Analysten orten positive Aussichten für Aktienmärkte

9. Juni 2009, 16:27
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Raiffeisen Capital Management: "Stärkste Rückschläge liegen hinter uns" - Erste Group erwartet Stabilisierung der Konjunktur auf niedrigem Niveau

Wien - Zwei österreichische Finanzinstitute sind heute, Dienstag, mit ihren aktuellen Prognosen für Konjunktur und Kapitalmärkte an die Öffentlichkeit gegangen. Während für die Raiffeisen-Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management (RCM) die Trendwende an den Kapitalmärkten bereits vollzogen ist, ist für die Erste-Group-Experten der wirtschaftliche Wendepunkt erst in Sicht.

"Die stärksten Rückschläge liegen hinter uns", meinte heute RCM-Vorstandsmitglied Gerhard Aigner, in der RCM für das Asset Management zuständig, bei einem Pressegespräch in Wien. Er empfiehlt Positionen bei riskanteren Assets schrittweise aufzubauen oder zu erhöhen. Um den Aufwärtstrend aufrecht zu erhalten, bedürfe es allerdings "harter Fakten", so Aigner. "Echtes Wachstum" so nötig, eine Verlangsamung der Schrumpfungstendenzen werde auf Dauer nicht ausreichen.

Für Gudrun Egger, Head of Major Markets & Credit Research in der Erste Group, deuten nun zahlreiche Vorlauf- und Stimmungsindikatoren auf einen wirtschaftlichen Wendepunkt hin. Sie erwartet in den kommenden sechs Monaten aber noch keinen nachhaltigen Aufschwung, eher eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Im zweiten Halbjahr seien auf Quartalsbasis auch BIP-Zuwächse möglich, die Nachfrage dürfte aber eher gedrückt bleiben. Länder mit hohen Exportquoten wie Japan oder Deutschland - und damit teilweise auch Österreich - dürften nicht mehr an ihre früheren Entwicklungen anschließen können. In Österreich müsste aber noch der Effekt des Tourismus berücksichtigt werden.

Osteuropa soll wachsen

Für Osteuropa geht Chefanalyst Friedrich Mostböck weiterhin von einem überdurchschnittlichen Wachstum aus. Für die Eurozone prognostiziert die Erste für 2009 ein Minus beim BIP von 3,6 Prozent und eine niedrige Inflation von 0,6 Prozent, für 2010 von marginales BIP-Plus von 0,3 Prozent und eine Inflation von 1,2 Prozent.

Eine Gefahr für die Preisentwicklung stellen laut Erste-Analyst Rainer Singer die Energiepreise dar. Bei gleichbleibendem Preisniveau ergebe sich aus dem Ölpreis gegen Ende des Jahres aufgrund des Basiseffektes bereits ein Beitrag zur Inflation. Die US-Wirtschaft sollte in der zweiten Jahreshälfte zu moderaten Wachstumsraten zurückkehren.

Negative Effekte für Staatsanleihen

Negative Effekte für Staatsanleihen werden laut Egger in den kommenden Monaten überwiegen und die Renditen weiter steigen. Eine erneute Korrektur der Risikoprämien sei durchaus denkbar, aber es seien keine Höchststände wie im Herbst 2008 zu erwarten. Auch zeichne sich noch keine Stabilisierung der Kreditqualität ab.

Die RCM-Experten beurteilen die derzeitige Aktienbewertungen als "sehr attraktiv". Mögliche Rückschläge dürften eher kurze Störfeuer sein. "Die Chance auf langfristige solide Kursgewinne ist gegeben", so Aigner. Als besonders attraktiv aufgrund der diversen Hilfspakete werden die Bereiche Industrie, Bau, Telekommunikation, Technologie und Energie gesehen. Interessant seien auch die Themen China und Rohstoffe. (APA)

 

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