Leichter leben mit Emphysem

12. Juni 2009, 09:58
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Neue Behandlungsmöglichkeiten erleichtern das Atmen bei Lungenüberblähung

Salzburg - Wenn die Lunge eingeatmetes Luftvolumen nicht mehr „los" wird: Die Überblähung der Lunge, das Emphysem, tritt oft bei fortgeschrittener chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auf. Die Betroffenen leiden an extremer Atemnot, es kommt zu Begleitkomplikationen. Neue Methoden, welche das Lungenvolumen reduzieren und das Organ damit entlasten, können hier helfen, berichtete Lungenfacharzt Arschang Valipour beim Jahreskongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie/ÖGP (11. bis 13. Juni, Salzburg).

„Für Emphysempatienten stehen derzeit nur beschränkte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese Kranken sind oft in einem schlechten Zustand und kämpfen mit jedem Atemzug", sagte Arschang Valipour, Pulmologe am Pulmologischen Zentrums des Wiener Otto-Wagner-Spitals.

Luft rein, aber nicht raus

In Europa sind zwischen vier und zehn Prozent der Erwachsenen mehr oder weniger von einem Lungenemphysem betroffen. Es handelt sich dabei zumeist um die Konsequenz der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). 90 Prozent der Betroffenen sind Raucher. Im Rahmen des Krankheitsprozesses kommt es zu Gewebeveränderungen, die Elastizität der Lunge lässt nach.

Die Konsequenz: Die Atemluft strömt zwar ein, kann aber nicht mehr ausreichend ausgeatmet werden. Die Überblähung lässt Lungenbläschen und kleine Bronchien platzen. Es entstehen große Blasen, die Luftvolumen nutzlos aufnehmen und so das Atmen noch schwerer machen. Umkehren lässt sich dieser Prozess nicht. Aber verschiedene Techniken können den Patienten das Atmen wieder leichter machen.

Lungenvolumen operativ reduzieren

Das erste Verfahren, das in diesem Zusammenhang bereits vor Jahren entwickelt wurde, war die chirurgische Reduktion des Lungenvolumens. Nicht mehr für die Atmung funktionelle Teile der Lunge werden entfernt.

Es handelt sich allerdings um einen relativ großen Eingriff, der auch ein Risiko bedeutet. Belegt ist allerdings, dass ein solche Verringerung des Lungenvolumens im Vergleich zu einer konservativen Therapie, wie bronchienerweiterende Medikamente und Sauerstoff, die Sterblichkeit stark reduziert.

Entlastung mit Ventilen und Spiralen

Ein anderes Verfahren - es eignet sich besonders, wenn Lungenlappen unterschiedlich von der Überblähung betroffen sind - stellt die Lungenvolumsreduktion über ein Bronchoskop dar. Dr. Valipour: „Hier erhält der Patient über ein Bronchoskop mehrere kleine Einweg-Ventile in die betroffenen Lungenareale in die Bronchien eingesetzt. Luft kann zwar aus der Lunge entweichen, aber nicht mehr einströmen." Das entlastet die noch funktionierenden Teile der Lunge. Das Verfahren ist weniger belastend und reversibel. Alternativ werden anstelle von Ventilen auch Spiralen eingesetzt.

Klinische Studie mit Bypass-Verfahren

High-Tech par excellence stellt ein Bypass-Verfahren dar, das derzeit in einer internationalen klinischen Studie mit rund 450 Probanden auch am Otto-Wagner-Spital in Wien erprobt wird. Valipour: „Durch die Herstellung neuer Wege für den Luftdurchfluss über solche Atemweg-Bypässe hoffen wir, die Überblähung der Lunge zu reduzieren und die Lungenfunktion zu verbessern."

Die Methode erfolgt in mehreren Schritten: Mit einem Bronchoskop wird in das betroffene Lungenareal eine Ultraschall-Dopplersonde eingebracht um herauszufinden, wo sich an einem Bronchienstamm kein Blutgefäß befindet. Im Anschluß wird über das Bronchoskop mit Hilfe einer vorgeschobenen Nadel eine kleine Öffnung in den Bronchien angelegt.

In die Öffnung wird eine „Stütze" (Stent) eingesetzt, der diese offen hält. Die Stents sind - ähnlich manchen in der Kardiologie zum Offenhalten von Herzkranzgefäßen nach Verengung - mit dem Zytostatikum Paclitaxel „imprägniert" um einen Wiederverschluss zu verhindern.

Das Ergebnis: Die vom Emphysem-Areal gefangene Luft kann über den Bypass entweichen. Bei einer Sitzung können gleich mehrere solcher „Stents" gesetzt werden. Arschang Valipour fungierte als Prüfarzt für die Wirksamkeitsstudie mit dem neuen Verfahren. Die ersten Ergebnisse könnten bereits kommendes Jahr vorliegen.

Alternative zur Transplantation

Dazu Otto C. Burghuber, ÖGP-Präsident und Vorstand der I. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien: „Das Atemweg- Bypass-Verfahren könnte eine ausgezeichnete Option für Patienten sein, die für eine Lungentransplantation nicht geeignet sind oder jahrelang auf eine Transplantation warten müssten." Endgültig klar sein sollte das mit den Ergebnissen aus der großen internationalen Studie. (red)

 

 

 

  • Die Lungenüberblähung entsteht meist als Folge einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.
    foto: photodisc

    Die Lungenüberblähung entsteht meist als Folge einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.

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