Zukunft von Conti weiter offen

9. Juni 2009, 15:54
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Das Ringen um eine neue Struktur geht weiter - die Fusion mit Schaeffler wird bis Ende Juli zu Ende geprüft

Hannover/Frankfurt (APA/dpa) - Die hoch verschuldeten deutschen Autozulieferer Continental und Schaeffler ringen weiter um eine neue Struktur. Nach einer Conti-Aufsichtsratssitzung am Montagabend in Hannover teilten die Kontrolleure zwar mit, eine Zusammenführung der Unternehmen solle geprüft werden. Dies soll aber "ergebnisoffen" und besonders mit Blick auf die "finanzielle Tragfähigkeit" geschehen.

Vor allem die Gewerkschaften befürchten seit längerem, bei einer Fusion mit Schaeffler würde Conti tiefer in wirtschaftliche Probleme geraten. Aktuelle Reaktionen auf den Beschluss des Aufsichtsrates gab es am Dienstag nicht. Der Prozess der Prüfungen solle in Ruhe bis Ende Juli zu Ende geführt werden, hieß es.

Der Familienunternehmen Schaeffler aus dem fränkischen Herzogenaurach hatte nach der auf Pump finanzierten Übernahme des dreimal größeren Conti-Konzerns Schulden von rund 12 Mrd. Euro angehäuft und bittet nun um Milliarden-Staatshilfen. Conti ist mit rund elf Mrd. Euro verschuldet und schreibt rote Zahlen, steht nach Meinung mancher Branchenkenner aber stabiler da als Schaeffler. Beide Zulieferer sind massiv von der Finanz- und Autoabsatzkrise betroffen und müssen ihre Kosten drastisch senken. Conti hatte erst am vergangenen Freitag mitgeteilt, weitere 2.000 Stellen im Zulieferbereich in Deutschland zu streichen.

Standorte sichern

Die Betriebsräte riefen am Dienstag gemeinsam mit der IG Metall in Frankfurt dazu auf, notwendige Restrukturierungen sozialverträglich zu gestalten. Am Rande der Aufsichtsratssitzung am Vortag in Hannover forderten sie den Conti-Vorstand auf, alles zu tun, um Standorte und Beschäftigung zu sichern. Derzeit prüfe man in Sondierungsgesprächen, ob die Konzernleitung bereit sei, einen konstruktiven Weg mitzugehen, um die Krise so zu bewältigen, dass auf Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden könne, hieß es einer Pressemitteilung am Dienstag. Bestehende Möglichkeiten, wie etwa die Ausweitung der Kurzarbeit, seien bei weitem noch nicht ausgenutzt.

Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann hatte auf der Hauptversammlung Ende April angekündigt, innerhalb von maximal 100 Tagen ein Zukunftskonzept vorlegen zu wollen. Nach der Aufsichtsratssitzung am Montag erklärte er, die Gespräche mit Schaeffler liefen sehr konstruktiv. "Wir befinden uns zwar noch in der konzeptionellen Phase dieses Prozesses, aber das industrielle Know-how, das wir bisher von der Schaeffler Gruppe gesehen haben, stimmt uns positiv", sagte er.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Koerfer sagte, es müsse "sorgfältig und verantwortungsvoll" geprüft werden, ob eine vollständige Zusammenführung der beiden Unternehmen im wirtschaftlichen Interesse von Conti sei und von den anderen Beteiligten mitgetragen werden könne. Die "industrielle Logik" der Verbindung liege jedenfalls auf der Hand. "Wir haben die große Chance, hier in Deutschland den zweitgrößten Automobilzulieferer der Welt zu schaffen." Zugleich solle der Vorstand aber parallel alternative Optionen und deren mögliche Umsetzung analysieren. Der Prozess soll bis Ende Juli abgeschlossen werden. (APA)

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    Conti-Mitarbeiter demonstrieren am 23. April vor der Hauptversammlung und machen ihrem Ärger Luft.

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