"Zuckerl" fürs Spritsparen

11. Juni 2009, 16:32
76 Postings

Informatiker der Uni Salzburg erforschen Cockpit-Technologien, die Autofahrer dazu bringen sollen, sich umweltfreundlicher zu verhalten

Salzburg – Ein Gaspedal, das Gegendruck erzeugt, wenn hochtourig gefahren wird, oder eine Computerstimme, die einen daran erinnert, links vorne den Reifendruck zu erhöhen: Das sind zwei jener Technologien, die in Zukunft Autofahrer dazu motivieren könnten, beim Fahren weniger Sprit zu verbrauchen und damit die Umwelt zu schonen. Wissenschaftler der "Human-Computer Interaction Unit" unter der Leitung von Manfred Tscheligi am ICT&S Center der Uni Salzburg beschäftigen sich derzeit damit, auf welche Resonanz solche Systeme bei den potenziellen Benutzern stoßen.

Technologie und Persuasion

"Einer unser Schwerpunkte ist Technologie und Persuasion", sagt der Informatiker Alexander Meschtscherjakov im Gespräch mit derStandard.at: "Da geht es darum, Technologien einzusetzen, um persuasive Strategien zu verfolgen. Klassisches Beispiel wäre, mit dem Rauchen aufzuhören: Wie kann man Leute mit Hilfe des Computers dazu bewegen, dass sie mit dem Rauchen aufhören?"

"Wimmelt nur so von Knöpfen"

Das Thema Automobil sei von der Usability-Forschung bisher dagegen eher vernachlässigt worden, sagt Meschtscherjakov: "Dabei wimmelt es im Cockpit inzwischen nur so von Knöpfen. Das überfordert den Autofahrer teilweise." Wenn es um Sparsamkeit im Verbrauch gehe, versteife sich die Industrie meist nur auf die Technik, etwa die Motoreinstellungen. "Aber wir denken, dass auch das Verhalten des Benutzers dazu beitragen kann."

Einige Autohersteller, darunter Honda, Toyota, Audi, VW, Nissan und Fiat, hätten bereits "Projekte am Start, wo sie Interfaces einsetzen, um Leute dazu zu motivieren, ökologischer Auto zu fahren", sagt Meschtscherjakov. Es gehe darum, "die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort wiederzugeben", so dass sie vom Fahrer akzeptiert werde und die Fahrsicherheit nicht beeinträchtige.

Ergebnisse im September

In einem ersten Schritt haben die Salzburger Forscher fünf solcher Konzepte von Autoherstellern ausgewählt, weiterentwickelt und in einer Befragung auf ihre Akzeptanz hin untersucht. Die Ergebnisse sollen im September auf der Konferenz "AutomotiveUI 2009" im deutschen Essen präsentiert werden. "Wir sprechen da von einem vor-prototypischen Stadium", sagt Meschtscherjakov.

"Eco-Button"

Eine der vorgeschlagenen Technologien ist der "Eco-Button", der von Toyota und Honda angedacht wurde, erklärt Meschtscherjakov: "Wenn man diesen Knopf drückt, dann versucht das Auto von selbst, sich ökologischer zu verhalten. Das bedeutet: Das Gaspedal spricht nicht mehr so scharf an, die Klimaautomatik wird nicht mehr so schnell angefahren, es werden verschiedene Motoreinstellungen vorgenommen."

Das allein reiche aber als Motivation nicht aus, sagt Meschtscherjakov: "Wir haben gesagt, wir erweitern das durch eine Anzeige am Ende der Fahrt, die einem sagt: 'Sie haben auf dieser Fahrt 4,2 Liter Sprit gespart.' Wichtig bei der Persuasion ist immer, dass man Zuckerl gibt, dass man immer wieder darstellt, warum das gut gewesen ist."

