Neue Autoklimaanlagen mit geringerem Treibhauseffekt

9. Juni 2009, 14:07
2 Postings

Grazer Forscher prüfen alternative Kältemittel - EU-Richtlinie verbietet Einsatz des gängigen Kältemittels ab 2011

Graz - Autoklimaanlagen tragen erheblich zum globalen Klimawandel bei. In Graz wird derzeit ein neues Kältemittel getestet, das die direkten Treibhauseffekte aus den Klimaanlagen um mehr als das 1.000-fache des bisherigen Wertes verringern könnte. Das gängige Kältemittel mit der Bezeichnung R134a soll laut der geplanten EU-Richtlinie ab 2011 schrittweise verboten werden. Im Kompetenzzentrum "Das virtuelle Fahrzeug" unter der Federführung der TU Graz wird an Alternativen geforscht.

Die Arbeitsgruppe Mobile Air Conditioning (MAC) unter der Leitung von Klaus Martin beschäftigt sich mit der Simulation und Analyse von Klimaanlagen mit Kohlendioxid (CO2) als Kältemittel, das unter der Bezeichnung R744 läuft. Laut Martin sei R744 wesentlich umweltverträglicher als R134a, da es weit weniger zum Treibhauseffekt beitrage.

Schrittweise verboten

Das Treibhauspotenzial (auch Global Warming Potential oder GWP) gibt an, wie stark ein bestimmter Stoff zum Treibhauseffekt beiträgt. Als Basiswert dient CO2 mit dem Wert 1, was auch dem Treibhauspotenzial von R744 entspricht. Im Gegensatz dazu beträgt das Treibhauspotenzial von R134a über 1.400, d.h. die Emission von 1 kg R134a trägt gleich viel zum Treibhauseffekt bei wie die Emission von über 1.400 kg CO2. Laut der geplanten EU-Richtlinie 2006/40/EG sollen ab 2011 Kältemittel in Fahrzeugklimaanlagen mit einem Treibhauspotenzial über 150 schrittweise verboten werden.

Rene Jugert, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe, über die Emissionen von Autoklimaanlagen: Laut aktuellen Studien verursacht die Klimaanlage rund sieben Prozent der CO2-Emissionen von entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen. 60 Prozent davon entstehen durch den natürlichen Kältemittelverbrauch. Für Jugert besteht hier ein "enormes Potenzial zur Senkung von Treibhausemissionen."

Besonders drastisch sei die Umweltbelastung, wenn beispielsweise durch einen Unfall die gesamte Füllmenge R134a entweichen würde. Die dabei freigesetzten CO2-Emissionen sind vergleichbar mit jenen, die ein durchschnittlicher PKW (CO2-Austoß: 165g/km) auf einer Strecke von 7.400 Kilometer emittiert.

Neben R744 werden auch noch weitere Alternativen getestet, wie das Kältemittel HFO-1234yf der amerikanischen Chemiekonzerne Honeywell und DuPont. (APA/red)

Share if you care.