Das alpine Klima im Verlauf von 20.000 Jahren

11. Juni 2009, 18:02
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Buchneuerscheinung behandelt Klimaentwicklungen der Vergangenheit und wirft einen Blick in die Zukunft

Wien - 20.000 Jahre Klima und dessen Wandel haben österreichische Forscher in einem interdisziplinären Buchprojekt unter die Lupe genommen, um Aufschlüsse darüber zu erlangen, wie sich die Durchschnittstemperaturen im Alpenraum verändert haben und wie sie sich weiter entwickeln werden. Gerade in den alpinen Regionen sind die Auswirkungen einer weltweiten Klimaveränderung stark spürbar, umso mehr lohnt es sich, hier einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. "Klimawandel in Österreich - die letzten 20.000 Jahre... und ein Blick voraus", ist nun in Wien präsentiert worden.

Der Gewässerforscher und Mitautor Roland Schmidt vom Institut für Limnologie am Mondsee spricht von "tausendjährigen Zyklen von Kaltphasen". Man wisse von vier Eiszeiten und Warmphasen wie etwa der Römerzeit oder dem Hochmittelalter. Noch nicht völlig geklärt ist, welche Rolle die Jetzt-Zeit einnimmt: "Es könnte sein, dass wir noch am Ende einer Eiszeitperiode sind." Neu ist allerdings: Der Einfluss des Menschen auf das Weltklima ist unleugbar, selbst wenn eine Erderwärmung auch naturgegeben zu dieser Phase eingetreten wäre.

Drastisch geänderte Rolle des Menschen

Wie sich die Temperaturen auf der Erde weiterentwickeln werden, ist nicht gerade eine triviale Frage: Christoph Matulla von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zog dazu einen Vergleich mit der jetzigen Wirtschaftslage: Man habe beispielsweise vor zwei Jahren noch keine gesicherten Hinweise darauf gehabt, dass der Automarkt heuer dermaßen einbrechen werde. Solche Entwicklungen sind aber hochrelevant für das Weltklima, schließlich findet auch in Entwicklungsländern eine starke Motorisierung statt, die neben einer allgemeinen Wirtschaftsentwicklung eine starke Auswirkung auf die Ausstöße hat. Vereinfacht gesagt: Fahren alle Chinesen und Inder in zehn Jahren mit dem Auto zum nächsten Supermarkt, hätte das wohl schwerwiegende Folgen für die Erderwärmung

Daher bedienen sich die Wissenschafter verschiedener Modelle, denen unterschiedliche Szenarien zugrunde gelegt werden und rechnen diese durch. Im Fall der Erderwärmung ist man dabei bereits wie allgemein bekannt zu einem ernüchternden Ergebnis gelangt, so Matulla: "Alle Modelle mit allen Szenarien gehen davon aus, dass das Klima sich erwärmen wird." Tausende Jahre alte Klimadaten wiederum erhält man über sogenannte "Proxis". Das sind Hinweise, die von der Dicke von Baumringen über Gletscherstände bis zu Organismen in Seesedimenten gewonnen werden.

Das Buch zeigt unter anderem auch, wie sehr sich die Rolle des Menschen in den vergangenen Jahrtausenden geändert hat: "Von der weitgehenden Klimaabhängigkeit in prähistorischen Zeiten über eine bedarfsorientierte Sozioökonomie am Beispiel Hallstatt bis zur modernen Zeit, wo der Mensch selbst aktiv in das Klimageschehen eingreift." (APA)

Roland Schmidt, Christoph Matulla, Roland Psenner: "Klimawandel in Österreich - Die letzten 20.000 Jahre ... und ein Blick voraus", Innsbruck University Press, 183 S., ISBN 978-3-902571-89-2

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