Gemeinderats-Vorwahlen

Grünes Gewissen gefragt

10. Juni 2009 16:21
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    Foto: franzjoseph.twoday.net

    Blogger Franz Joseph designte schon virtuelle Shirts für die VorwählerInnen.

Die Wiener Grünen haben über erste Anträge von VorwählerInnen entschieden - Die Kriterien sind vage, alle BewerberInnen werden jedenfalls nicht angenommen

Seit zwei Monaten warten an die 500 Interessenten als Grüne VorwählerInnen darauf, bei den Grünen mitwirken und mitbestimmen zu dürfen - nun wurden die ersten aufgenommen. "Wir haben endlich für uns festgelegt, nach welchen Entscheidungskriterien wir Leute aufnehmen", sagt Robert Korbei, Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen, im Gespräch mit derStandard.at. Welche Kriterien für die Entscheidung über die Aufnahme herangezogen werden, ist für Außenstehende jedoch immer noch nicht vollständig klar. Und: Warum einigen ihre Aufnahme verweigert wurde, ist ebenfalls Thema von Debatten.

Grüne "Anbindung" wird geprüft

"Wenn wir sehen, dass jemand eine Anbindung bei den Grünen hat, wird er natürlich aufgenommen", so Lukas Wurz, Sozialreferent der Wiener Grünen. Auch wenn klar erkennbar sei, dass jemand wirklich an den Geschehnissen teilhaben wolle. Das bedeutet für die Grünen konkret, "dass jemand auch bei inhaltlichen Fragen und Entscheidungsprozessen innerhalb der Grünen mitwirken soll."

Um festzustellen, wer ein ehrliches Interesse daran hat, werden die Anträge überprüft. "Es gibt keine Meinungskontrolle im Internet. Wir führen auch keine Gesinnungskontrolle durch", stellt Korbei klar. Diejenigen, deren Intentionen nicht offenkundig seien, werden mittels Mail noch einmal ersucht, ihre Beweggründe, Grüner Vorwähler zu werden, klarzumachen. In allen anderen Fällen gäbe es eine begründete Ablehnung. Welche Gründe vorliegen, legen die Wiener Grünen nicht so eindeutig offen. "Es gab beispielsweise mehrere Anträge mit einheitlicher Schrift und Merkmalen, die auf eine Aktion hingedeutet haben. So etwas lehnen wir ab", sagt Korbei.

Unverständnis über "Gesinnungsprüfung"

Michael Schuster, mittlerweile selbst Grüner Vorwähler, versteht diese Vorsicht bis zu einem gewissen Grad: "Es ist klar, dass Ihr Leute, die in Vorarlberg wohnen, oder BZÖ-Mitglieder ablehnt", meint er in Richtung der Grünen. Dennoch: glücklich mit dem neuen "Aufnahmeverfahren" bei den Grünen sind zumindest die (angehenden) VorwählerInnen, die sich im Internet untereinander austauschen, nicht. Von einer "Gesinnungsprüfung" ist die Rede; Unverständnis herrscht darüber, dass mittlerweile einige aufgenommen wurden, andere nicht.

Der Blogger Andreas Lindinger, Mitglied bei den Grünen in Oberösterreich, erhielt etwa besagtes Mail und muss noch einmal klarstellen, wie er sich die Mitwirkung bei den Grünen vorstellt. Gerald Bäck, der sich ebenfalls als Vorwähler registriert hat, muss auf eine Bestätigung noch warten, während seine Frau die Zustimmung bereits erhalten hat. "Mein Blog ist sehr kritisch den Grünen gegenüber, vielleicht habe ich deshalb noch keine Bestätigung erhalten", meint er im Gespräch mit derStandard.at. Die Regelungen seine für ihn jedenfalls "sonderbar".

"Intransparente" Aufnahmeverfahren

Als "intransparent" bezeichnet auch Michael Schuster die Handhabe. "Hier wurde von Seiten der Grünen eine große Chance auf Transparenz vertan." Dass es in diesem Falle so lange gedauert habe, bis reagiert wurde, zeuge davon, dass die Grünen die Entwicklungen von politischer Teilhabe im Internet noch nicht zu nutzen wüssten.

Dass viele Fehler in diesen Dingen gemacht wurden, gestehen auch die Wiener Grünen ein. "Wir waren auf diese Situation nicht vorbereitet, sind davon überrollt worden", sagt Korbei. Früher hätte es etwa acht Mitgliedsanträge im Monat gegeben. Die Möglichkeit als UnterstützerInnen bei den Grünen teilzunehmen, hätten noch weniger in Anspruch genommen. Bis Ende nächster Woche wollen die Wiener Grünen die 500 Anträge bearbeitet haben. Darüber, wie viele der Anträge denn nun abgelehnt würden, will man keine genauen Angaben machen, nur soviel: "Ablehnung und Annahmen werden sich einigermaßen die Waage halten", verrät Lukas Wurz.

