Fischen im Teich von HPM

9. Juni 2009, 20:18
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60 Prozent Nichtwähler, 16 Prozent der abgegebenen Stimmen für Hans-Peter Martin: Nach den EU-Wahlen suchen die Wiener Parteien nach Strategien für den Stimmenfang vor den Landtagswahlen

Wien - Besonders konkret ist es nicht, was Bürgermeister Michael Häupl (SP) den Wählern von Hans-Peter Martin anbietet: Den "vorbehaltlosen Dialog" will er mit ihnen suchen, um zu verhindern, dass die Stimmen für den selbsternannten EU-Aufdecker an die "populistische Rechte" gehen, sagte Häupl am Dienstag.

Die Roten sind nicht die einzigen, die auf die 16 Prozent schielen, die Martins Liste am Sonntag bei den EU-Wahlen in der Bundeshauptstadt bekommen hat. Neben den 60 Prozent Nichtwählern sind sie das große unbekannte Reservoir, aus dem die anderen Parteien bei den kommenden Landtagswahlen schöpfen wollen.

"Rechts ist kein Schimpfwort"

Protestwähler seien es, die ihre Stimme Hans-Peter Martin gegeben haben, sagen Meinungsforscher - Wähler also, die vor allem den Freiheitlichen zugetan sein könnten, denen der blaue Europa-Wahlkampf möglicherweise aber zu rechts war. An der inhaltlichen Ausrichtung will FP-Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein zwar nichts ändern ("Rechts ist für mich kein Schimpfwort"). Die Blauen würden im Wien-Wahlkampf aber stärker als Sozialpartei auftreten. Mit einem klaren Ziel: "Wir wollen die SP-Wähler für uns gewinnen."

Tatsächlich gingen laut einer Wählerstromanalyse von Sora nur acht Prozent der Wiener Wähler am Sonntag von den Roten zu den Blauen; zu Martin wechselten 14 Prozent der SP- und fünf Prozent der bisherigen FP-Wähler.

Welche Rückschlüsse die EU-Wahlen auf die Landtagswahlen zulassen, darüber gehen die Meinungen (je nach erzieltem Wahlerfolg) auseinander. So meint VP-Politikmanagerin Ingrid Korosec, das relativ gute Abschneiden ihrer Partei würde vor allem zur Motivation ihrer Funktionäre beitragen. Und das Ergebnis beweise, dass so viele Wähler am Wiener Markt seien wie noch nie. Bürgermeister Häupl wiederum gab sich ob der großen SP-Verluste unwirsch. Die Wähler würden genau zwischen Europa-, Nationalrats- und Gemeinderatswahlen unterscheiden: "Ich bitte darum, dem Wähler ein Mindestmaß an Intelligenz zuzugestehen."

Grünen-Gemeinderat Christoph Chorherr teilt Korosecs Befund. Die Hälfte der Wiener, schätzt er, sei derzeit unschlüssig, was ihre politischen Präferenzen betrifft. Seine Partei müsse "Probleme präzise benennen und Lösungen aufzeigen. Wir müssen die Geschichte einer Stadt erzählen, in der Integration funktioniert, der Radverkehr Vorrang hat, und so weiter."

"Härtester Gegner" der Grünen, glaubt Chorherr, seien die Nichtwähler, der gleichzeitig ein "großes Interesse an politischer Diskussion und ernsthafter Auseinandersetzung" ortet.

Trotz aller Möglichkeiten, die neue Medien bieten, will er dabei vor allem auf eines setzen: das persönliche Gespräch. (Andrea Heigl, DER STANDARD-Printausgabe, 10.6.2009)

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    APA-FOTO: BARBARA GINDL

    Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) hält Ausschau nach den Wählern von Hans-Peter Martin und lädt sie zum "vorbehaltlosen Dialog" ein.

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