Rot-weiß-roter Investitionsschub

9. Juni 2009, 14:14
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Kapitalstarke österreichische Firmen nutzen laufende Marktbereinigung für günstige Übernahmen

Wien - "Investieren in den USA ist so billig wie nie zuvor", sagte der österreichische Handelsdelegierte in New York, Christian Kesberg, am Dienstag vor Journalisten in Wien. Der billige Dollar und die laufende Industriekonsolidierung sorgten schon 2008 für einen kräftigen Investitionsschub seitens österreichischer Unternehmen. Durch die aktuelle "Ausdünnung der Wettbewerbslandschaft" könnten kapitalstarke Firmen nun günstig expandieren und aus der Krise gestärkt hervorgehen.

Nach Investitionen von 422 Mio. Euro im Gesamtjahr 2007 erreichten die österreichischen Direktinvestitionen in den USA - nachdem alleine im ersten Halbjahr 2008 weitere 344 Mio. Euro investiert wurden - Ende Juni 2008 ein Gesamtvolumen von 3,5 Mrd. Euro, Tendenz steigend, gab Kesberg die jüngsten verfügbaren Daten bekannt. Derzeit gibt es 440 österreichische Niederlassungen mit 16.000 Mitarbeitern in den USA.

Potenzial quer durch die Branchen

Kesberg sieht dabei in fast allen Branchen Potenzial für österreichische Firmen, zumal auch die Flurbereinigung bei den lokalen Anbietern breitgestreut sei. Zudem finde derzeit eine "dramatischen Aufmischung von Lieferantenstrukturen" statt, wovon Austro-Unternehmen ebenfalls profitieren könnten. Das größte Wachstumspotenzial sieht der Handelsdelegierte aber im Infrastruktur-, Energie- und Umweltsektor, wo auch Mittel aus dem US-Konjunkturpaket zur Verfügung stehen.

Österreichische Unternehmen in den USA zählen laut Handelsdelegiertem zu den "besser kapitalisierten Spielern" am Markt, zumal hinter den Firmen meist keine durch die Krise geschwächte Aktiengesellschaft stehe. Die meist traditionell agierenden Klein- und Mittelbetriebe verfügen über eine relativ dicke Kapitaldecke und hätten in den letzten Jahren auch ganz gut verdient, was sich nun als enormer Vorteil erweise.

Auch in Mexiko und Kanada gehe es den dort angesiedelten österreichischen Exporteuren "nicht so schlecht", ergänzten die beiden Handelsdelegierten Franz Dorn (Mexiko) und Robert Luck (Kanada). Austro-Firmen haben meist viele Stammkunden und seien in Nischen tätig, für die es meist gar kein entsprechendes lokales Produkt gebe.

Blick auf andere Destinationen

Das derzeit große Interesse österreichischer Firmen an Exportmöglichkeiten in Amerika führten die Handelsdelegierten unter anderem auch darauf zurück, dass in den zuletzt stark forcierten Märkten in Mittel- und Osteuropa derzeit aufgrund der Konjunkturkrise geringere Exportchancen für österreichische Firmen bestünden und man den Blick nun wieder auf andere Exportdestinationen richte. "Eine gesunde Entwicklung einer stärkeren regionalen Diversifizierung des österreichischen Außenhandels", wie es Kesberg formulierte.

Österreichs Exporteure haben sich 2008 in den USA trotz schwierigster Bedingungen aufgrund der Wirtschaftskrise und eines ungünstigen Dollar-Kurses wacker geschlagen. Das "Drama" stehe erst heuer bevor, so Kesberg. Nach einem Exportminus von 30 Prozent in den ersten beiden Monaten 2009 hofft man, den Rückgang der österreichischen Lieferungen in die USA im Gesamtjahr bei 20 Prozent einbremsen zu können.

Laut Statistik sind die Austro-Exporte in die USA im Vorjahr um knapp 10 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro - und damit wieder auf das Niveau von 2004 - gesunken. Das Minus sei aber wie schon 2007 ausschließlich auf zwei Produkte - Red Bull und den BMW X3 - zurückzuführen und habe nur sehr bedingt oder gar nicht mit der schlechten Konjunkturentwicklung zu tun, erläuterte Kesberg. Bereinigt um diese Bereiche waren die österreichischen Exporte in die USA 2008 stabil. (APA)

 

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