Bawag warnt vor Risken aller Art

11. Juni 2009, 17:58
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Ein Basisprospekt gibt einen Blick frei: auf Risken aus den Karibik-Geschäften und auf Geschäfte, die aber wegen der Krise nicht gemacht werden

Ein Basisprospekt der Bawag gibt einen Blick auf die Cerberus-eigene Bank frei: auf Risken aus den Karibik-Geschäften, auf Geschäfte, für die es zwar Gesellschaften gibt, die aber wegen der Krise nicht gemacht werden.

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Wien - Die Bawag hat am 5. Juni aus rechtlichen Gründen einen neuen Basisprospekt für bestimmte öffentlich angebotene Finanzprodukte hinterlegt - die Lektüre gibt Einblick ins Innerste der Bank. In so einem Prospekt werden alle Risken (sei deren Eintritt auch noch so unwahrscheinlich) dargestellt.

Laut Prospekt hat die Gruppe 2008 einen Verlust von 804 Mio. Euro gemacht, im Konzern waren es, wie berichtet, 547 Mio. Vor der Inanspruchnahme der Staatshilfe (550 Mio. PS-Kapital und 400 Mio. Garantien des Bundes; die Eigentümer rund um Cerberus gaben 205 Mio. Euro) hat die Bawag 2008 ihr gesamtes strukturiertes Kreditportfolio an die dafür gegründete BV Vermögensverwaltungs GmbH verkauft; Unternehmensanleihen an die BV Holding GmbH. Das Kredit-Portfolio sei "konservativ bewertet worden" , vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Marktentwicklung können weitere Belastungen ... jedoch nicht ausgeschlossen werden". Beide BV-Gesellschaften gehören indirekt der Bawag, sind voll konsolidiert.

Die Erwähnung weiterer neuer Gesellschaften zeigt, was die Bank vor der Krise an neuen Geschäftstätigkeiten geplant hatte. So wurden auf Jersey drei Gesellschaften für die Finanzierung von Auto-Käufen ("Auto Finance Ltd." ) gegründet; sie sind aber nicht aktiv geworden. Das gleiche Schicksal ereilte "Zeus Recovery Fund S.A." (gehört zur Hälfte der Bawag): Die luxemburgische Gesellschaft sollte notleidende Kredite kaufen, um sie gewinnbringend einzutreiben.

Bei Aufzählung der "keine Geschäftstätigkeit ausübenden Gesellschaften" finden sich Bawag-Kenner flugs in der Karibik wieder: Ob Bensor, Biamo oder Treval Stiftung, Austost Anstalt in Liechtenstein; ob irische Shrivenham oder Datchet Ltd.: Sie alle spielten bei den "Karibik-Geschäften" und ihrer Verarbeitung unter Helmut Elsner und Josef Zwettler eine Rolle.

Was die Risken angeht, findet im Prospekt auch Refco (der US-Broker, an dem die Bawag früher beteiligt war, ging pleite) Erwähnung. Insgesamt hat die Bawag den am "Refco-Vergleich" beteiligten Gläubigern 875 Mio. Dollar bezahlt, "Klagen sonstiger Personen sind aufgrund des US-Rechtssystems jedoch nicht vollständig ausgeschlossen" . Potenzielles Risiko bergen die "Spekulationsgeschäfte der Bawag" generell, nämlich dann, wenn "neue, bisher unbekannte Verbindlichkeiten entdeckt werden" . Und was die vier Ex-Vorstände, deren Verträge im April 2006 aufgelöst wurden, betrifft, geht man angesichts des strafrechtlichen Verfahrens zwar davon aus, dass "wesentliche Teile der laut Dienstvertrag grundsätzlich bestehenden Ansprüche nicht mehr durchsetzbar sind" , für Risken daraus sei eine Rückstellung gebildet worden. "Die theoretischen Worst-Case-Ansprüche - wenn die Ex-Vorstandsmitglieder im Rechtsmittelverfahren doch noch recht bekommen - liegen aber bedeutend höher als die gebildeten Rückstellungen" , heißt es dazu.

Neben Risken wie der "Verschärfung des Wettbewerbs" in Österreich geht die Reise bis nach Libyen. Muammar al-Gadaffi, "der Oberbefehlshaber der Streitkräfte" führe das Land, "faktisch" ; in Libyen fänden sich "noch immer Elemente von staatlich beeinflusster Kommandowirtschaft ... Politische Änderungen und staatliche Einflussnahme auf die Wirtschaft können nicht ausgeschlossen werden" . Hintergrund: Die Bawag hat eine Repräsentanz in Tripolis. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2009)

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    Die Gefahren des Wirtschaftens spiegeln sich im Bawag-Basisprospekt wider. Die Liste der möglichen Risken beginnt geografisch in Wien, geht über Liechtenstein, Luxemburg und Libyen bis in die USA.

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