Salzburger Altstadt wird autofrei

11. Juni 2009, 19:10
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Versenkbare Poller sollen Fuzo vor illegal einfahrenden Pkws schützen

Salzburg - Einheimische wie Salzburg-Besucher kennen das Bild: Rund um die Altstadt weisen zwar Verkehrszeichen auf die Fußgängerzone hin, im Herzen der Stadt merkt man davon freilich wenig. Historische Plätze sind zugeparkt, Pkw brausen ungeniert über Mozart- und Residenzplatz, fallweise gleicht der Alte Markt vor dem Cafe Tomaselli einem Supermarktparkplatz.

Nach Schätzungen des Magistrates fahren täglich rund 300 Auto illegal in die Altstadt-Fuzo ein. Strafen nützen wenig. Sie werden von betuchteren Lenkern lächelnd bezahlt. Anläufe die Altstadtfußgängerzone zu einer Fuzo zu machen, die den Namen auch verdient, gab es bereits mehrere. So wollte Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) vor rund einem Jahr Videokameras an den Altstadteinfahrten postieren. Diese sollten mit einer Software zur Kennzeichenerkennung ausgestattet werden. Wer über keine Ausnahmebewilligung verfügt, wäre gestraft worden. Das Vorhaben wurde aus datenschutzrechtlichen Gründen wieder verworfen.

Mehrheit für Poller 

Der jüngste Lösungsvorschlag zur tatsächlichen Umsetzung der eigentlich seit rund drei Jahrzehnten bestehenden Fußgängerzone lautet: Poller. Über 50 - teilweise im Boden versenkbarer - Metallzylinder sollen die Einfahrten ab 10 Uhr 30, dem Ende der Lieferzeit, blockieren. Um Rettungskräften, Bewohnern oder anderen Berechtigten die Zufahrt zu ermöglichen, können diese mittels Fernsteuerung abgesenkt werden. Kostenpunkt: Knapp 500.000 Euro. Im Unterschied zu Schranken wären die Poller auch mit dem Altstadtschutz vereinbar, so Padutsch.

Im Gemeinderat besteht derzeit eine Mehrheit für die anderenorts - beispielsweise in italienischen Städten - seit Jahren erprobte Maßnahme. Neben der Bürgerliste unterstützen auch SP und Freiheitliche die Poller. Die endgültige Entscheidung im Planungsausschuss des Gemeinderates wird voraussichtlich am 25. Juni fallen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 12. Juni 2009)

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