Studie sieht in Wien Modellstadt für Mobilität

10. Juni 2009, 14:56
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Verbesserungspotenzial bei Fahrkartenautomaten und Umsteigemöglichkeiten

Wien - Reisende in Wien finden "ein Verkehrsystem der Extraklasse" vor, "ein zugängliches und effizientes öffentliches Transportsystem, das hervorragend funktioniert und im allgemeinen einfach zu nutzen ist". Wien sei eine "Modellstadt für moderne Mobilität". Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Forschungsinstituts MRC Europe zum Thema "Complete Mobility". Verbesserungswürdige Aspekte werden bei Fahrkartenautomaten und bei Umsteigemöglichkeiten speziell in größeren Stationen geortet. Zudem empfiehlt die von Siemens in Auftrag gegebene Studie die Einführung von "Flexible Smartcards", die zusätzliche Anreize für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs bieten sollen.

Bereits im ersten von MRC erstellten Mobility-Index von 2008, für den 46 Städte weltweit untersucht wurden, war Wien in der Spitzengruppe und belegte gemeinsam mit Tokio den dritten Platz, nur Amsterdam und Zürich punkteten höher. 2009 erzielte Wien erneut ein sehr gutes Ergebnis und hält nun den dritten Platz hinter Zürich und München. Entscheidend für das Konzept der "Complete Mobility" ist die "Entwicklung einer Personen- und Frachtmobilität mit einem Höchstmaß an Leistungsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Fahrgastorientierung". Wien zeichne sich durch ein gleichmäßiges Ergebnis und eine Breite an Strategien aus, so Professor George Hazel von MRC. Vergleichbar mit einem Orchester, das sich satt durch einen einzelnen Star durch gut aufeinander eingespielte Musiker auszeichne.

Die Bundeshauptstadt biete "allen Wienerinnen und Wienern und den Touristen die Möglichkeit im Porsche durch Wien zu fahren - sogar mit Fahrer", spielte Verkehrsstadtrat Rudi Schicker auf das Ulf-Design der Niederflur-Straßenbahngarnituren an. Die Studie bestätige, dass der öffentliche Verkehr in Wien "eine hervorragende Akzeptanz" habe.

Kritikpunkt Mehrsprachigkeit

Eine Schwachstelle sieht die Studie in Wien beim Umsteigen vor allem in größeren Stationen und beim Bezahlen von Fahrscheinen. Der wichtigste Kommentar von Testfahrgästen sei es gewesen, sämtliche Ansagen auf Deutsch und Englisch zu gestalten. Ein Hinweis, der auch von Österreichern kam.

"Wien ist eine deutschsprachige Stadt", es gelte daher den Verkehr vor allem auf Deutsch zu organisieren, erklärte dazu Schicker. Verschiedensprachige Ansagen in Öffis würden bei Anlässen wie der Fußball-Europameisterschaft Sinn machen, ansonsten aber "zur Verwirrung beitragen". Ausweitbar sei die Mehrsprachigkeit etwa im Internet. Auch Studienautor Hazel plädierte dafür, dass Mehrsprachigkeit vor allem im Rahmen von Web- und Handy-Services anzubieten.

Vorbild Madrid

Als Vorbild für gelungene Umsteigestationen führt die Studie so genannte "Intercambiadores" in Madrid an.  Verkehrsmittelübergreifende Drehscheiben wie der Bahnhof Atocha mit Geschäften, Cafés, Nachtklubs und Gärten würden als Zielorte für gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben fungieren.

Empfohlen wird auch die Einführung von flexiblen Smartcards wie der CityCard in Notthingham, die nicht nur die Nutzung verschiedenen Verkehrsmittel erlaubt, sondern auch Zugang und Rabatte für Freizeiteinrichtungen, Bibliotheken, Einkaufs- und Unterhaltungszentren in der Stadt bietet. Solche Smartcards würden zusätzliche Anreize liefern, das Mobilitätsverhalten zugunsten öffentlicher Verkehrsmittel zu verändern. (glicka, derStandard.at, 10. Juni 2009)

  • Als "Modellstadt für moderne Mobilität" weist eine neue Studie Wien aus.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Als "Modellstadt für moderne Mobilität" weist eine neue Studie Wien aus.

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