Befürchtungen rund um Studieneingangsphase

9. Juni 2009, 13:40
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ÖH: "Wechsel der Universität nach Bachelor-Abschluss wird erschwert" - Grünewald lobt Gesprächsklima

Die Reaktionen zur neuen UG-Novelle fallen sehr durchwachsen aus. Einzelne Punkte werden auch von den Oppositionsparteien und Studierendenorganisationen begrüßt, die geplante Studieneingangsphase hingegen durchwegs kritisiert. 

Grünewald begrüßt Gesprächsklima

Verständnis zeigt Wissenschaftsprecher Grünewald von den Grünen für die Sorgen der Studierenden, dass Einstiegssemester, nicht wie behauptet wird, nicht bloß der Orientierung dienen werden. "Engpässe in den Betreuungsverhältnissen und knappe Budgets werden die Universitäten geradezu nötigen, hier unerwünschte Notbremsen der Studienplatzbeschränkung zu ziehen um die Zahl der Studierenden zu begrenzen."

Als positiv sieht Grünewald etwa die stärkere Teamorientierung durch die bessere Einbeziehung und Berücksichtigung des wissenschaftlichen Personals. Auch die Dominanz des Uni-Rates bei der Rektorswahl wurde entschärft. "Ein Wermutstropfen ist aber die Beibehaltung des alten hierarchischen Kuriensystems, welches erst später reformiert werden soll. Was später heißt, lässt Hahn völlig offen und hier hätte ich mir stärkere und mutigere Signale erwartet", so Grünewald.

Als großes Plus sieht Grünewald die Verbesserung des Gesprächsklimas: "Hätten derartige Gespräche mit allen Parteien und Betroffenen schon früher und ergebnisoffener begonnen, wären wir wohl einen Schritt weiter gekommen". Irritierend jedoch fand Grünewald den von den Freiheitlichen offen zur Schau getragenen Wunsch nach 'starken Männern', die sich der Geschicke der Universitäten in Positionen der Allmacht annahmen sollten. "Universitäten funktionieren nicht nach dem 'Führerprinzip' es wäre schön, wenn das die FPÖ-Mitglieder des Wissenschaftsausschusses doch auch endlich kapieren würden", sagt Grünewald. 

Bei Umgehung will ÖH klagen

Die ÖH steht den Studieneingangsphasen grundsätzlich positiv aber mit einigen Vorbehalten entgegen: "Unsere Forderungen in diesem Punkt wurden teilweise im Entwurf übernommen. Wir fordern eine Schutzregelung vor Zugangsbeschränkungen und Knock-Out und werden ganz genau darauf achten, dass keine Universität auf die Idee kommen wird diese zu umgehen. Sollten wir nur den leisesten Verdacht haben, dass hier Schindluder betrieben wird, werden wir sofort klagen", betont ÖH-Vorsitzender Samir Al-Mobayyed.

Positiv für die Mitbestimmung der Studierenden in den Uni-Gremien sei, dass die absolute Mehrheit der Professorinnen und Professoren im Senat falle und man begrüße besonders die Beibehaltung der Sperrfrist für den Übergang von der Politik in den Unirat. 

Einen Widerspruch bringe allerdings das Thema Mobilität in den UG-Entwurf: "Einerseits wird die Förderung von Mobilität als Wunschziel formuliert, diese Vorsätze begrüßen wir. Doch beim Übergang vom Bachelor zum Master wird ein Wechsel zwischen Unis innerhalb von Österreich noch zusätzlich erschwert, dies widerspricht grundlegend dem Bologna-Gedanken", kritisiert der Studierendenvertreter.

ÖH erwartet ein Einlenken

Problematisch ist für Al-Mobayyed auch die geplante Anwendung der Bologna-Architektur auf das Studium der Human- und Zahnmedizin sowie der Rechtswissenschaften, hier befürchtet man schwere Qualitätseinbußen, sowie die qualitative Beschränkung der PhD-Studien. "Ein wichtiges Anliegen ist uns auch der Senat als einzig demokratisch legitimiertes Uni-Gremium, er muss auf- und nicht abgewertet werden. Mit der Übertragung der Wahlordnung und der Ausschreibung der Rektorswahl vom Senat an den Unirat entzieht ihm die UG-Novelle eine wichtige Kompetenz. Diese wichtige Funktion muss auch in Zukunft beim nicht politisch besetzten Senat verbleiben", so Al-Mobayyed.

"Es bleibt noch eine Woche Zeit, notwendige Korrekturen vorzunehmen. Wir erwarten noch ein Einlenken in den von uns geforderten wichtigen Punkten", betont Al-Mobayyed abschließend.(red/derStandard.at)

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