Neues Album der Black Eyed Peas feiert das Download-Zeitalter

10. Juni 2009, 12:36
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"Wir umarmen die neuen Technologien" und die menschliche Vielfalt - Gespräch mit Fergie und Will.I.Am über "The E.N.D."

"The E.N.D." heißt das neue Album der Black Eyed Peas - aber von einer Auflösung der Band ist keine Rede. Der Albumtitel steht vielmehr für die Kurzform von "The Energy Never Dies". Dass damit das neue Download-Zeitalter gefeiert wird, erklärt Sängerin Stacy "Fergie" Ferguson. "Wir umarmen mit dem neuen Album ganz bewusst die neuen Technologien, mit denen man sich einzelne Songs besorgt, das Internet und Handys. Heute kann jeder alles hören, ohne sich, im Gegensatz zu früher, in seinem Freundeskreis lächerlich zu machen, was zur Demokratisierung der Musikwahrnehmung beigetragen hat. Uns gefällt das und deshalb zelebrieren wir mit der neuen Platte die Energie, die Musik immer haben wird, egal in welcher Form sie zu den Leuten gelangt."


Nach schlagzeilenträchtigen Skandalen, sorgsam kultivierten Images und Personenkult sucht man bei der kalifornischen Band Black Eyed Peas vergebens. Selbst über ihre Alben redet man kaum, obwohl von "Mokey Business", ihrem letzten, knapp elf Millionen verkauft wurden. Eigentlich ist es verständlich, dass sich die gefühlte Aufregung in Grenzen hält, wenn die Black Eyed Peas ein neues Album ankündigen, das den Titel "The E.N.D." trägt. Die Truppe um Kreativkopf Will.I.Am hat nämlich in ihren elf Karrierejahren ein Geschäftsmodell entwickelt, das sich bei anderen Bands durchaus nachteilig auswirken könnte, aber im Songschlaraffenland des Download-Zeitalters für Langlebigkeit sorgt - nur die Durchschlagskraft der Songs zählt, nicht die Gesichter dahinter.

Die Kunst der Viererbande aus L.A. besteht darin, sich mit jedem Song neu zu erfinden, damit kontinuierlich für Chartseinschläge zu sorgen um als Kollektiv danach wieder für ein paar Jahre zu verschwinden. Ein Mysterium, das zunächst zur Kenntnis genommen wird und anschließend entzückt, wenn es wiederbelebt wird, weil es nicht durch Dauerpräsenz an den Nerven nagt. Einen erneuten Radikalwandel kündigte vor wenigen Wochen die neue Single "Boom Boom Pow" an, deren einziges Augenmerk auf dem erbrachten Beweis liegt, wie sexy elektronischer Minimalismus klingen kann.

Eine gültige Formel für die Technologie-Huldigung hat Will.I.Am natürlich trotzdem parat. "Electric Static Funk" nennt er die neuerliche Musikwerdung seiner Ideen, weil sie von der französischen Elektroszene, von Air und David Guetta geprägt wurde, und am Ende doch jene elektrisierende Wirkung besitzt, die gute Funk-Platten ausmacht. Mit der Nennung von Kraftwerk als Einfluss schließt sich der Kreis zur eigenen Band für Will.I.Am dann auch wieder. "Wir, alle in der Band, sind die größten Kraftwerk-Fans unter der Sonne", entzückt sich William James Adams Jr, wie der Bandboss mit vollem Namen heißt. "Was diese Jungs aus Düsseldorf bereits in den 70er Jahren leisteten, war der Zeit so weit voraus, dass sie vermutlich aus einer fernen Galaxie in einem Raumschiff hierher geglitten sind. Ich suche immer deren Ufo, wenn ich am Rhein zu tun habe."

Mr. Adams sagt das so, als ob es sich bei dem Fluss um ein Gewässer vor seiner Haustüre in L.A. handeln würde und tatsächlich empfindet er auch die Welt als seine Heimat. "Wenn ich wissen will, aus welchem kulturellen Humus Kraftwerk entstanden ist, kann ich mich für wenig Geld in einen Flieger setzen, nach Düsseldorf fliegen und dort letztlich meinen geistigen Horizont erweitern. Mann, ich kann nicht glauben, dass irgendjemand auf diesem Planeten noch Angst vor einem anderen Erdenbewohner hat, nur weil der andere vielleicht auf einem anderen Kontinent lebt oder eine andere Hautfarbe hat. Unsere menschliche Vielfalt gilt es zu feiern, statt Angst vor ihr zu haben - genau das ist die Metabotschaft unseres neuen Albums."

Musikalisch betrachtet bedeutet das auf "The E.N.D.", dass das Quartett aus L.A. den Fusionsgedanken noch ein Stückchen weiter als bisher ohnehin von ihm gewohnt gesponnen hat. Ein zeitgemäßer Mischmasch-Gedanke im besten Sinne steht hinter "The E.N.D.". Hin und wieder lassen die Soundbefindlichkeiten von Bollywood-Filmen grüßen, während Dub-Experimente an anderer Stelle die Club-Tauglichkeit der Black Eyed Peas unterstreichen. Der Drang zur Reduktion auf die Essenz des Elektropop ist dabei unüberhörbar. Der Wunsch, Leute damit zum Tanzen zu bringen, ebenso.

Überhaupt sei "The E.N.D." eine Partyplatte, ohne dass für einen perfekten Mix ein DJ engagiert werden müsse, weil Will.I.Am schon beim Abmischen darauf achtete, "dass die Platte von Anfang bis Ende zum kollektiven Arschwackeln führt, um dem Pessimismus unserer Zeiten für eine Stunde entfliehen zu können, ohne den Kopf ausschalten zu müssen."

Da trifft es sich gut, dass die Computerstimme zu Beginn des Albums bereits ankündigt, dass man sich vor der Zukunft nicht fürchten muss. Die des HipHop und Soul hat nämlich mit "The E.N.D." gerade begonnen. (APA)

 

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