Achtung, Planet auf der Gegenspur!

14. Juni 2009, 17:26
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Astronom Jacques Laskar simulierte mögliche Entwicklungen des Sonnensystems, bei denen die Erde mit ihren Nachbarn kollidieren könnte

Paris - Vor etwas über einem Jahr veröffentlichte der Astronom Jacques Laskar vom Pariser Weltraum-Observatorium Ergebnisse seiner Berechnungen über mögliche(!) künftige Entwicklungen unseres Sonnensystems. Nun berichtet er über seine Simulationen auch im Wissenschaftsmagazin "Nature". Der Tenor ist der gleiche geblieben: Vorausberechnen - und damit auch in ihrer Stabilität voraussagen - lassen sich die Planetenbahnen nur für einige zehn Millionen Jahre, danach können sich winzige Schwankungen zu summieren beginnen. Was im Lauf der Zeit - Milliarden von Jahren - auch zu Kollisionen zwischen Planeten führen kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings vergleichsweise gering.

Die Planeten beeinflussen einander auf ihrer Bahn - aufgrund der Vielzahl an gravitationellen Kräften innerhalb des Sonnensystems sind die daraus resultierenden Wirkungen aber extrem schwer zu berechnen. Laskar führte tausende Computersimulationen mit jeweils anderen subtilen Bahnschwankungen durch. Anders als in bisherigen Modellen berücksichtigte das Team um Laskar eigenen Angaben zufolge dabei die allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein. Am unvorhersehbarsten ist laut Modellen der kleine Merkur, der wegen seiner geringen Masse am leichtesten aus der Bahn geraten kann. Und erreicht die Merkurbahn durch die wechselnde Anziehungskraft des Jupiter eine Exzentrizität von 0,6 (derzeit 0,2 - 0,0 wäre ein perfekter Kreis), gerät das innere Planetensystem durcheinander. Merkur und Mars wären davon am stärksten betroffen, weil sie geringere Masse haben als Venus und Erde. Diese könnten aber indirekt in Mitleidenschaft gezogen werden.

Mögliche Szenarien

Eine Modellrechnung etwa sagt in 3,5 Milliarden Jahren eine Kollision der Erde mit Mars oder Venus voraus - mit den zu erwartenden fatalen Auswirkungen für das Leben auf unserem Planeten, falls bis dahin überhaupt noch welches übrig ist. Andere Szenarien lassen den Mars aus dem Sonnensystem driften oder den Merkur in die Sonne stürzen. Insgesamt spielten die Astromomen 2501 verschiedene Szenarien durch, die in immerhin 25 Fällen zu einem Kollaps des inneren Planetensystems in seiner altgewohnten Form führten.

Doch wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering: Die Chancen stehen 99 zu 1, dass alles beim alten bleibt und "wie geplant" endet: In etwa 5 bis spätestens 7,6 Milliarden Jahren würde die Sonne ihren gesamten Wasserstoff zu Helium verbrannt haben und sich zu einem Roten Riesen von 250facher Größe aufblähen, womit sie schließlich bis an den Rand unseres Erdorbits reichen würde. (APA/red)

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    Zwei erdähnliche Planeten kollidieren - Staubansammlungen in einem binären Sternsystem im Sternbild des Widders führten Astronomen zur Vermutung, dass sich dort eine Katastrophe ereignet hat, zu der es mit geringer Wahrscheinlichkeit auch in unserem Sonnensystem kommen könnte: Weit, weit in der Zukunft.

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