STANDARD-Interview

"Parteischädigendes Verhalten"

9. Juni 2009, 16:53
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    foto: hendrich, der standard

    Wütender Altobmann: "Voggenhuber stilisiert sich jetzt zum Märtyrer", findet Van der Bellen.

"Genug ist genug!" - Alexander Van der Bellen greift EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber frontal an - Dieser wolle sich nur zum "Märtyrer" stilisieren

STANDARD: Hand aufs Herz: Wie viel Prozent hätten die Grünen bei der EU-Wahl am Sonntag mit Johannes Voggenhubers Antritt erreicht?

Van der Bellen: Ich weiß nicht, ob ich über diese Frage lachen oder wütend werden soll. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Das weiß doch kein Mensch!

STANDARD: Voggenhuber weiß es. Er erklärte zuletzt, dass mit ihm bis zu 19 Prozent zu holen gewesen wären.

Van der Bellen: Zuerst waren es 15 Prozent, nun lizitiert er hinauf, bald sind es 21. Das ist doch albern!

STANDARD: Fakt ist, dass einige Ihrer Parteikollegen, etwa aus Salzburg oder Tirol, nun sinngemäß sagen: Selbst schuld, wir hätten ihn antreten lassen sollen.

Van der Bellen: Ich sehe mir gerade die Bundesländerergebnisse an. Die mit den größten Verlusten sind Tirol und Salzburg. Wenn von dort Kritik kommt, dann sollen die Kollegen zuerst einmal vor ihrer eigenen Tür kehren und ihre Landesorganisationen auf Trab bringen.

STANDARD: Offensichtlich wollten sie nicht ohne Voggenhuber laufen.

Van der Bellen: Wenn ich derartig schlechte Ergebnisse einfahre und mich auf Voggenhuber ausrede, dann habe ich wirklich ein Problem.

STANDARD: Dem Wahlvolk war doch das grüninterne Hickhack egal.

Van der Bellen: Vielleicht, vielleicht auch nicht. Voggenhuber stilisiert sich jetzt zum Märtyrer. Soll sein. Tatsächlich hat er im Wahlkampf indirekt eine Wahlempfehlung für Othmar Karas und Herbert Bösch abgeben, jedenfalls keine für die Grünen - das ist parteischädigendes Verhalten. Für ihn wird das ohne Konsequenzen bleiben: Mit bürokratischen Sanktionen wie einem Parteiausschluss arbeiten die Grünen nicht.

STANDARD: Die Grünen und Voggenhuber haben also völlig gebrochen.

Van der Bellen: Wenn schon, dann hat er mit den Grünen gebrochen. Und was pudelt er sich zu europapolitischen Fragen überhaupt auf? Was hat er in den letzten Jahren gemacht? Womit war er denn immer in den Medien? Mit Kritik an der Führung, oder?

STANDARD: Sie hat ihn nicht auf die Kandidatenliste gesetzt.

Van der Bellen: Ja, mein Gott! Ist nur dann etwas demokratisch, wenn Voggenhuber gewählt wird, und alles andere eine Hofstaats-Diktatur?

STANDARD: Freuen Sie sich schon auf eine Zeit nach Voggenhuber?

Van der Bellen: Ich habe mir lange genug auf die linke und rechte Backe hauen lassen, jetzt, da ich nicht mehr Bundessprecher bin, kann ich sagen: Lieber Johannes, genug ist genug!

STANDARD: Gibt es in der Grünen-Spitze überhaupt keine Selbstkritik, dass bei der Wahl etwas gehörig schiefgelaufen ist?

Van der Bellen: Na sicher. Im Gegensatz zu Voggenhuber rede ich darüber nicht öffentlich. Nur so viel: Gegenwärtig wollen alle überall mitentscheiden. Das muss sich ändern. Wenn die Partei mit den bisherigen Strukturen weiterarbeiten will, sehe ich große Probleme.
 (Peter Mayr, DER STANDARD-Printausgabe, 10.6.2009)

Zur Person

Alexander Van der Bellen (65) war von 1997 bis 2008 Bundessprecher der Grünen.

