Staat muss für neue Bundesanleihe mehr Zinsen zahlen

9. Juni 2009, 14:43
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Die Finanzierungsbedingungen für den österreichischen Staat auf dem internationalen Kapitalmarkt haben sich im Laufe des letzten Monats erneut verschlechtert

Wien - Die Finanzierungsbedingungen für den österreichischen Staat auf dem internationalen Kapitalmarkt haben sich im Laufe des letzten Monats erneut verschlechtert. Für die heute platzierte Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe 2008-2019/1/144A muss der Staat jährlich um rund 10 Prozent mehr an Zinsen zahlen als noch im Mai. Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) spricht gegenüber der APA dennoch von einem gutem Ergebnis, da die bei der Auktion erzielte Durchschnittsrendite von 4,43 Prozent um 5 Basispunkte unter der vergleichbaren Rendite am Sekundärmarkt lag.

Im Mai konnte die Aufstockung derselben Anleihe noch mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,99 Prozent durchgeführt werden, im April waren es 4,08 Prozent, also um 44 bzw. 35 Basispunkte weniger. 40 Basispunkte mehr bei einem Volumen von 1,0 Mrd. Euro erhöhen die jährliche Zinsbelastung für den Staat um 4 Mio. Euro. Im April und Mail lag des platzierte Volumen mit 800 Mio. Euro etwas unter dem heutigen Volumen von 1,0 Mrd. Euro. 100 Mio. Euro behält sich der Bund selbst.

Der Zinsabstand zur vergleichbaren deutschen Benchmark-Anleihe betrug laut ÖBFA 79 Basispunkte. Dieser Spread genannte Abstand hatte sich zuletzt schon auf 61 Basispunkte verringert und hat sich nun wieder vergrößert. Gudrun Egger, Chef-Kreditanalystin der Erste Bank, geht davon aus, dass sich der Spread bis Jahresende auf 50 Basispunkte verringern wird.

Durch die Verschärfung der Krise in Osteuropa waren die österreichischen Staatsanleihen vor allem im Februar stark unter Druck gekommen, der Spread im zehnjährigen Bereich ging damals auf bis zu 140 Basispunkte auseinander. Durch das weitläufige Engagement der österreichischen Banken in Osteuropa hatte Österreich bei den Ratingagenturen Vertrauen eingebüßt. Zusätzlich sorgten Aussagen von Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, wonach Österreich durch die Osteuropa-Investments in Bedrängnis geraten könnte, für steigende Spreads. Der Zinsabstand als Risikoaufschlag wird allgemein als Vertrauensmaßstab für die Kreditwürdigkeit eines Emittenten interpretiert.

Die heute ebenfalls durchgeführte Aufstockung der Bundesanleihe 2005-2015/2/144A um 850 Mio. Euro mit einer Restlaufzeit von 6 Jahren brachte eine Durchschnittsrendite von 3,85 Prozent und lag damit 69 Basispunkte über der deutschen Benchmarkanleihe. Der erzielte Zins lag um 6,5 Basispunkte unter der vergleichbaren Rendite am Sekundärmarkt. Der Bund behielt sich 85 Mio. Euro in seinen Büchern. (APA)

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