Bei Forschungsförderung "deutschem Vorbild folgen"

9. Juni 2009, 13:38
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Arnold Schmidt ortet hierzulande gravierenden Wettbewerbsnachteil - Deutschland gibt bis 2019 zusätzlich 18 Mrd. Euro für Unis und Forschung aus

Wien - In Deutschland stellen Bund und Bundesländer bis 2019 den Universitäten und der Forschung zusätzlich 18 Mrd. Euro in Aussicht. Dadurch soll etwa der Etat der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Förderorganisationen von 2011 bis 2015 mit fünf Prozent pro Jahr kräftig wachsen. "Auch bei uns in Österreich würde über derartige Zuwachsraten Jubel ausbrechen. Allerdings sieht unsere Welt völlig anders aus", betonte der Aufsichtsratsvorsitzende des Wissenschaftsfonds FWF, Arnold Schmidt: "Dem deutschen Vorbild zu folgen gebietet die forschungspolitische Vernunft und wäre eine Tat von großer Tragweite."

Mit den zusätzlich aufgebrachten Milliarden sollen in Deutschland vor allem drei bereits bestehende Initiativen gestützt werden: der u.a. auf die Schaffung neuer Studienplätze abzielende Hochschulpakt, die 2005 eingeleitete Exzellenzinitiative, mit der man die Spitzenforschung an den deutschen Unis fördern will, sowie der "Pakt für Forschung und Innovation" für die außeruniversitären Wissenschaftseinrichtungen. Ein entsprechender Vorschlag wurde im April bei einer Sondersitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern verabschiedet. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder haben den Vorschlägen der GWK zugestimmt, wie am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz des GWK-Vorsitzenden Jürgen Zöllner und Forschungsministerin Annette Schavan bekanntgegeben wurde.

Gravierender Nachteil

Von dieser finanziellen Planungssicherheit profitieren die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Angesichts der zugesagten jährlichen Steigerungsraten von fünf Prozent sei "die Zufriedenheit des Wissenschaftsrats, der DFG und der anderen Forschungseinrichtungen dementsprechend groß", so Schmidt, der hierzulande zugleich einen "gravierenden Nachteil im Wettbewerb um die besten Köpfe" ortet.

Das Budget des heimischen Wissenschaftsfonds betrage heuer 160 Mio. Euro "und bleibt auf diesem Niveau für fünf Jahre, also bis 2013 eingefroren", so Schmidt. Das bedeute "de facto eine Schrumpfung", denn allein die Gehälter der Doktoratsstudenten und der "Postdocs" stiegen "jährlich um einige Prozent". Angesichts dieser Situation habe sich der FWF gezwungen gesehen, Notmaßnahmen zu greifen.

So wurden etwa die erst kürzlich eingeführten Overhead-Zahlungen an die Universitäten gestoppt und das "von langer Hand geplante" Exzellenzprogramm "erst gar nicht begonnen". Dies seien "zwei wichtige Initiativen des FWF, die zweifellos sehr zur Dynamisierung der österreichischen Wissenschaftslandschaft beigetragen hätten", so Schmidt.

FWF holt auf

Zudem sei in den vergangenen 20 Jahren "die Schere zwischen deutschen und österreichischen Forschungsaufwendungen allmählich kleiner" geworden. Der FWF habe gegenüber der DFG "deutlich aufgeholt". Nun stehe man aber "vor einer schmerzlichen Trendumkehr". Die sich abzeichnende Entwicklung sollte alle Alarmglocken läuten lassen.

Im Wettbewerb um exzellente Wissenschaftler, beispielsweise mit der MPG und den durch die DFG und die Exzellenzinitiative gestärkten deutschen Universitäten, "werden die österreichischen zunehmend den Kürzeren ziehen", so Schmidt. Als die deutsche Bundesregierung die Verschrottungsprämie für ältere Autos einführte, sei ihr die österreichische Regierung innerhalb von Tagen gefolgt. "Eine derartig rasche Reaktion wäre jetzt auch dringend erforderlich", so der FWF-Aufsichtsrats-Chef: "Die Bundesregierung möge ihre wiederholte Aussage, die Forschungsausgaben seien von budgetären Sparmaßnahmen ausgenommen, unter diesen neuen Umständen endlich wahr machen." (APA)

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