Die Wurzeln liegen in der „Wiege"

12. Juni 2009, 10:14
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Im Schulalter ist die zukünftige Lungenfunktion bereits fixiert - Rauchen potentiert das Risiko einer chronischen Erkrankung

Salzburg - 26 Prozent der Österreicher über 40 Jahre sind betroffen, elf Prozent sollten deswegen behandelt werden. Nur bei rund der Hälfte davon ist das Leiden überhaupt bekannt: chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). 90 Prozent der Patienten sind Raucher.

COPD ist kein „Erwachsenenleiden".

„Die Anfänge dafür liegen im Säuglings- und Kindesalter. Das Rauchen ist später so etwas wie der ‚Abzugshahn‘, der auslösende Faktor", erklärte aus Anlass des diesjährigen Jahreskongresses der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie/ÖGP der britische Experte Andrew Bush vom Royal Brompton Hospital in London. „Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird üblicherweise als das Leiden der erwachsenen Raucher gesehen. Es kommt zu einer chronischen Entzündung und zu einer Veränderung der unteren Atemwege", sagte der britische Experte.

Die Sache erscheint klar: Langjähriges Rauchen ist eindeutig der Auslöser für das Leiden, aber da es auch langjährige Raucher gibt, die nicht betroffen sind, müssen auch noch genetische beziehungsweise umweltbedingte Ursachen mitbeteiligt sein.

Mit Schulbeginn fixiert

Das Thema ist hoch brisant. Die COPD mit der schnellen Abnahme der Lungenfunktion bis in die Sauerstoff-Mangelversorgung des Körpers im Endstadium, stellt mit weltweit einer Milliarde Betroffener ein enormes Problem dar. Bush: „Aus epidemiologischen Studien gibt es deutliche Hinweise dafür, dass die ersten sechs Jahre im Leben für die spätere Lungenfunktion entscheidend sind." So zeigen Kinder, die in den ersten Lebensjahren ständig oder auch vorübergehend unter ‚Wheezing‘ (keuchender Atem auch ohne das Vorliegen von Asthma) leiden, schon von Beginn an eine verminderte Lungenfunktion.

Der britische Experte: „Es deutet alles darauf hin, dass die Lungenfunktion mit Ende der Vorschulzeit fixiert ist. Obwohl die Details noch nicht klar sind, scheint die Entwicklung von diesem Zeitpunkt an wie auf Schienen zu laufen - bis zum Tod."

Wahrscheinlich wird der Beginn für eine spätere COPD laut dem Experten sogar schon vor der Geburt gelegt: In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ist das Ungeborene laut Bush besonders verletzlich, was seine Lungenentwicklung angeht. Umweltbelastungen können das Kind dann nach der Geburt bis in die Jugend hinein zusätzlich schädigen.

„Aufwachsen in Raucherhaushalten schädigt Kinder bis ins Erwachsenenalter"

Bush: „Das Ungeborene einer rauchenden Mutter raucht mit. Studien haben ganz klar gezeigt, dass Kinder von rauchenden Müttern eine geringere Lungenfunktion haben. Das trifft auch auf Kinder von Müttern mit Asthma zu. Das Aufwachsen in einem Raucherhaushalt schädigt Kinder bis ins Erwachsenenalter hinein."

Gene „spielen" mit

Es existieren Hinweise, dass Varianten des Gens ADAM33, jenes Gens, das für den Beta-Rezeptor codiert und Varianten weiterer Erbanlagen eine Rolle spielen. Das ist wichtig, aber nicht veränderbar. Die Gene „spielen" mit, doch erst zusammen mit der Umwelt ergibt sich das Gemisch aus Faktoren, in dem die COPD ihren Anfang nimmt.

Rauchverbot und harte Strafen

Ganz klar ist der britische Wissenschafter jedenfalls, was seine Forderungen bezüglich der Verhütung der COPD betrifft: Er will nicht nur das Zigarettenrauchen, sondern auch die Werbung für Tabakwaren aus der Öffentlichkeit vollständig verbannen. Zusätzlich fordert er schwere Strafen bis hin zum Schließen von Geschäften und Gefängnis für diejenigen vorsehen, die Zigaretten an Kinder verkaufen. Ein Kampagne für junge Frauen hält er ebenfalls für wünschenswert. Bush: „Wenn Du als Schwangere rauchst, raucht Dein Kind mit. Das wird Dein Baby sein ganzes Leben lang schädigen. Man hilft dem Ungeborenen auch noch, wenn man in der frühen Schwangerschaft mit dem Rauchen aufhört."

Natürlich wären auch alle anderen Faktoren wichtig. Doch, so der Experte: „Durch die Rauch-Prävention können wir die Auslösung der COPD verhindern. Das ist wichtig. Vom Nichtrauchen profitiert jeder Mensch, aber Babys und Kinder gewinnen offenbar noch mehr als Erwachsene (red)

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