Magna soll Aspern stärken, Italien gibt Opel nicht auf

11. Juni 2009, 18:15
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Während Magna den Einstieg bei Opel vorbereitet, verhandelt die deutsche Regierung mit weiteren Interessenten

Berlin - Trotz der angepeilten Übernahme durch den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna gibt es neue Interessenten für Opel. Die deutsche Bundesregierung sei weiter im Gespräch mit anderen Investoren, darunter auch bisher unbekannte. Das sagte der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Es gebe immer wieder Investoren, die Interesse zeigten. Dazu gehörten nicht nur die Bieter, die vor zwei Wochen gegen Magna unterlegen waren.

Vor zwei Wochen waren der italienische Autobauer Fiat, US-Finanzinvestor Ripplewood und die chinesische Baic leer ausgegangen. Laut Guttenberg gebe es weitere Gespräche mit Baic. Auch Fiat gibt nicht auf, sagte der im Fiat-Vorstand vertretene Unternehmensberater Roland Berger der Mailänder Zeitung Corriere della Sera. Die Bildung des Multikonzerns Fiat-Opel-Chrysler sei besser als die von Magna angebotene Lösung mit den Russen. Laut den italienischen Medien habe Fiat bei Opel Chancen, da Kritik an der Opel-Allianz mit Magna in Deutschland lauter werde.

Um das Image in Deutschland zu verbessern, startet Fiat Mitte Juni eine großangelegte Werbekampagne mit dem Slogan "Ich bin ein Original". Der Kern der Kampagne sind Festpreisangebote, die Originalersatzteile und die Arbeitsleistung beinhalten. Fiat hat aber nicht nur Deutschland im Visier. Gespräche über Kooperationen mit dem neuen Peugeot-Management wurden in Turin bestätigt. Fiat und Peugeot arbeiten schon bei Nutzfahrzeugen zusammen.

Gelingt Magna der Einstieg bei Opel, ist das Motoren- und Getriebewerk in Wien Aspern zusätzlich abgesichert, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Demnach plant Magna, die Getriebeproduktion von Bochum nach Österreich zu verlagern. Das gehe aus einem Schreiben des deutschen Wirtschaftsministeriums an den Haushaltsauschuss des Bundestages hervor. In Bochum sind 5000 Mitarbeiter beschäftigt, sie sollten zukünftig im Zweischichtbetrieb sämtliche Zafira-Modelle fertigen.

Unter dem Strich soll unter Magna der Stellenabbau bei Opel aber offenbar höher ausfallen, als bisher bekannt sei, schreibt die deutsche Zeitung Die Welt und beruft sich dabei auf einen vorläufigen operativen Geschäftsplan des Konzerns. Demnach sollen in den kommenden Jahren europaweit 11.600 Arbeitsplätze gestrichen werden. Bisher sei von europaweit rund 10.000 der 55.000 Arbeitsplätze die Rede gewesen, die wegfallen sollten, davon 2.500 in Deutschland.

Magna hat Anfang Juni eine Absichtserklärung zum Einstieg bei Opel unterschrieben. Magna soll 20 Prozent an Opel übernehmen, 35 Prozent sollen an die russische Bank Sberbank gehen, 35 Prozent an GM, zehn Prozent an die Mitarbeiter. Magna-Chef Siegfried Wolf erwartet, dass das Geschäft heuer unter Dach und Fach ist. (APA, tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2009)

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