Siemens steckt in der Flaute fest

10. Juni 2009, 15:08
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Unternehmen rechnet in Kernfeldern Industrie, Energie und Medizintechnik weiterhin mit Ergebnis über Vorjahr

London - Der deutsche Mischkonzern Siemens leidet weiterhin unter der Wirtschaftsflaute. In den Problemsparten ist nach Angaben von Konzernchef Peter Löscher noch keine Wende auszumachen. Löscher trat am Mittwoch vor Investoren in London auf. An der unlängst gesenkten Jahresprognose hielt er ausdrücklich fest: Er rechnet in den drei Kernfeldern Industrie, Energie und Medizintechnik mit einem Ergebnis über dem Vorjahresniveau von 6,6 Mrd. Euro. Der Umsatz soll doppelt so stark wachsen beziehungsweise in der aktuellen Situation nur halb so stark schrumpfen wie die Weltwirtschaft. Die Aktie sprang an und lag am Mittag in einem ohnehin festen Markt 2,90 Prozent im Plus bei 54,67 Euro.

Vor allem das Industriegeschäft läuft schleppend, wie aus einer Präsentation Löschers hervorgeht: In der einstigen Ertragsperle Industrieautomatisierung gebe es zwar Zeichen für eine Bodenbildung, von einem Wiederanziehen der eingebrochenen Bestellungen wollte der Konzernchef aber noch nicht sprechen. Die Sparte hängt stark am deutschen Maschinenbau, der im April mit 58 Prozent den schlimmsten Auftragseinbruch aller Zeiten erlebt hatte. Ebenfalls problematisch sehe es bei der Antriebstechnik aus, die unter anderem Elektromotoren im Programm hat. Auch bei Osram sei das Umfeld angespannt, hieß es. Die Lichttechnik-Tochter liefert unter anderem den schwächelnden Autoherstellern zu.

Schwindende Aufträge

Die Medizintechnik hält sich laut der Präsentation trotz anhaltender Einsparungen im wichtigen US-Markt gut. Im Energiegeschäft sieht Löscher auch im zweiten Halbjahr noch einen vergleichsweise hohen Auftragseingang. Zuletzt gingen gleich mehrere Großbestellungen von Windkraft-Anlagen ein. Im klassischen Kraftwerks-Geschäft rechnet der Konzernchef indes bald mit schwindenden Aufträgen.

Volle Orderbücher, so die Hoffnung des Managements, werden die Durststrecke aber überstehen helfen. Es gebe weiterhin keine nennenswerten Stornierungen, versicherte Löscher, wohl aber Verschiebungen. Momentan sitzt Siemens auf einem Auftragspolster von 87 Mrd. Euro, 23 Mrd. Euro davon sollen bis Ende des Geschäftsjahres im September abgearbeitet werden. Bei den Münchenern hatte die Wirtschaftsflaute mit Verzögerung zugeschlagen. Ende April kam dann aber auch nicht umhin, sein operatives Ergebnisziel von 8,0 bis 8,5 Mrd. Euro fallen zu lassen. (APA/dpa)

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