Ein Ende mit Schrecken

9. Juni 2009, 17:55
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Schlechte Geschäfte allein sind kein Rettungsgrund - Von Birgit Baumann

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: So versucht sich der Volksmund zu trösten, wenn schmerzliche Entwicklungen zu verarbeiten sind. Auch 43.000 Mitarbeitern des deutschen Touristik- und Handelskonzerns Arcandor bleibt im Moment nur diese Weisheit. Sie sind von der Insolvenz betroffen.

Die harte Haltung der deutschen Regierung können viele natürlich nicht nachvollziehen. Warum wird den 26.000 Opel-Mitarbeitern mit Staatsbürgschaften geholfen? Warum nicht den viel zahlreicheren Beschäftigten von Arcandor? Doch aus Sicht von Angela Merkel ist das Vorgehen nur logisch. Die Kanzlerin muss das volkswirtschaftliche Wohl von ganz Deutschland im Blick haben, darf nicht einige Tausend auf Steuerzahlerkosten bevorzugen.

Im Gegensatz zu Opel war bei Arcandor noch Luft drinnen. Die Eigner um Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und die Bank Sal.Oppenheim hätten sich noch bewegen können. Zudem ist Arcandor lange vor der Wirtschaftskrise schon durch Managementfehler ins Schlingern geraten.

Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, einen chronisch kranken Konzern mit Steuergeld aufzupäppeln. Da ist ein geordneter Neuanfang ehrlicher. Merkels Weigerung, leichtfertig Geld zu geben, darf somit auch als Schuss vor den Bug für all jene verstanden werden, die derzeit noch auf Staatshilfe setzen: Man greift Firmen nur unter die Arme, wenn sie unverschuldet (Kreditklemme durch die Krise) in Not gerieten. Schlechte Geschäfte allein sind kein Rettungsgrund. (Birgit Baumann, DER STANDARD, Printausgabe, 10.6.2009)

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