Falcos "Gesammelte Werke"

9. Juni 2009, 15:13
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Residenz-Verlag beginnt mit Herausgabe des "Schule für Dichtung"-Archivs

Wien - Mit den zahlreichen Autoren, die über die vergangenen Jahre in und für die Schule für Dichtung (sfd) gearbeitet haben, ist ihr auch eine neue Aufgabe erwachsen: "Wir haben ein Erbe zu verwalten und zu kommunizieren", betonte Direktor Christian Ide Hintze heute, Dienstag, bei einem Pressegespräch. Neben 1.000 Stunden Videoaufnahmen - Schreibvorträge von Nick Cave bis Marlene Streeruwitz - ist auch das Textarchiv gewaltig angewachsen und erscheint künftig in der neuen "edition schule für dichtung" des Residenz-Verlags.

Falco

Den Auftakt macht ein Band mit Falcos gesamten Songtexten im Herbstprogramm. Der Schöpfer des "Schönbrunner-Manhattan-Deutsch" sei auch Gegenstand mancher germanistischer Beiträge, etwa beim Symposium "Falco's many languages" im vergangenen Jahr, gewesen, die der Residenz-Verlag ebenfalls herausgeben will. Falco, der mit der Schule der Dichtung auch als Lehrer verbunden war, habe sich eine Ausgabe seiner "gesammelten Werke" selbst einmal gewünscht, erzählte Ide Hintze. Problematischer stellt sich die Instandhaltung des Videoarchivs dar, "wir bräuchten allein 400.000 Euro für die Sicherung der Daten - das übersteigt unser Budget natürlich bei weitem."

Innsbruck

Mit einer Klasse für "Video-Poesie" dürfte das Material weiter wachsen, auch mit der in den kommenden Tagen startenden Klasse für "akustische Poesie", bei der mit Sprache und Soundprogrammen poetisch gearbeitet wird. Im Herbst nimmt dann eine neue Internet-Klasse ihre Arbeit auf, die ganz dem "Goldenen Dachl" gewidmet ist. Das Innsbrucker Wahrzeichen ist zwar "erst" rund 500 Jahre alt, gibt der Wissenschaft dennoch zahlreiche Rätsel auf, wie der Direktor des Innsbrucker Stadtarchivs Lukas Morscher erklärte. Eines davon ist ein Schriftbanner auf einem Relief, dessen ans Hebräische mahnende Buchstaben bis heute ungeklärt sind. Nun konnte Felix Mitterer gewonnen werden, um mit Studenten der "Schule für Dichtung" eine neue Sichtweise, eine eigene Übersetzung der Schrift zu entwickeln.

Lesungen in Wien

Die Ergebnisse von Schreibwerkstätten - und nun auch der Schule für Dichtung - sind in der Hauptbücherei am Gürtel schon seit einiger Zeit Gegenstand von Veranstaltungen. Kleine Schreibwerkstätten wie in Langschlag und universitäre Programme wie das Literaturinstitut Leipzig kommen dabei mit Präsentationen und Lesungen nach Wien und verdeutlichen, "dass Literatur etwas Gemachtes ist", wie Jessica Beer von den Büchereien Wien betonte. "Lehr- und Lernbarkeit von Literatur" solle in ihren verschiedenen Formen gezeigt werden.

Studienzweig "Sprachkunst"

Mit dem Studienzweig "Sprachkunst" an der Universität für Angewandte Kunst erhält im Herbst auch Wien ein akademisches Programm für kreatives Schreiben - ein Trend, der in Europa langsam aber sicher zunimmt. "In den USA gibt es wahrscheinlich 200 Institute, auch in Großbritannien etwa 70", so Daniel Soukoup, der an der Literaturakademie Prag dem Institut für internationale Beziehungen vorsteht. In Prag liefen in den vergangenen vier Jahren auch die Fäden des "european network of creative writing" zusammen, bei dem sich die Literaturschulen etwa aus Spanien, Finnland, Tschechien, Israel, Deutschland sowie Österreich für Kooperationen zusammenfinden.

Internetklasse

"Die Traditionen und Strukturen sind in den einzelnen Ländern allerdings sehr unterschiedlich", so Soukoup - und dann ist da natürlich noch die Sprachbarriere. Wie man die zumindest punktuell überwinden kann zeigte ein Projekt des Netzwerks, das eine fünfsprachige Internetklasse versammelte - auf Englisch, Deutsch, Französisch, Tschechisch und Finnisch wurde dann an einem Vers als Imitation eines alten finnischen Gedichtes gearbeitet. (APA)

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    Falco, Schöpfer des "Schönbrunner-Manhattan-Deutsch"

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