"Explosive Dynamik"

Mit einer "Unzufriedenheit", bei denjenigen, die nicht aufgenommen werden, rechnen die Wiener Grünen. Helge Fahrnberger, Mitinitiator der Plattform "Grüne Vorwahlen", befürchtet hingegen eine "explosive Dynamik", die am Ende den Grünen selbst schaden könnte. (Teresa Eder/derStandard.at, 10.06.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 221
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echtzeit2
04.07.2009 16:12
Grüne Nichtwähler haben es am besten...


sie ersparen sich das Hochnotpeinliche Befragungsprozedere bei den Grünen GlaubenswächterInnen

herbert backtrack
18.06.2009 15:09
Positiver Abschluss

Maria Vassilakou bringt einiges ins Reine: http://ichmachpolitik.at/questions/458

askalex
13.06.2009 06:14
:-))

Aufstand der LOLcats.

lemur
12.06.2009 15:16
es geht um macht

auch bei den grünen... dazu sollten sie ein normales verhältnis bekommen..

buche
12.06.2009 11:40
Ein Schelm wer böses denkt...

Interessant: Jetzt wo die Grünen zeigen wer der Herr im Haus ist, kommt Helge plötzlich zu Kreuze gekrochen...
http://www.gruenevorwahlen.at/2009/06/a... goldwaage/

Ob da jemand seine Felle davon schwimmen sieht?

bezahlter kampfposter
12.06.2009 12:28
entschuldigung, aber ist es wirklich notwendig, jetzt...

...auf die gache noch einmal unter beweis zu stellen, wie peinlich wir sein können?

machen wir uns nix vor: auch wenn es bei den grünen vorwahlen massive persönliche interessen von abgeordneten gegeben hat, auch wenn es einiges an beleidigungen gegeben hat,...:

nur wenig von dem, was die grünen vorwahlen an uns kritisieren, ist völlig aus der luft gegriffen. danke an helge fahrnberger für die klarstellung, dass es keine "gewissensprüfung" gibt...!

68_lebt
12.06.2009 12:00
Interessanter Link -

Der Inhalt ihres Postings allerdings ist mir nicht ganz klar:
1) Was denkt der Schelm?
2) Inwiefern zeigen die Grünen "wer Herr im Haus ist"
(was sie offensichtlich beeindruckt)?
3) Warum verstehen sie eine selbstkritischen Reflexion als ein "zu Kreuze kriechen"
4) Was meinen sie mit mit dem nebulösem Bild von den
davon schwimmenden Fellen"?

Der Ätzer
12.06.2009 09:45
Die Verlogenheit politischer Gruppenhäuptlinge!

Das Inet bietet alle Möglichkeiten der Kommunkitation - wird aber an deren Homepages bestenfalls versteckt in Mailmöglichkeit.

Ein Parteiforum ist anscheinend das Schrecklichste wenn Kritik öffentlich wird.

War einmal bei den Grünen - aber intelligente Kritik hat die Partei nicht vertragen.

Mir zeigt das nur den Dreck am Stecken!

Unpolitisch
12.06.2009 08:25
Letzte Chance!!!

Am 15. Juni endet die Einreichfrist um sich als grüner Vorwähler zu registrieren.

Dies ist die einmalige Chance die Grünen wirklich dazu zu zwingen sich mit ihren Wählern und ihren Problemen/Wünschen auseinandersetzen.

Leider kann man diesen Druck nur über die Listenerstellung erzeugen. Daher ist es immens wichtig sich möglichst rege zu beteiligen!

Hubert Ungeist
12.06.2009 08:02
Doppelmoral?

"Es gab beispielsweise mehrere Anträge mit einheitlicher Schrift und Merkmalen, die auf eine Aktion hingedeutet haben. So etwas lehnen wir ab", sagt Korbei.

- aber wenn sie selbst eine Aktion machen, dann ist das schon okay

11.06.2009 20:08
Mein Angebot an die Grünen

This is the deal

Lasst mich vorwählen

und ich streich euch dafür 10 Luftballongasflaschen schön grün an, dann will ich aber 3 jahre keine flugzettel verteilen müssen

Ben Vassy
12.06.2009 19:51
"Lasst mich vorwählen"

wieso sollten sie? was hätten sie davon? das ist eine politische partei, kein rollenspiel.

Rosie Hown
11.06.2009 18:31
Nachgefragt von Teresa Eder...

Noch ein kurzer Videoclip aus dem Meeting, meiner Meinung nach fasst dieser die Positionen aller gut zusammen und ist sogar witzig..=)

zu sehen auf ichmachpolitik..: http://bit.ly/16PL6D

..Womit Lukas Wurz, Sozialreferent der Grünen, leben können wird müssen...

