Die fetten Jahre sind vorbei

10. Juni 2009, 16:02
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Vereine aus Spanien und England finanziell begünstigt, bei Milan weitere Spieler vor Abgang

Rom  - Der Serie A droht nach dem Ende der fetten Jahre ein Exodus ihrer Stars. Der Abschied des Brasilianers Kaka Richtung Madrid ist nur bezeichnend für die Situation in Italiens Topliga, weitere Stars könnten dem Superstar folgen und ebenfalls die Flucht ins Ausland antreten. Das einstige Schlaraffenland für sündteure Kickerbeine scheint seine Anziehungskraft längst verloren zu haben, auch Traditionsclubs wie Inter Mailand oder Juventus Turin können mit den "Gagenkaisern" aus Spanien oder England nicht nur auf sportlichem Weg offenbar nicht mehr mithalten.

Der eben erst nach Madrid transferierte Kaka hatte die Erklärung für seinen Abschied aus Mailand - Milan-Boss Silvio Berlusconi konnte sich dem Vernehmen nach die Gage des Edelkickers nicht mehr leisten - parat. "Diese Finanzkrise hat die Clubs hart getroffen, vor allem jene, die Unternehmen sind wie AC Milan", beteuerte der 68-Millionen-Mann. Milan selbst ließ ebenfalls keine Zweifel am Grund für den Verkauf des 27-Jährigen offen.

Serie A ist nichts für einen Messi

"Selbst ein großes Herz muss die Situation erkennen. Milan kann es sich nicht leisten, 70 Mio. Euro in einem Jahr zu verlieren", meinte Geschäftsführer Adriano Galliani. Es sei unübersehbar, dass die Attraktivität der Serie A - trotz teils aufsehenerregender Deals wie dem Kurzengagement von David Beckham - in den vergangenen Jahren gelitten habe. "Vor zehn Jahren hätten Messi oder (Cristiano) Ronaldo in Italien spielen können, jetzt ziehen sie es nicht einmal mehr in Betracht."

Gerade die "Rossoneri" scheinen von der Krise schwer getroffen, schlossen doch weitere Stammkräfte einen Abgang aus Norditalien ebenfalls nicht aus. Das 19-jährige Supertalent Alexandre Pato soll dem zu Chelsea abgewanderten Ex-Milan-Coach Carlo Ancelotti auf dessen Wunsch nach London folgen, und selbst Weltmeister Andrea Pirlo sorgte für Sorgenfalten unter den Milan-Tifosi. "Wir haben den Abgang von Kaka mit Wehmut aufgenommen. Man wird sehen, ob ich weggehe", öffnete der Mittelfeldregisseur Spekulationen Tür und Tor. Auch Pirlo steht angeblich bei Chelsea hoch im Kurs.

Brasilianische Teamverteidiger sauer

Stadtrivale Inter plagen trotz des vierten Meistertitels in Serie ähnliche Probleme. Goalgetter Zlatan Ibrahimovic liebäugelt, offiziell eine neue Herausforderung suchend, bereits seit Wochen mit einem Wechsel zum FC Barcelona. Nun schloss auch Verteidiger Maicon, einer der verlässlichsten Akteure der vergangenen Jahre, einen Abschied nicht aus. "Seit drei Jahren behandelt mich Inter mit Gleichgültigkeit. Vielleicht, weil man bemüht ist, Ibrahimovic bei Laune zu halten", erklärte der brasilianische Teamverteidiger gegenüber der "Gazzetta dello Sport" (Mittwoch-Ausgabe).

Auffällig ist, dass entgegen vergangener Jahre nun auch in Norditalien eine neue Bescheidenheit eingekehrt scheint. Beklagten die süditalienischen Clubs seit jeher ihre finanziellen Nachteile, ortet nun auch der reiche Norden klare Nachteile im internationalen Vergleich. Die steuerlichen Bedingungen begünstigen die Konkurrenz in Spanien oder England, Italiens Stadien stehen außerdem nicht im Besitz der Clubs, sondern gehören der öffentlichen Hand. Arabische Investoren sind im Unterschied zur englischen Premier League bisher weitgehend ausgeblieben.

Bezeichnend für die Situation ist auch, dass es auch Teamkicker der "Squadra Azzurra" immer öfter ins finanzkräftigere Ausland zieht - was vor einem Jahrzehnt noch ein Ding der Unmöglichkeit darstellte. Weltmeister-Coach Marcello Lippi wollte trotzdem nicht schwarzmalen: "Ich glaube nicht, dass ein generelles Interesse herrscht, aus Italien zu flüchten."(APA)

 

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