Wie stellen wir uns die "Nanozukunft" vor?

10. Juni 2009, 17:37
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Nanotechnologien: Ein Workshop beschäftigt sich mit Regulierungssystemen, öffentlichen Debatten und deren Entwicklung

Die erste Generation von Nanotechnologien hat längst in verschiedensten Formen Einzug in den Alltag und in die Konsumwelt gefunden. Von funktionaler Bekleidung, Leuchtbaustoffen, Multifunktionslacken, muskelsteuernden Nanoimplantaten und Nanocomputern bis zu intelligenten Nanorobotern: Nanotechnologien gelten als die Technologien des 21. Jahrhunderts schlechthin. Der internationale Workshop "Nanotechnology Governance Compared" am 16. und 17. Juni beschäftigt sich aus der Perspektive der Wissenschaftsforschung, Politik- und Sozialwissenschaften mit dem politischen Umgang mit Nanotechnologien und mit aktuellen Debatten über neue Technologien auseinander. Diese Debatten sollen auch vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen mit neuen Technologien betrachtet werden.

"Ressourcen der Imagination"

"Nanotechnologien gehen in unterschiedlichste Bereiche der Anwendung hinein, wie etwa in der Biomedizin mit der Veränderung bzw. 'Verbesserung' des menschlichen Körpers" erklärte Wissenschaftsforscherin Ulrike Felt in einem Interview mit "die Universität online". Felt hält am 17. Juni bei dem zweitägigen Workshop den Vortrag "Imaginaries and Discourses of Promises in biotechnology and nanotechnology". Felt arbeitet derzeit im Rahme eines FWF-Projektes zu dem Thema, wie sich österreichische WissenschafterInnen, PolitikerInnen und BürgerInnen die "Nanozukunft" vorstellen und auf welche "Ressourcen der Imagination" sie dabei zurückgreifen.

Zum Zuge von aufkommenden Nanotechnologien, die auch in der Lebensmittelindustrie- und Körperpflegeindustrie eingesetzt werden, könnte es noch einige Debatten geben. Wissenschaftsforscherin Felt verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es für den Einsatz von "Nano" noch keine Etikettierungspflicht, wie etwa bei genmanipulierten Lebensmitteln, gibt. "Hier steht die öffentliche Diskussion noch aus", so Felt.

Regulierung von Nanotechnologien

Die derzeitigen Regulierungen von Nanotechnologien beschränken sich meist auf "soft laws" in Form von Verhaltenskodizes. "Nanotechnology Governance Compared" möchte auch die Landschaft von Regulierungssystemen und Regulierungsdebatten bei Gentechnologie und Nuklearenergie behandeln. Die Klärung der Frage, ob bestehende Risikobewertungen angemessen und ob sie überhaupt durchführbar sind, ist eine wesentliche Herausforderung für die Diskussionen über neue Technologien.

Diskussionen rund um genetisch modifizierte Organismen, Atomabfall oder embryonale Stammzellenforschung haben das Verhältnis zwischen den Wissenschaften und Gesellschaft verändert. In den Niederlanden, oder beispielsweise auch in Großbritannien, wurde daher der Dialog zwischen Nanotechnologien und Öffentlichkeit besonders gefördert. Der Workshop möchte diese und andere Entwicklungen in der Nanotechnologie-Governance nachzeichnen.

Eingeleitet wird der Workshop von Sheila Jasanoff von der Harvard Kennedy School of Government. Die Professorin für Wissenschafts- und Technologienstudien hat vergleichende Studien zum Umgang mit Biotechnologien durchgeführt. Ein runder Tisch möchte eine Antwort darauf finden, was der Begriff "Nanotechnologie" überhaupt genau umfasst. Den Abschluss der Veranstaltung bildet ein Vortrag des Wissenschaftssoziologen Brain Wynne, der sich mit dem Verständnis zwischen ExpertInnen-Wissen und Laien-Wissen, Risiko-Einschätzung und die Risiko-Wahrnehmung der Öffentlichkeit beschäftigt. Organisiert wurde der Workshop von der Life-Science-Governance-Forschungsplattform der Universität Wien in Kooperation mit dem Institut für Wissenschaftsforschung. (beaha, derStandard.at, 10.9.2009)

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    "Nano" überall, hier in Form eines Ferrofluids: Ferrofluide sind Suspensionen feinster magnetischer Nanopartikel.

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