Kürzungen im Zeichen der Krise

9. Juni 2009, 19:13
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Die heimische Multimedia-Branche kämpft mit der Skepsis der Investoren

Online-Rennen mit Traktoren, audiovisuelle Museumsbegleiter, Lernspiele für Legastheniker, ein Internetportal für private Unterkünfte oder eines, wo Wanderer GPS-Daten zu Touren austauschen. Das sind nur einige der Projekte, die letztes Jahr mit dem Multimedia-Staatspreis ausgezeichnet wurden. Als er erstmals ausgeschrieben wurde, vor zwölf Jahren, waren die Projekte natürlich ganz anders. Damals kannte die Welt auch Google, Myspace, Facebook und Youtube noch nicht.

"Die Projekte werden spezieller, es geht nicht mehr einfach nur um schöne Webseiten", sagt Michael Eisenriegler, Geschäftsführer der Internetfirma Mediaclan, der vor einigen Jahren selbst einmal in der Jury saß. Laut Peter A. Bruck, den Staatspreisbeauftragten und Geschäftsführer der Research Studios Austria, wurden anfangs noch die meisten Projekte auf CD eingereicht; mittlerweile passiert das online. Laut Bruck kommen immer mehr Projekte aus den Bereichen Tourismus, Gesellschaft und Unternehmenskommunikation. Dass es um die heimische Multimediabranche recht gut bestellt sei, zeigt sich laut Bruck unter anderem an den vielen Teilnehmern: Mit um die 250 Einreichung habe man so viele wie beim Deutschen Multimedia Award. Auch Eisenriegler stellt der heimischen Multimediabranche ein recht gutes Zeugnis aus; man arbeite professionell und es gäbe immer wieder interessante Projekte. Ein Manko erkennt er dennoch: Viele Ideen verschwinden wieder, weil sie nicht langfristig finanziert werden.

Die Produktionen seien zwar kreativ, die Werbegelder aber immer noch zu sehr an traditionelle Medien gebunden. Auch das Neue dürfte die Investoren manchmal abschrecken. "Je innovativer, desto skeptischer", urteilt Eisenriegler. Er wünscht sich mehr Breitbandanschlüsse in ländlichen Regionen. Die Wirtschaftskrise wird auch an der Multimediabranche nicht spurlos vorüberziehen. "Viele sagen jetzt: Wozu brauche ich das?", kritisiert Bruck. Gekürzt wird hauptsächlich dann, wenn Online-Projekte nur Informationen darstellen sollen.

Sehen Firmen Multimediaprojekte als Dienst am Kunden, gibt es auch weiterhin Geld. "Wer kürzt, hat einen veralteten Zugang zu interaktiven Medien und wird es in der Wirtschaftskrise noch schwerer haben", sagt Bruck. Manche in der Multimediabranche könnten aber auch profitieren: "Viel Werbegeld wandert in den Online-Sektor, weil er billiger ist als die Printmedien", sagt Eisenriegler. Zudem dürfte die Krise vor allem kleinen Unternehmen zugute kommen. Große Firmen bauen Leute ab und lagern aus, kleine Agenturen profitieren davon.

Noch bis heute, Mittwoch, können Multimedia-Firmen beim Staatspreis des Wirtschaftsministeriums einreichen. Jedes Jahr wird auch eine Sonderkategorie ausgeschrieben; heuer zu den Themen Energie, Klima, Umwelt und Corporate Social Responsibility (CSR). Wer auf Geld hofft, wird aber enttäuscht: Die Gewinner erhalten eine Trophäe, ihre Projekte werden immerhin in Branchenmedien vorgestellt. Geld gibt es nur für den Förderpreis: Erstproduzenten, Amateure oder Studenten, die ihn erhalten, dürfen sich über 3.000 Euro freuen. (Mark Hammer/STANDARD, Printausgabe, 10.6.2009)

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