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Plabutsch
05
13.6.2009, 02:37
Beinahe-Spitzenkandidat

Das ist vielleicht noch zur Erinnerung nachzutragen :

Auch wenn man beiseite läßt, dass wahrscheinlich ein großer Teil des Bundeskongress vorher von der Parteileitung dhingehend gedrängt wurde, Lunacek an die erste Stelle zu wählen - Hr. Van der Bellen spricht hier immerhin von dem Mann, den mehr als 40 Prozent des Bundeskongresses neuerlich als Spitzenvertreter der Europa-Liste sehen wollten !

Vielleicht hätte sich Hr. Van der Bellen mehr um einen guten Kontakt zu Voggenhuber als zu Plassnik bemühen sollen ???

metmar
40
13.6.2009, 19:49
> Auch wenn man beiseite läßt, dass wahrscheinlich ein großer Teil des Bundeskongress vorher von der

Parteileitung dhingehend gedrängt wurde, Lunacek an die erste Stelle zu wählen

Woran machen Sie das fest? Ganz konkret? Hat das auch nur IRGENDWER, der dabei war, zumindest *andeutungsweise* behauptet?

> Hr. Van der Bellen spricht hier immerhin von dem Mann, den mehr als 40 Prozent des Bundeskongresses neuerlich als Spitzenvertreter der Europa-Liste sehen wollten !

LOL. Und?

> Vielleicht hätte sich Hr. Van der Bellen mehr um einen guten Kontakt zu Voggenhuber als zu Plassnik bemühen sollen ???

Selbst sein Unterstützer Cohn-Bendit sagt Voggenhuber einen unmöglichen Charakter nach. Es spricht für vdB, Voggenhuber nicht auch noch in den Arsch zu kriechen.

weisungsgebunden
41
13.6.2009, 12:24
Glauben Sie wirklich,dass die bekannt aufmüpfige Grüne Basis irgendjemanden gerade deshalb wählt,weil sie "von der Parteileitung dazu gedrängt" wurde?

Das find ich ja so absurd:
Immer hiess es ,die Grünen sind so zerstritten,die blöde Basisdemkratie ruiniert jegliche Einheitlichkeit,weil dieser anarchische Haufen zumeist der Parteispitze zuwider handelt
Und das wurde als das große Manko der Grünen betrachtet.
Jetzt hat selbige Parteibasis einem altgedienten Funktionär keine absolute Mehrhei beschert,und auf einmal handelt es ich um funktionärshörige Abstimmungsroboter.
Das glaubt doch kein Mensch

die bundesregierung
17
13.6.2009, 00:02

oje vdb
ich mochte dich ja mal ganz gern
aber scheinbar haben dir die amazonen das hirn rausgeblasen

Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
25
12.6.2009, 21:07

Parteischädigender als Glawunacek? Kaum möglich.

Rinaldo Rinaldini
04
12.6.2009, 12:36
Na sicher. Im Gegensatz zu Voggenhuber rede ich darüber nicht öffentlich

....vielleicht solltet ihr aber daruber offentlich reden. sonst wirkt ihr ja ahenlich verbockt wie die Fuehrung der ehemaligen KPdSU

metmar
20
13.6.2009, 20:07

M.E. ist es nicht sonderlich sinnvoll, wenn der Vorgänger (vdB) oder der Vorvorvorvorvorgänger (ich hoff ich hab richtig gezählt) der aktuellen Bundessprecherin und ihrem Team öffentlich Vorhaltungen macht.

Glawischnig ist nun mal die Bundessprecherin. Mag Ihnen nicht passen. Ich bin auch nicht sonderlich begeistert. Aber sie muß auf eigenen Füßen stehen, ohne ständig von irgendwelchen ehemaligen Bundes- (bzw. Parteisprechern) an der Hand gehalten (im Fall Voggenhubers: gegängelt) zu werden. IMHO.

mikromalist
 
04
12.6.2009, 09:21
VdB, ich habe Sie schon gewählt,

als ich noch SPÖ Mitglied war und immer propagiert.
Sie werden nun zum Vranz, Lacina der Grünen.
Zudecken um jeden Preis?! Sie mache sich MITSCHULDIG am Zusammenbruch ihrer Parteien.
Sehr enttäuschend.
So haben inferiore ÖVP und die schrecklichen Burschenschafter leichtes Spiel.

metmar
01
12.6.2009, 19:45
> Zudecken um jeden Preis?!

