Euro-Währungshüter warnen vor zu viel Kurzarbeit

11. Juni 2009, 18:35
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Kurzfristige Hilfe, langfristiges Hindernis bei Mobilität auf dem Arbeitsmarkt

Berlin/London - Die EZB hat vor einer Ausweitung der Kurzarbeit gewarnt. Das dauerhafte Festhalten an der Stützungsmaßnahme in der Rezession könne sich im Aufschwung rächen, heißt es im EZB-Monatsbericht.

Kurzarbeite brächte "eine erhebliche Belastung der Staatshaushalte mit sich, ohne Investitionsanreize zur Konjunkturbelebung zu schaffen". Zudem werde die für den Arbeitsmarkt insgesamt wichtige Mobilität gehemmt: "Die Wanderung von Arbeitskräften zwischen Unternehmen und Sektoren ist wichtig, damit gewinnbringende Investitionschancen, die sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung bieten, leichter genutzt werden können."

Zwar sei der Einsatz von Kurzarbeit bei einer kurzfristigen Konjunkturschwäche ein wirksames Instrument "zum Schutz von Humankapital in einem Unternehmen", sagt die EZB. Jedoch berge sie die Gefahr, dass sich ihre Brückenfunktion bald als nicht mehr tragfähig erweisen und die Arbeitslosenquote im Euroraum weiter steigen dürfte.

Die Wirtschaftskrise hat die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone im Frühjahr auf den höchsten Stand seit fast zehn Jahren getrieben. Die Arbeitslosenquote kletterte im April auf 9,2 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet außerdem eine weitere Bankenkrise im kommenden Jahr, sollte die Rezession sich die Länge ziehen. Sollte es eine schnelle "V-förmige" Erholung geben, seien die Banken stark genug, um den Abschwung zu überstehen, zitierte der Daily Telegraph den EZB-Finanzstabilitätsexperte Dejan Krusec. "Sollte sie jedoch 'U-förmig' ausfallen, werden die Banken Probleme bekommen", sagte Krusec demnach auf einer Fitch-Ratings-Konferenz zu Osteuropa.

"Das Problem ist nicht 2009. Die Banken in der Euro-Zone sind ausreichend kapitalisiert, um Verluste abzudecken. Das Problem ist 2010. Wir sind besorgt, was die Länge (der Rezession) angeht", sagte Krusec dem Daily Telegraph zufolge.

Die EZB überwache 25 Banken, die von strategischer Bedeutung seien. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2009)

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