"Jede Airline kämpft ums Überleben"

11. Juni 2009, 18:40
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Manche Fluglinien leiden in Anbetracht der Krise an Realitätsverlust, sagt British-Airways-Chef Willie Walsh

Manche Fluglinien leiden in Anbetracht der Krise an Realitätsverlust, sagt British-Airways-Chef Willie Walsh im Gespräch mit Kurt Hofmann. An der AUA habe die BA nie Interesse gehabt.

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STANDARD: Vergangenes Jahr haben Sie noch einen enormen Gewinn verkündet, jetzt behaupten Sie, British Airways kämpft ums Überleben. Wie passt das zusammen?

Walsh: Das demonstriert doch nur die Schwäche unserer Branche und wie gestresst diese ist. Die Branche fliegt von Rekordverlusten dann wieder zu Gewinnen mit Margen von zehn Prozent und anschließend wieder in die Krise. Und ich rede sehr offen darüber, denn die Menschen müssen verstehen, dass sich unsere Industrie in der schwersten Krise befindet, seit es die zivile Luftfahrt gibt. Ich behaupte, jede Airline kämpft ums Überleben. Seit 2001 hat unsere Branche 40 Milliarden Dollar (28,5 Mrd. Euro, Anm.) Verlust gemacht.

STANDARD: Gibt es Anzeichen auf eine baldige Erholung für die Luftfahrt?

Walsh: Nein, aus heutiger Sicht nicht. Wissen Sie, ich muss schmunzeln wie manche Leute es erhoffen, dass es bald besser wird. Aber es ist ein signifikanter Einbruch. Ich wäre nicht sehr überrascht, wenn wir heuer noch die Pleite einer großen Airline sehen. 50 Fluglinien sind in den letzten 18 Monaten in die Pleite geflogen.

STANDARD: In Österreich gab es viele Befürworter, dass British Airways die AUA übernehmen sollte. Hatten Sie jemals Interesse daran?

Walsh: Wir? Nein, niemals.

STANDARD: Die weiteren Herausforderungen?

Walsh: Jede Menge. Das Bankensystem funktioniert nicht, deswegen ist es für uns schwierig, Flugzeuge zu finanzieren. Es ist unmöglich zu sagen, ob wir jemals wieder die Passagierzahlen in First und Business Class erreichen wie in der Vergangenheit. Unsere Treibstoffrechnung betrug letztes Jahr 950 Mio. Pfund, und die Weltwirtschaft liegt darnieder. Solange es keine Stabilität in der Weltwirtschaft gibt, werden wir auch keine Verbesserungen in der Luftfahrt erzielen. Jede Airline, die Ihnen erzählt, sie hat keine Schwierigkeiten, die hat keine wirkliche Ahnung davon, was los ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2009)

Zur Person

Willie Walsh ist seit 2005 CEO von British Airways. Zuvor hat der Ire Aer Lingus saniert. Walsh, Jahrgang 1961, verheiratet und Vater einer Tochter, besitzt zudem die Pilotenlizenz, ist leidenschaftlicher Golfer und spielt Fußball. In Anbetracht der Wirtschaftskrise wird Walsh im Monat Juli auf sein Gehalt verzichten.

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    Willie Walsh: "50 Fluglinien sind in den letzten 18 Monaten in die Pleite geflogen."

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