Gerhard Müller
12.06.2009 06:55
Interessante Diskussion:

Aber dieses Argument ist wohl unschlagbar vom Korbei:

Wenn man das beantworten sollte, müsste man die Diskussion verdoppeln. Das geht aber nicht, deswegen beantworte ich das nicht.

Ist doch logisch, oder?

Wenn ich eine Frage gestllt bekommen habe und somit sprechen soll, müsste ich erst erklären was Luft ist und wie der Atmungsapparat funktioniert. Das würde aber die Antwort auf die ursprüngliche Frage derartig in die Länge ziehen, was im Prinzip unzumutbar ist, deshalb beantworte ich das nicht.

Die Grünen laufen gerade unter einer sehr hoch gelegten Latte durch.

Die meisten glauben, sie wären damit drübergesprungen.

Um dem ganzen Substanz zu geben, wird die Latte ab nun als LattIn und LattInnen bezeichnet.

Cr S
11.06.2009 22:59
Beeindruckend

Mit so vielen Worten so wenig zu sagen muss man auch erst mal schaffen.

Oschus Mox
11.06.2009 18:14
typisch für die Grünen, legen sich die Latte sehr hoch

und kriechen dann aber wieder unten durch.

der_Troubadour
11.06.2009 18:11
insider-info:

die grünen befürchten eine einflussnahme seitens der kurdischen minderheit auf die partei, deshalb wurde auch in dieser art und weise vorgegangen.

kein scherz, sehr viele anträge kamen aus dieser richtung.

Der Barbier von Sevilla
12.06.2009 10:17
Das habe ich schon mehrmals gehört

Kann da jemand genauere Informationen liefern?

buche
12.06.2009 10:43

Ein Kurde, der zuvor schon (erfolglos) bei der SPÖ versucht hat, Gemeinderat zu werden, will jetzt über die Grünen in den Wiener Landtag kommen. Dazu organisiert er alles was ein Formular unterschreiben und bei der Listenerstellung die Hand heben kann, unabhängig davon, ob die Leute überhaupt wissen was sie tun. Den Grünen ist das bekannt, und deshalb reagieren sie so vorsichtig. Ihre Zurückhaltung bezieht sich im wesentlichen auf die Kurden, und auf ein paar der Grünen Vorwähler, die irgendwie dubios erscheinen. Helge wurde zB ja eh schon aufgenommen...

68_lebt
12.06.2009 12:21
Eigenartig -

etwas Ähnliches habe ich bei einer Wiener-NGO erlebt,
bei der mit so einer Aktion tatsächlich der Vereinsvorstand gekippt wurde.

68_lebt
12.06.2009 15:30
Der Vollständigkeit halber

sollte ich vielleicht ergänzen, dass der vorherige Vorstand von dem oben erwähnten gekippten Nachfolge-Vorstand mit derselben Methode ausgeschalten worden war.
Ich kam mir vor wie in einer tragisch-komisch-langweiligen Parodie auf das Vereinswesen und verzog mich.

das Zentralkomitee der Zentralverwaltung tagte
11.06.2009 18:04
nur nicht außer Haus gehen, eine Einwendung

Werte GenossInnen !

Sosehr ich die Internet-Aktion begrüße frage ich mich warum die (Vorwahlantragssteller *gg*) nicht einfach bei ihnen im Bezirk bei den Grünen vorbeischauen und sich anmelden.

Wenn man gleich in die Chefetage kracht wird es überall ähnlich aussehen.

Das die Grünen in Gefahr sind von ÖVP unterwandert zu werden (schwarzgrün.org nur mehr bei archive.org)
http://web.archive.org/web/*/htt... zgruen.org
möge man auch bedenken.

Die ÖVP hätte im Fall einer Koalition mit den Grünen diese bewegung sicher zerstört.
Klar das die Leute da vorsichtig sind.

Liebe Grüße von einem
der nur Sympatisant
ist und ab und zu irgendwo
im Bezirk bei den Grünen reinschneit.
(Die beissen net *gg*)

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
11.06.2009 23:21

wäre daher jeder der schwarzgrün gegenüber aufgeschlossen ist, von den grünen auszuschließen?

dieBestatter
11.06.2009 23:26

Nein.
In Oberösterreich funktioniert es ja.
In Graz wurde Herr Nagl resozialisiert.

sturmwind
11.06.2009 17:49
Merkwürdig

Eigentlich hätte ich gerade bei den Grünen erwartet, dass sie mit den Dynamiken von viralen Internetaktionen umgehen und offensiv nützen können.

Irgendwie wirken die Grünen in dieser Causa alt wie noch nie. Mich würde interessieren, ob als Mitarbeit auch reine Internetaktivitäten gelten, oder ob man als Grüner Pflichtstunden als Luftballonaufblaser absolvieren muss.

Zumindest sah es so aus, als würden das einige Grüne in diesem einen Report-Beitrag im ORF so empfinden.

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