Hat er nicht gesagt...

Schnur
62
11.6.2009, 21:31

Der Fall Arigona hat Österreich in rechts und links geteilt. Inländer gegen Ausländer. Voggenhuber- Poster polarisieren die Grünen in Männer und Frauen.
Was könnte man sonst noch alles spalten und verhetzen?
Parteien gegen andere Parteien, linke Grüne gegen rechte, liberale, alte Grüne gegen junge Grüne, Reiche gegen Arme, Junge gegen Alte, alte Männer gegen junge Frauen, Nichtraucher gegen Raucher, Homosexuelle gegen Lesben, alte Frauen gegen junge Männer, Söhne gegen Mütter, Väter gegen Töchter, Brüder gegen Schwestern, Gesunde gegen Kranke, schöne Kranke gegen hässliche Kranke, Blinde gegen Taube, Marathonläufer gegen Rollstullfahrer, Polizisten gegen Tierschützer, Menschen gegenTiere..... das nennt man bei uns dann Politik.

Naboki
12
11.6.2009, 23:23

Arigona ist schuld an der rechts links teilung, interessant. Wußte gar nicht das die Linke und Rechte davor schon die ganze Zeit auf ein Bier miteinander waren

und dann noch

Homosexuelle gegen Lesben...
für homosexualität und gegen lesben!!!

Waldi Kommbaldi
95
11.6.2009, 19:38
Dass es richtig war, Voggenhuber rauszuschmeißen

sieht man jetzt an seinem Verhalten. Aus meiner Sicht ist Voggenhuber ein Machtmensch. Es war gut, ihn abzuservieren. Frau Glawischnig macht ihre Sache bestens, sie ist eloquent, wirkt integrativ - und ist vor allem Mensch geblieben.

metmar
00
13.6.2009, 20:13
Mal angenommen, das ist keine Satire oder so...

Bei Voggenhuber geb ich Ihnen Recht.

Aber Glawischnig... bei ihr fällt mir immer nur ein, was JK Rowling mal über Prof. Minvera McGonagall (Stellvertreterin Dumbledores als Chef des Orden des Phönix und Schulleiter von Hogwarts) gesagt hat: "... a very worthy second in command, but she's not Dumbledore's equal."

Raphae1
20
13.6.2009, 00:34

Völlig richtig. Eventuell hätte man ihn ja noch vor der Listenerstellung zur Vernunft bringen können. Seit er keine Wahlempfehlung für die Grünen ausgesprochen hat, ist Hopfen und Malz verloren.

Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
02
12.6.2009, 21:08

Und Sie nehmen wahrnehmungsverzerrende Drogen.

MoltoBene
02
12.6.2009, 16:00
Ironie?

versuche verzweifelt die Ironie in ihrem Statement zu finden?! Aber ich fürchte Sie meinen es ernst. Eva, bist Du es???

TD FAQ
07
11.6.2009, 17:50
Komisch, jetzt redet er wie ein roter Gewerkschafter.

Wer bist du und was hast du mit van der Bellen gemacht?

metmar
00
12.6.2009, 19:46

"Ich habe mir lange genug auf die linke und rechte Backe hauen lassen,"

Wußte gar nicht daß die roten Gewerkschafter so reden...

Naboki
13
11.6.2009, 17:34

Noch mehr solche Interviews und die Grünen sind bei 8% (und das wieder völlig überraschend<--*ironie*).

