Wähler- und TV-Seherschwund

11. Juni 2009, 18:36
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"Schauen Sie, Herr Armin Wolf, Sie verlieren jede Woche Seher, über viele Jahre. Machen Sie deshalb eine schlechte Sendung?"

Dem Kanzler scheint unheimlich auf den Geist zu gehen, dass ihn alle auf Stimmenverluste bei diversen Wahlen ansprechen. Armin Wolf hatte Faymann im ZiB 2-Interview Mittwochabend durch einfache Konfrontation mit Kritikerstimmen offenbar derart in die Enge getrieben, dass sich dieser nicht anders als mit einem Angriff auf den Journalisten helfen konnte: "Schauen Sie, Herr Armin Wolf, Sie verlieren jede Woche Seher, über viele Jahre. Machen Sie deshalb eine schlechte Sendung?"

Wolf warf ein, dass er noch mehr Zuseher habe als die SPÖ Wähler. Auch falsch: Die ZiB 2 unterlag am Mittwoch mit 470.000 Sehern 670.000 SPÖ-Wählern bei der EU-Wahl. Der Kanzler ließ nicht locker: "Sie können doch im Vergleich zu den letzten Jahren kein einziges Jahr vorweisen, in dem Sie mehr Seher hatten. Und trotzdem bin ich der Meinung, Sie fragen gut."

Welche Entlastung für Politiker, wenn sie keine Wahlen mehr gewinnen müssen, so lange man die Sache nur gut machen?! Und unter welchem Mangel an Argumenten muss Faymann leiden, dass er TV-Seher mit Wählern aufrechnet.

Gabi Burgstallers Sechs-Prozent-Verlust in Salzburg als Gewinn hinzustellen - geschenkt. Das Argument aber als wesentliche Botschaft des "Wir haben keine Krise"-Interviews zu verkaufen, wirkte lächerlich.

Faymann redete sich gegen Ende richtiggehend in Rage, wurde laut in der Suada hohler Rechtfertigungen: Es war zu wenig Zeit, die Idee vom sozialen Europa Wählern klarzumachen. Immerhin habe man "für viele überraschend" die Nationalratswahl gewonnen. Die Leute freuen sich, dass wir arbeiten.

Solche Interviews werden der SPÖ keine Zugewinne bescheren. Offen zu sagen, was Sache ist, vielleicht schon. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 12.6.2009)

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    Faymann hat Erklärungsbedarf.

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