Bastelanleitung für knallharte Auswahlverfahren

17. Juni 2009, 15:23
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Die Studieneingangsphase machts möglich - Wer sich am besten an das System anpassen kann, bekommt den Studienplatz

Dass die in der Unigesetz-Novelle für alle Studien vorgeschriebene Studieneingangphase keine KO-, sondern OK-Phase für die StudentInnen sein soll, wird sowohl von der ÖVP als auch von der SPÖ stets betont. Wer diese halb- bis zweisemestrige Phase nicht erfolgreich absolviert, kann nicht weiterstudieren. Geholfen sei damit beiden: Einerseits den Unis, die benötigte Kapazitäten in den höheren Semestern dann besser planen können und andererseits den StudentInnen, die sich gleich am Anfang orientieren können und auf eine möglicherweise falsche Studienwahl gleich zu Beginn aufmerksam werden.

In der Realität können Studieneingangsphasen selbstverständlich als Knock-Out-Verfahren verwendet werden, die sich trefflich dafür eignen, die Studienplätze nach der Eingangsphase zu limitieren. Wer nicht von Anfang an möglichst gute Leistungen erbringt und sich an die Spielregeln  hält, ist schneller draußen, als er oder sie sich an das System Uni gewöhnen kann.

Für die Selektion der Studierenden eigenen sich etwa hervorragend Proseminare mit prüfungsimmanenten Charakter und straffen zeitlichen Vorgaben. Wer den möglichst hoch anzusetzenden Ansprüchen nicht genügt, wird mit "Nicht Genügend" beurteilt. Um die Studierenden noch besser zu demotivieren, ist eine Wartezeit von einem Semester, bis das Proseminar wieder angeboten wird, trefflich geeigent.

Multiple Choice Tests, mittels derer in Massenstudien bevorzugt schriftliche Prüfungen abgehalten werden, können so gestaltet werden, dass die Beantwortung der Fragen möglichst kompliziert wird. Seltsame Fragstellungen, verwirrende Antwortmöglichkeiten, all das kann subtil in einen solchen Test eingebaut werden. Weniger subtil, dafür aber möglichst intransparent, kann der Notenschlüssel an die erzielten Prüfungsergebnisse angepasst werden. Die Grenze ob man bestanden hat wird einfach gemäß der zur Verfügung stehenden Studienplätze gezogen. Krude Vorstellungen - oder moderne Hochschulplanung? Gerade in unterfinanzierten Massenfächern lassen die Verantwortlichen ihre Köpfe rauchen, um sich möglichst "faire" Verfahren auszudenken, die eben nicht nach Selektion und schon gar nicht nach quantitativer Selektion aussehen.

Mögen die Unis hohe inhaltliche Anforderungen an ihre StudentInnen stellen. Die Frage ist nur, ob die derzeit praktizierten Selektionskriterien wirklich zur adäquaten Auswahl der Studierenden führt. Gewinnen dann die faktenverliebten Streber den heiß begehrten Studienplatz? Bleiben dafür echte Freigeister auf der Strecke? Wo bleibt die Möglichkeit, sich an der Uni erst einmal zurecht zu finden und die Spielregeln kennen zu lernen? Wo bleibt die Möglichkeit, sich auch einmal andere Studienfächer anzusehen? Wer heute ein heiß begehrtes Studienfach belegt, muss sich von Anfang einen scharfen Wettbewerb aussetzen. Jene, die sich am besten anpassen, überleben. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 17. Juni 2009)

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