Ken Wiwa: "Mein Vater wäre glücklich"

9. Juni 2009, 18:53
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Shell kauft sich von Vorwürfen frei, an der Ermordung des Menschen­rechtlers Saro-Wiwa beteiligt gewesen zu sein

Abuja/Nairobi - Fast 14 Jahre hat Ken Wiwa dafür gestritten, dass die Beteiligung des Öl-Multis Shell am Tod seines Vaters gerichtlich aufgeklärt wird. „Sie waren nicht die Henker, aber ihre Fingerabdrücke sind überall zu sehen", so Wiwa. Doch wenige Tage, bevor ein Gericht in New York über den Fall verhandeln sollte, haben beide Seiten einen Vergleich vereinbart. 15,5 Millionen US-Dollar, etwa 11,2 Millionen Euro, erhalten die Kläger. „Mein Vater wäre glücklich mit dem Ergebnis", glaubt Wiwa, der heute Sonderberater von Nigerias Präsident Umaru Yar'Adua ist.

Der Vorwurf gegen Shell ist ungeheuerlich: Das Unternehmen soll Militärherrscher Sani Abacha Anfang der 90er-Jahre dazu bewegt haben, Saro-Wiwa und seine Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (Mosop) kaltzustellen. Saro-Wiwa und hunderttausende Ogoni forderten einen Anteil an den Ölgewinnen, um ihre jämmerlichen Lebensbedingungen und den Umweltschutz zu verbessern. 1995 wurden Saro-Wiwa und acht seiner engsten Verbündeten verhaftet und zum Tode verurteilt.

Doch seitdem haben sich die Lebensbedingungen im Niger-Delta nicht verändert. Der Regierung sitzt die Pistole auf der Brust: wegen Sabotageakten der militanten „Bewegung zur Emanzipation des Niger-Deltas" (MEND) und dem Rückzug von Investoren und Betreibern ist die tägliche Ölförderung von geplant 2,2 auf derzeit 1,4 Millionen Barrel am Tag gefallen. Zusammen mit den gefallenen Ölpreisen bedeutet das einen drohenden Staatsbankrott. Einen Dialog für die Zukunft des Deltas ließ die Regierung deshalb platzen. Stattdessen versuchen mehr als 3000 Soldaten seit mehr als drei Wochen, in der größten Militäroperation seit Jahren einen militärischen Sieg zu erringen. Zehntausende Zivilisten sind geflohen, bis zu 30.000 sitzen laut Uno noch fest. (Marc Engelhardt/ DER STANDARD Printausgabe, 10.6.2009)

 

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    Der nigeriganische Menschenrechtsaktivist Ken Saro-Wiwa, hier auf einem Archivbild, wurde 1995 zum Tode verurteilt und gehenkt.

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