen ist. Zum anderen belegen sie die Bedeutung von Stammzellen bei der Verzögerung dieser Prozesse. Wird deren DNA nämlich doch nachhaltig geschädigt, wird das zu einer wesentlichen Ursache für verschiedenste Arten von Alterungsphänomenen, deren sichtbarste - eben - graue Haare sind. (tasch/derStandard.at, 12.6.2009)