Wirtschaft weniger stark geschrumpft

10. Juni 2009, 12:08
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Für das erste Quartal revidierte das Wifo den BIP-Rückgang nun leicht von 3,6 auf 3,5 Prozent

Wien - Die österreichische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2009 im Vergleich zur Vorjahresperiode real um 3,5 Prozent geschrumpft. Die Entwicklung sei somit etwas günstiger ausgefallen als in der WIFO-Schnellschätzung vom Mai erwartet (-3,6 Prozen, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut heute, Mittwoch, mit. Besonders deutlich zeigte sich die Abschwächung in der konjunktursensiblen Sachgütererzeugung: Die Wertschöpfung sank gegenüber dem Vorjahr um 11,7 Prozent.

Das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist heuer zum Jahresauftakt stark geschrumpft, die Arbeitsmarktlage hat sich deutlich verschlechtert. Im April und Mai stabilisierte sich jedoch die Stimmung in der Industrie; die Erwartungen für die kommenden Monate verbesserten sich sogar etwas.

Gegenüber dem vierten Quartal 2008 ging das BIP real um 2,6 Prozent zurück (prognostiziert waren -2,8 Prozent). Mit einer Verzögerung von einem Quartal folgte die österreichische Wirtschaft damit dem internationalen Abwärtssog, der Konjunktureinbruch war aber bisher nicht so massiv wie beim Haupthandelspartner Deutschland.

Während EU-Kommission, Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und OECD für das Gesamtjahr mittlerweile von einer Schrumpfung von mehr als 4 Prozent ausgehen, hält das Wirtschaftsforschungsinstitut weiterhin an seiner Frühjahrsprognose (minus 2,2 Prozent) fest. Für Ende Juni wird die Sommer-Prognose erwartet.

Wie auch in anderen Ländern hätten sich auch in Österreich die Erwartungen der Unternehmen in der Sachgüterproduktion in den letzten Monaten "etwas verbessert", streut das Institut am Mittwoch vorsichtigen Optimismus. Ab Mai rechnen die Wirtschaftsforscher mit ersten positiven Effekten aus der Steuerreform.

Privater Konsum stabilisiert

Weil die niedrige Inflation die Kaufkraft stärkt, "wirkt der private Konsum derzeit stabilisierend", die privaten Haushalte haben im Jahresabstand um "nur" 1,2 Prozent weniger ausgegeben. Auch der Staat hat laut den Wifo-Zahlen moderat gegengesteuert: + 2,8 Prozent mehr öffentliche Konsumausgaben.

Das Wifo rechnet mit einem weiteren Rückgang der Teuerungsrate (österreichischer April-Wert: +0,7 Prozent): "Für diese Entwicklung war vornehmlich der Rückgang der Treibstoffpreise maßgebend. Obwohl die Rohölpreise kräftig anzogen, liegen sie noch immer unter dem Vorjahresniveau." Das könnte sich freilich in den Sommermonaten ändern. Im Juli 2008 hatte der Zusammenbruch der Ölpreise von 147 auf unter 40 Dollar pro Barrel begonnen.

Branchenspiegel

Der Einbruch der Wirtschaftsleistung konzentrierte sich auf Exporte sowie Investitionen und damit auf die Industrie und ihre Zulieferbetriebe. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die für den Inlandsmarkt produzieren, und die privaten Haushalte hat die Krise noch nicht voll erfasst. Privater und öffentlicher Konsum hielten annähernd das Niveau des Vorquartals.

Nach dem Absturz der Auftragsbestände im Winterhalbjahr besserten sich die Erwartungen der Unternehmen in der Sachgüterproduktion in den letzten Monaten etwas. Das gilt nicht nur für Österreich, sondern auch für die USA und den Euro-Raum insgesamt. Die Einschätzung der Auftragslage und die Kapazitätsauslastung befinden sich jedoch weiterhin auf einem Tiefpunkt.

Auslöser der Krise war ein massiver Exporteinbruch, dem in vielen betroffenen Unternehmen ein Investitionsstopp folgte. Der Nachfrageausfall war in den neuen EU-Ländern ebenso groß wie in den Ländern der EU 15. Besonders schlecht entwickelten sich die Exporte in die USA, nach Großbritannien, Spanien und Ungarn.

Die Tourismusbetriebe verzeichneten eine relativ erfolgreiche Wintersaison. Trotz der Krise sank die Zahl der Nächtigungen nur leicht, die Inländernächtigungen konnten sogar gesteigert werden. Die Umsätze wurden insgesamt leicht gesteigert. In der zweiten Hälfte der Wintersaison zeigte sich jedoch deutlich, dass die internationalen Reiseverkehrsausgaben bereits auf den Konjunktureinbruch reagierten. (APA)

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