Als erster sagt vdb, dass er froh ist wenn jv weg ist, zwei fragen später, dass er keine personalentscheidungen in der öffentlichkeit führt...

vielleicht schätzen die viele wähler einfach, dass sich gewisse leute kein blatt vor dem mund nehmen und die kritik öffentlich aussprechen und ausdiskutiert wird, als dass man Kritik im Keim erstickt, bzw nur auf eitle Wonne tut. Dies macht doch einen sehr elitären Eindruck(und das ist wohl kaum der Teich in den die Grünen fischen).

Bin ja gespannt wer länger aushält die Parteiführung oder die unzufriedenen grün-sympathissanten. Bis zur nächsten Watschen in Wien...

metmar
00
13.6.2009, 10:33
Habe Ihre Antwort per eMail erhalten.

* Sie haben Recht, daß vdB seine Meinung zu einer Personalentscheidung geäußert hat.

Anders als Sie behaupteten, sagt er gar nicht, daß er über Personalentscheidungen nicht in der Öffentlichkeit spricht. Sondern nur, daß er die Kritik an der Parteispitze nicht in der Öffentlichkeit führt. Ist doch wohl ein Unterschied, oder nicht?

* Ich glaube auch nicht, daß man, wie Sie meinen, nicht mit Voggenhuber geredet hat. Voggenhuber hat selbst gesagt, daß vdB mehrere Notizblöcke vollgeschrieben hätte mit seiner (Voggenhubers) Kritik an der Partei. Voggenhuber hielt es m.E. einfach nicht aus, daß nicht alle nach seiner Pfeife tanzen - das war wohl das ganze Problem. Absurd, daß so jemand zentraler Teil einer Basisdemokratiedebatte ist.

metmar
21
12.6.2009, 20:00
> Als erster sagt vdb, dass er froh ist wenn jv weg ist,

Das einzige was in die Richtung geht: "STANDARD: Freuen Sie sich schon auf eine Zeit nach Voggenhuber?

Van der Bellen: Ich habe mir lange genug auf die linke und rechte Backe hauen lassen, jetzt, da ich nicht mehr Bundessprecher bin, kann ich sagen: Lieber Johannes, genug ist genug!"

Das ist die zweitletzte Frage bzw Antwort! "Zwei Fragen später" gibt es also gar nicht.

> zwei fragen später, dass er keine personalentscheidungen in der öffentlichkeit führt...

Und das einzige was in die Richtung "Öffentlichkeit" geht, ist die allerletzte Antwort. Und da geht es aber nicht um Personalentscheidungen, sondern um Selbstkritik bezüglich der Wahl.

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß mit Voggenhuber schlicht und einfach nicht zu reden ist.

Naboki
00
12.6.2009, 22:28

Vielleicht ist das gerade das Problem der Grünen, dass man mit gewisse Leute einfach net redet, wenn man sie nicht mag.

und natürlich hat vdb seine meinung zu einer personalentscheidung kundgetan, wie soll man das anderes interpretieren? kein kommentar, das wäre angebracht gewesen, so wie ers gesagt hat, hat ers durch die Blume gesagt.

ein interview ist immer öffentlich! nicht nur einzelne fragen...

Anders Dänken
 
03
11.6.2009, 16:18
frei von jeder schuld ...!?

das is ja nett: erst schiesst die bundes-parteispitze einen kapitalen bock nach dem anderen (sehr freundlich ausgedrückt) und führt die grünen in eine endlose personaldebatte (nicht erst seit voggenhuber, aber da ganz besonders).
jetzt, da die kleinigkeit von einem viertel der stimmen weg ist, sind plötzlich die länder schuld, weil diese blöden basiswappler nicht ordentlich gelaufen sind für unsere strahlenden heldinnen!
dass ich nicht lach', herr professor! wär' wohl auch mal an der zeit für einen generationswechsel, oder?
andersrum: um der grünen logik zu folgen, würde auf vdb eine 60-jährige frau folgen.
sei's drum - frischer wind wär's allemal ....;)

metmar
20
12.6.2009, 21:16

Ich dachte, der Bundeskongreß habe ihn abgewählt, nicht die Bundesparteispitze.

littletinyflibbertigibbet
22
11.6.2009, 16:18
Gut gebellt

volle Punkte.

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