Spritsparen als Spiel

Ähnlich funktioniert das von Honda und Ford entwickelte "Eco-Display", eine Anzeige im Armaturenbrett, in der während der Fahrt "ein paar Blätter wachsen oder auch nicht wachsen. Und je nachdem, wie ökologisch und auch spritsparend man fährt, desto mehr Blätter wachsen", erklärt Meschtscherjakov. Am Ende der Fahrt könne man dann ablesen, wie viel Sprit gegenüber den Normverbrauch eingespart wurde: "Man könnte sich auch überlegen, dass das sogar über Internet ein Spiel ist, dass der prämiert wird, der in einem Monat diese Strecke am spritsparendsten gefahren ist."

Das "Eco-Speedometer", das auf Konzepten von Honda und Toyota beruht, ist ein Tacho, der bei spritsparender Fahrweise grün leuchtet und beim verschwenderischem Fahren rot. Hier gehe es vor allem darum, möglichst niedertourig zu fahren, sagt Meschtscherjakov: "Da kriege ich sofortiges Feedback."

Gaspedal mit Gegendruck

Am umstrittensten werde wohl das "Eco-Pedal" sein, schätzt Meschtscherjakov – ein Gaspedal, das bei zu hochtourigem Fahren Gegendruck erzeugt: "Da könnten Sicherheitsbedenken aufkommen. Ein Display kann ich anschauen oder auch nicht, da muss ich nicht ständig drauf schauen. Aber das Pedal spüre ich halt immer." Andererseits könne das Gaspedal als direkte Schnittstelle zum Auto ein sehr effektiver Ort für Persuasion sein.

Der "Eco-Advisor" schließlich ist eine Computerstimme, die Tipps zum Spritsparen gibt – etwa, nicht zu schnell mit offenen Fenstern zu fahren, kein unnötiges Gewicht mitzuschleppen, nicht benötigte Dachträger abzunehmen oder den optimalen Reifendruck einzuhalten. "Die Frage ist natürlich, wie oft dann solche Sachen kommen und wie nervend das für den Fahrer ist", räumt Meschtscherjakov ein. Denkbar sei es etwa, eine solche Technologie mit einer Kamera zu verbinden, die den Gesichtsausdruck des Fahrers erkennt und dafür sorgt, dass die Tipps "nicht gerade in dem Augenblick kommen, wenn der Fahrer eh schon gestresst ist".

Zusammenarbeit mit Industrie

Als nächsten Schritt wollen Meschtscherjakov und sein Kollege, der Designer David Wilfinger, "die besten Modelle herausnehmen und verschiedene Parameter variieren". Tscheligi und die Salzburger Forscher sind momentan mit einem Autozulieferer im Gespräch, um derartige Geräte in einem geförderten Forschungsprojekt auch technisch weiterzuentwickeln. Auch eine Zusammenarbeit mit Autoherstellern ist denkbar. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 11.06.2009)

  • Spritsparen auf Knopfdruck: Mit  dem "Eco-Button" soll das Auto von selbst sparsamer werden und etwa die  Klimaanlage langsamer hochfahren.
    grafik: hci unit

    Spritsparen auf Knopfdruck: Mit dem "Eco-Button" soll das Auto von selbst sparsamer werden und etwa die Klimaanlage langsamer hochfahren.

  • Das "Eco-Speedometer" verändert seine Farbe je nachdem, wie umweltfreundlich der  Fahrstil ist. Entscheidend ist die Anzahl der Umdrehungen pro Minute.
    grafik: hci unit

    Das "Eco-Speedometer" verändert seine Farbe je nachdem, wie umweltfreundlich der Fahrstil ist. Entscheidend ist die Anzahl der Umdrehungen pro Minute.

  • Der Informatiker Alexander  Meschtscherjakov erforscht, ob solche Technologien auf Akzeptanz stoßen und wie  man sie optimieren kann.
    foto: markus peherstorfer

    Der Informatiker Alexander Meschtscherjakov erforscht, ob solche Technologien auf Akzeptanz stoßen und wie man sie optimieren kann.

Share if you care.