18 Tote bei Anschlag auf Luxushotel in Peshawar

10. Juni 2009, 09:14
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Mehrere UNO-Mitarbeiter unter den Toten - Dutzende Verletzte - Weiter Suche nach Vermissten - mit Video

Peshawar/Islamabad/Genf/Wien - Bei einem Anschlag auf ein Luxushotel im nordwestpakistanischen Peshawar haben Selbstmordattentäter mindestens neun Menschen mit in den Tod gerissen. Unterschiedlichen Angaben zufolge kamen bei dem Anschlag vom Dienstagabend bis zu 18 Menschen ums Leben. Die Zahl der Verletzten wurde mit rund 50 bis 70 Personen angegeben. Unter den Todesopfern befanden sich mehrere Mitarbeiter der Vereinten Nationen: Neben einem Serben und einer Philippinin sollen laut der Nachrichtenagentur Reuters auch drei UNO-Mitarbeiter aus Pakistan getötet worden sein. Bei Kämpfen zwischen Streitkräften und Taliban starben unterdessen nach Geheimdienstangaben im Nordwesten des Landes rund 70 Aufständische.

Rettungskräfte durchsuchten am Mittwoch die Trümmer des Hotels, das durch die Explosion teilweise eingestürzt war, nach Vermissten. In der Früh wurden weitere Leichen aus den Trümmern des Pearl Continental Hotels geborgen, in dem viele ausländische Gäste logieren. Nach offiziellen Angaben waren auch rund zwölf UNO-Mitarbeiter im Hotel. Unter den zunächst gezählten Todesopfern befanden sich keine Attentäter. Weitere Menschen wurden noch vermisst.

Halbe Tonne Sprengstoff

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die Tat als "abscheulichen Anschlag". Über die Hintermänner der schwer bewaffneten Attentäter war auch am Mittwoch noch nichts bekannt. Sie kamen nach Bildern von Überwachungskameras mit einem Auto und einem Kleinlastwagen und schossen sich den Weg an Sicherheitskräften vorbei frei. Auf dem Parkplatz vor dem Hotel zündeten sie mehr als eine halbe Tonne Sprengstoff, wie Polizeisprecher Shafqatullah Malik mitteilte.

Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) brachten am Mittwoch ihre Trauer über den Tod von zwei Mitarbeitern bei dem Anschlag zum Ausdruck. Der verstorbene serbische UNHCR-Mitarbeiter habe sich freiwillig für Noteinsätze gemeldet und sei im vergangenen Monat als Teil eines Nothilfe-Teams nach Pakistan entsandt worden, berichtete UNO-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres laut einer Aussendung in Genf. "Es war sein erster Nothilfeeinsatz, und er hat sein Leben im Dienst für andere gegeben, bei der Hilfe für Hunderttausende Zivilisten, die in jüngster Zeit im Nordwesten des Landes vertrieben worden waren."

Bei der ums Leben gekommenen UNICEF-Mitarbeiterin handelt es sich laut einer Aussendung von UNICEF Österreich um die Leiterin der Bildungsprogramme des Kinderhilfswerks in Pakistan. Die Filipina sei bereits seit 1994 für UNICEF tätig gewesen und habe sich in Peshawar aufgehalten, um Bildungsprogramme für Mädchen zu organisieren. UNICEF-Direktorin Ann Venemann beklagte den Tod der engagierten Mitarbeiterin als "Angriff auf genau die humanitären Prinzipien", für die sich jene eingesetzt hatte.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand, jedoch hatten die radikal-islamischen Taliban mit Rache-Anschlägen wegen der Militäroffensive im Swat-Tal gedroht. Die Stadt Peshawar liegt in der Nähe des Swat-Tals nahe der afghanischen Grenze. Dort liefert sich die pakistanische Armee seit Wochen heftige Gefechte mit den Taliban. Dabei sind bisher mehr als 1.300 Extremisten und 105 Soldaten getötet worden.

Bei einem Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel wurden im vergangenen Jahr in Islamabad mehr als 50 Menschen getötet. Die Luxus-Hotels in Islamabad und Peshawar gehören Sadruddin Hashwani, der nun einen zügigen Wiederaufbau des in Teilen erheblich beschädigten Gebäudes versprach. Gleichzeitig warf Hashwani der Regierung vor, das Hotel nicht ausreichend geschützt zu haben. Ein ranghoher Minister der Nordwestprovinz, Bashir Ahmad Bilour, wies die Kritik zurück und sah die Verantwortung dagegen beim Hotel-Eigentümer. Das Sicherheitsmanagement habe versagt. "Wir sind im Krieg. Terroristen haben es auf zahlreiche Opfer abgesehen", sagte Bilour.

Bei Kämpfen im Gebiet Jani Khel des Bezirks Bannu töteten die Streitkräfte nach Angaben von zwei Geheimdienstvertretern unterdessen rund 70 Aufständische. Bei den Gefechten nahe den Regionen Süd- und Nord-Waziristan seien auch Kampfhubschrauber und Artilleriefeuer eingesetzt worden. (APA/AP/Reuters/dpa)

 

  • Im Morgengrauen wird das Ausmaß der Schäden ersichtlich.
    foto: epa/rashid iqbal

    Im Morgengrauen wird das Ausmaß der Schäden ersichtlich.

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    Polizisten suchen in den Trümmern nach Spuren.

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    Die Explosion ließ das Hotel zum Teil einstürzen.

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    Die Fassade des Hotels auf einem Archivbild.

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