Ein Milliardär auf dem Weg an die Spitze

9. Juni 2009, 21:25
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Saad Hariri (39) könnte Libanons nächster Premier werden

Saad Hariri brauchte kein Regierungsamt, um zu einem der mächtigsten Politiker im Libanon aufzusteigen. Sein immenses Vermögen, seine Netzwerke und sein Medienimperium öffneten ihm die Türen zum Weißen Haus wie in den Élysée-Palast. Am meisten geholfen hat ihm aber sein Name.

Saad Hariri ist der Sohn des im Februar 2005 ermordeten früheren libanesischen Premiers Rafik Hariri. Als sein Vater bei dem Attentat in Beirut starb, erbte Saad die politische Organisation der Familie. Am Wochenende triumphierte die Zukunftsbewegung nun zum zweiten Mal bei den Parlamentswahlen.

Wurde der erste Erfolg noch dem Martyrium seines Vaters zugeschrieben, gilt nun Saad tatsächlich als Gewinner. Und so könnte er sich in den kommenden Wochen zum neuen libanesischen Premier küren lässt.
In den sunnitischen Familienclan der Hariris wurde Saad am 18. April 1970 in Riad hineingeboren. Er studierte an der Georgetown-Universität in Washington Betriebswirtschaft und stieg 1994 bei Saudi Oger, dem Baukonzern seines Vaters, ein. Dieser machte ihn 1998 zum Generaldirektor der Firma, die zu den größten Konzernen in Nahost gehört. Saudi Oger hat einen Umsatz von jährlich zwei Milliarden Dollar und 35.000 Beschäftigte.

Nach der Ermordung seines Vaters zog ihn die Familie seinem älteren Bruder Bahaa vor. Angeblich ist Saad charismatischer als Bahaa, der das Wirtschaftsimperium der Hariris übernommen hat, zu dem unter anderem ein Fernseh- und ein Radiosender gehören.

Für die Ermordung Rafik Hariris, der sich zuletzt mit Damaskus überworfen hatte, macht die internationale Gemeinschaft und ein Teil der Libanesen Syrien verantwortlich. Also spielte Saad die antisyrische Karte. Mit Syrien zu verhandeln sei wie mit Al-Kaida zu sprechen, sagte er. Das Regime in Damaskus nannte er eine Mordmaschinerie. Dafür erhielt er die Unterstützung der USA. Inzwischen wählt er seine Worte staatsmännischer. Er reiche der von Syrien unterstützten Hisbollah die Hand, sagte Hariri nach seinem Wahlsieg. Mit Israel will er Frieden, aber nur im Rahmen eines breiten Abkommens mit der arabischen Welt.

Privates ist über Saad kaum bekannt: Forbes schätzt sein Vermögen auf 2,6 Milliarden Dollar. Hariri ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sollte Hariri Premier werden, muss er sich entscheiden: Setzt er sich weiter für die Aufklärung des Mords an seinem Vater ein, provoziert er die Hisbollah. Und an der kommt im Libanon selbst Saad Hariri nicht vorbei. (Von András Szigetvari/ DER STANDARD Printausgabe, 10.6.2009)

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