Schwere Vertrauenskrise für Faymann und seinesgleichen

12. Juni 2009, 18:05
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Die SPÖ-Exponenten verlieren an Vertrauen, den Politikern von FPÖ und Grünen geht es kaum besser

Wien - Nicht einmal Bundespräsident Heinz Fischer kommt ungeschoren davon: Der aktuelle Vertrauensindex, den das OGM-Institut vierteljährlich erstellt, weist auch für das Staatsoberhaupt einen Vertrauensverlust von zehn Prozentpunkten aus.

OGM-Chef Wolfgang Bachmayer sieht das als eine Folge der Einmischung Fischers in die Auseinandersetzung zwischen FPÖ und SPÖ: "So sehr die Abgrenzung gegen Rechtsextremismus in der Sache richtig sein mag, die Wortmeldung zu den Attacken der SPÖ auf die FPÖ hat Fischer quasi in eine ‚normale‘ Politikerrolle versetzt."

Und das habe taktisch eher geschadet. Wie es auch der SPÖ insgesamt geschadet hat: Die Grafik zeigt, dass es speziell für sozialdemokratische Politiker massive Abschläge gegeben hat.

"Jeder Wahlkampf beschädigt die Politikerimages, aber die Kampagne gegen den Rechtsradikalismus hat der falschen Seite genutzt und die eigenen Inhalte überdeckt. Und nach der Wahl wird die Niederlage der Sozialdemokratie auch noch durch die interne Kritik verstärkt" , sagt Bachmayer.

Dass das Vertrauen in die Politiker allgemein zurückgeht, trifft allerdings nicht nur die Kanzlerpartei: Die stärksten Verluste gibt es im untersten Bereich, dort, wo der freiheitliche Parteichef Heinz-Christian Strache und sein Parteifreund im Nationalratspräsidium, Martin Graf, bewertet werden.

Dies deckt sich mit Studien anderer Institute: Peter Ulram von GfK sagt im Standard-Gespräch, dass eine seit den Dreißigerjahren bestehende These im Augenblick widerlegt wird. "Man geht immer davon aus, dass eine Krise den Rechten nützt, aber das ist keineswegs der Fall. Auch bei der EU-Wahl sind FPÖ und BZÖhinter früheren Spitzenwerten zurückgeblieben. Den Mechanismus: Starke Krise gleich starke FPÖ gibt es nicht."

Die momentane Entwicklung schade Faymann und seinesgleichen, ohne jemand anderem wirklich zu nützen, sagt Ulram: Früher habe gegolten, dass die Sozialpartner stärker werden, wenn das Vertrauen in die Regierungsparteien sinkt, dies sei aber derzeit auch nicht der Fall.

Es gebe allerdings ein gewisses Basisvertrauen in die Regierungsparteien. Dieses wird laut OGM-Daten von der ÖVP besser genutzt als von der SPÖ. Und den Grünen fehlt es an Aufmerksamkeit. (Conrad Seidl, DER STANDARD-Printausgabe, 13./14.6.2009)

 

  • Der EU-Wahlkampf und die Debatte nach dem Wahlergebnis haben tiefe Spuren im Vertrauen gegenüber den Politikern hinterlassen.
    foto: matthias cremer

    Der EU-Wahlkampf und die Debatte nach dem Wahlergebnis haben tiefe Spuren im Vertrauen gegenüber den Politikern hinterlassen.

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